Papiermarkt

Altpapiermangel treibt Preise in die Höhe

Weniger Altpapier, Umstellung einiger Papierfabriken auf andere Sorten und Lieferengpässe bei Zellstoff – das sorgt für ein hohes Preisniveau bei grafischem Papier.
09.09.2021, 18:36
Lesedauer: 2 Min
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Altpapiermangel treibt Preise in die Höhe
Von Peter Hanuschke
Altpapiermangel treibt Preise in die Höhe

Die Preise für grafisches Papier, das für Zeitungen, Plakate und Aufkleber verwendet wird, sind in den vergangenen Monaten deutlich gestiegen. Dafür sorgen unter anderem ein Rückgang beim Altpapier und Probleme bei den internationalen Lieferketten.

China Hopson

Der Papiermarkt ist durcheinander gewirbelt - die Preise steigen. Das bezieht sich vor allem auf sogenanntes grafisches Papier, das für Zeitungen, Plakate und Aufkleber genutzt wird. Preistreiber sind ein Mangel an Altpapier, Umstellung einiger Papierfabriken auf andere Sorten und Lieferengpässe bei Zellstoff. 

Seit Jahresbeginn sind laut dem "Handelsblatt", das sich auf das Preis-Index-Unternehmen Fastmarkets Foex bezieht, die Preise für Altpapier um 70 Prozent gestiegen. Und das hat Folgen: Denn Altpapier macht in der Produktion 80 Prozent des grafischen Papiers aus, wobei Zeitungspapier sogar komplett aus Altpapier hergestellt wird. Im August kostete nach Angaben der Wirtschaftszeitung eine Tonne Altpapier knapp 170 Euro.

Die Altpapiermengen sind während der Corona-Pandemie zurückgegangen – Unternehmen haben weniger Prospekte drucken lassen und Anzeigen geschaltet, es gab weniger Veranstaltungsbeilagen, was alles in allem auch zu dünneren Zeitungen geführt hat. Im Corona-Jahr ist die Menge an Altpapier in Deutschland nach Angaben des Verbands Die Papierindustrie mit knapp 14,5 Millionen Tonnen um etwa 230.000 Tonnen gesunken – das sind knapp zwei Prozent weniger als 2019.

2,7 Prozent weniger Altpapier kamen im kommunalen Sammelsystem der Bremer Stadtreinigung zusammen. Im vergangenen Jahr seien es 35.000 Tonnen Papier und Pappe gewesen, 2019 habe die Menge bei 36.000 Tonnen gelegen, so Torben Kapp von der Stadtreinigung.

Die teilweise deutlichen Produktions- und Absatzrückgänge des vergangenen Jahres seien im ersten Halbjahr 2021 in vielen Bereichen wieder abgefedert worden, heißt es beim Papierindustrieverband. Gleichzeitig würden aber hohe Energie- und Rohstoffpreise sowie Versorgungsengpässe die Branche belasten. Hinzu komme, dass die Zellstoff-Preise durch eine starke Nachfrage aus China nach oben getrieben würden.

Die Papierknappheit verschärfe sich, weil viele Hersteller ihre Produktionswerke in der Vergangenheit geschlossen oder umgerüstet hätten, schreibt das "Handelsblatt". Denn die Nachfrage nach grafischem Papier sei auch unabhängig vom Corona-Krisenjahr gesunken: Im vergangenen Jahr lag die Produktion bei sechs Millionen Tonnen, zwölf Jahre zuvor war noch die doppelte Menge produziert worden. Statt grafischen Papiers wird in manchen Fabriken nun Wellpappe hergestellt, die als Transportpackung verwendet wird. Abnehmer ist der immer weiter wachsende Online-Handel.

"Nach starken Einbrüchen im vergangenen Jahr ist die Produktionsmenge bei den grafischen Papieren von Januar bis Juni 2021 im Vergleich zu 2020 wieder gestiegen, und zwar um 5,6 Prozent", vermeldet der Verband. Da die Kapazitäten bei den grafischen Papieren in ganz Europa seit Jahren rückläufig seien, führe dies jedoch vereinzelt zu Lieferengpässen und zu dem hohen Preisniveau. Hinzu komme, dass die Rohstoffknappheit durch die weltweiten Probleme im Seeverkehr und die damit verbundene Knappheit von Containern sowie massiv steigende Frachtraten befeuert werde.

Laut Umweltbundesamt wurden 2019  in Deutschland rein rechnerisch 227  Kilogramm Pappe, Papier und Karton pro Kopf verbraucht. Diese Zahl beziehe neben dem Verbrauch in den privaten Haushalten auch den gesamten Verbrauch an Papier in Wirtschaft, Medien und Verwaltungen mit ein. In privaten Haushalten betrage die jährlich verbrauchte Papiermenge etwa 105 Kilogramm pro Person, was einer Gesamtmenge von 19 Millionen Tonnen entspreche. Im gleichen Jahr hätten private und kommunale Entsorger 14,8 Millionen Tonnen Altpapier gesammelt, woraus sich eine Altpapierrücklaufquote von 78 Prozent ergebe.

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