Sechs Monate OLB in Bremen

Oldenburgische Landesbank sieht in Bremen Potenzial

Bremen. Seit gut einem halben Jahr gibt es einen neuen Mitspieler am Bankenplatz Bremen: die Oldenburgische Landesbank (OLB). In ihrer neuen Niederlassung Am Wall 146 wirbt die größte deutsche Regionalbank vorerst nur um Firmenkunden. OLB-Chef Benedikt Buhl denkt an Expansion.
13.02.2010, 06:40
Lesedauer: 3 Min
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Von Annemarie Struss-v. Poellnitz

Bremen. Seit gut einem halben Jahr gibt es einen neuen Mitspieler am Bankenplatz Bremen: die Oldenburgische Landesbank (OLB). In ihrer neuen Niederlassung Am Wall 146 wirbt die größte deutsche Regionalbank vorerst nur um Firmenkunden. Aber OLB-Chef Benedikt Buhl denkt bereits an Expansion. 'Wir haben in Bremen mehr Chancen als erwartet. Wir wollen expandieren', sagte Buhl im Gespräch mit dieser Zeitung. Auf längere Sicht will sich die OLB hier auch für Privatkunden öffnen. Das ist vorerst nur online möglich.

Dass die als grundsolide und hochprofitabel geltenden Oldenburger überhaupt hier antreten können, verdanken sie der Neusortierung des Bankenmarktes in Deutschland und letztlich der Finanzkrise. Die börsennotierte OLB gehört zu 89,6 Prozent dem Münchner Allianz-Konzern. Die restlichen 10,4 Prozent verteilen sich auf private Investoren und Belegschaftsaktionäre.

Bis 2008 gehörte auch die Dresdner Bank, die hier noch Bremer Bank heißt, der Allianz. Da war es klar, dass man sich in Bremen nicht gegenseitig Konkurrenz machte. Unter dem Dach der Allianz entwickelte sich die Dresdner nicht so wie gewünscht. Nicht zuletzt unter dem Renditedruck des Mutterkonzerns hatte sie auf den internationalen Finanzmärkten kräftig mitgezockt. Die Allianz erklärte das sogenannte Allfinanzkonzept - von Kleinkredit bis zur Lebensversicherung - für gescheitert und verkaufte die Dresdner an die Commerzbank.

Die im Konzernmaßstab kleine Regionalbank OLB behielt die Allianz zur allgemeinen Verwunderung. Branchenkenner raunen, die Commerzbank habe sich die schmucke OLB schlicht nicht auch noch leisten können. Sie hat sich wie man heute weiß schon an der Dresdner reichlich verschluckt und hätte ohne massive Staatshilfen wohl kapitulieren müssen.

Für die OLB war damit jedenfalls der Weg nach Bremen frei. Sehr zur Freude von Benedikt Buhl, der erst vor einem Jahr von der Dresdner Bank an die Spitze der OLB wechselte. Er hält Bremen für einen attraktiven Markt. Seine Zielgruppe hier: Firmenkunden, vermögende Privatkunden und Unternehmer mit Sitz in Bremen oder in der Region. Das ist natürlich genau die Kundschaft, auf die auch die Konkurrenz von Credit Suisse, UBS, Commerzbank, Deutscher Bank, Sparkasse und Bremer Landesbank ein Auge geworfen hat. Aber Buhl gibt sich selbstbewusst: 'Unser Geschäftsmodell hat sich über mehr als 140 Jahre bewährt. Wir sind in der Weser-Ems-Region sehr erfolgreich, wir sind grundsolide und in der Region verankert. Ich glaube, dass wir auch in Bremen viele Kunden von unserem Geschäftsmodell überzeugen können.' Als zurückhaltender Banker sagt man das natürlich nicht so direkt, aber er geht schon davon aus, dass das, was immer so schön als Konsolidierung umschrieben wird, der OLB neue Kunden zuführt:

Nicht alle Kunden sind glücklich über die Fusion von Commerzbank und Dresdner Bank oder die Adoption der Postbank durch die Deutsche Bank. Der ehemalige Bremer Commerzbanker Carl Kau, der die neue OLB-Niederlassung leitet, dürfte schon einiges mitgezogen haben. Buhl sieht die OLB nicht nur als mögliche Zweitbank für diese Kunden, sondern empfiehlt sich als erste Wahl.

Das Profil der OLB als Regionalbank, die mit dem Slogan 'Hier zu Hause' wirbt, sieht Buhl durch die Allianz nicht gefährdet. Die ist bisher gut damit gefahren, die erfolgreiche Tochter an der langen Leine laufen zu lassen. 'Wir arbeiten eigenständig', versichert Buhl. Das gilt für die Regionalbank. Die OLB ist aber auch Service-Plattform für die Allianz Bank. Denn den Abschied vom Allfinanzkonzern hat der größte europäische Versicherungskonzern schließlich doch nicht ganz vollzogen. Girokonten, Wertpapierberatung, Firmen- und Privatkredite - all diese Produkte werden über die Allianz Bank beworben und über die Service-Plattform der OLB verarbeitet. 'Wir helfen der Allianz bei der Etablierung ihres Bank-Geschäfts', beschreibt Buhl. Ein Geschäft zu beiderseitigem Nutzen: Die Allianz Bank profitiert von der Erfahrung und dem guten Ruf der OLB, die wiederum von den Dienstleistungen für potenziell 118 Millionen Kunden der Allianz profitiert.

Das eigene Geschäft der OLB soll aber regional bleiben, wobei sich diese Region nach Vorstellung von Buhl durchaus ausdehnen soll. Bisher wurde vor allem der Weser-Ems-Raum beackert, jetzt wachsen durch die beschriebenen Verschiebungen auf dem Markt die Chancen auch auf der anderen Weser-Seite und Richtung Bremerhaven. Mit Wohlwollen sieht Buhl deshalb das zunehmend engere Miteinander von Bremen und Niedersachsen, registriert mit Oldenburger Brille aber noch einige Ungleichgewichte: 'Die Metropolregion Bremen/Oldenburg sollte wirklich ein gemeinsamer Auftritt sein, unter Nennung beider Städte.'

Buhl sieht die OLB nach dem Krisenjahr 2009 auf der Gewinnerseite, gerade weil sie sich klar als Regionalbank definiere. Die Bilanzzahlen werden zwar erst am 10. März veröffentlicht. Aber soviel lässt er schon durchblicken: Die OLB habe zu ihren 430000 Kunden etliche hinzugewonnen. Sie habe 2009 im Volumen zugelegt bei den Kundeneinlagen, im Wertpapiergeschäft und bei der Vergabe von Krediten ('ein historischer Höchststand'). Die Wertberichtigungen seien dagegen unter den Erwartungen geblieben. Für 2010 erwartet Buhl aber entsprechend der Einschätzung der Bundesbank auch für sein Geschäft eine größere Zahl von Kreditausfällen.

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