Fotogeschäft Photo Dose verkauft seine Filialen

Das Bremer Traditionshaus Photo Dose wird in Zukunft nur noch ein einziges Ladengeschäft haben. Die anderen Standorte übernimmt ein Kölner Unternehmen. In Spitzenzeiten gehörten Photo Dose 120 Läden.
23.03.2018, 15:09
Lesedauer: 4 Min
Zur Merkliste
Photo Dose verkauft seine Filialen
Von Lisa Schröder

Das Bremer Traditionsunternehmen Photo Dose verkauft seine Filialen und will sich in Zukunft auf den Onlinevertrieb fokussieren. Nur das Geschäft in Bremen-Horn soll noch bleiben. "Wir sind vor allem ein Bilddienstleister, und dieses Geschäft ist digital", sagt Nick Dose. Der 40-Jährige führt das Unternehmen in vierter Generation. Schon heute gingen 95 Prozent der Aufträge für Fotos, Alben oder Bilderleinwände online ein.

"Wir haben deshalb die strategische Entscheidung getroffen, uns komplett vom Einzelhandel zu verabschieden." Die Kölner Gruppe Foto Gregor will sechs der Dose-Filialen übernehmen: das Hauptgeschäft am Ostertorsteinweg sowie die Filialen in Kiel, Lübeck, Hamburg, Braunschweig und Hannover. Im Laufe des Jahres übernimmt Gregor die Läden und insgesamt 34 Mitarbeiter.

Die Standorte in Oldenburg, zwei Filialen in Hamburg sowie die in der Bremer Neustadt und in Burglesum werden dagegen geschlossen. Im vergangenen Jahr hatte Photo Dose noch 15 Geschäfte – auch das in der Bahnhofsstraße. Im Jahr 2005 baute Besitzer Nick Dose das eigene Labor in Horn-Lehe auf. Er erinnert an die Anfänge seines Urgroßvaters im Jahre 1898: "Der ist mit dem Fahrrad aus Scheeßel hergekommen und hat ein Echtlichtatelier gebaut. Im Laufe von 120 Jahren Geschichte ändert sich ein Geschäftsmodell. Wir haben zum Glück rechtzeitig zur Jahrtausendwende auf das digitale Pferd gesetzt."

Das Unternehmen befindet sich Dose zufolge innerhalb der Spitzengruppe von Deutschlands zehn größten Onlinefotodienstleistern eher im Mittelfeld. "Der Marktführer Cewe Color in Oldenburg ist mit Abstand europaweit mit einem gigantischen Marktanteil unterwegs. Wir versuchen, mit unserer Größe einen Bereich in diesem Markt zu besetzen. Man muss sich eine bestimmte Nische suchen, um mit den Großen Schritt halten zu können."

Zum Beispiel zusammen mit dem Partner Canon. Für den Kamerahersteller produziert Photo Dose Bilderalben für sechs europäische Länder. "Das ist ein sehr wichtiger Baustein für uns." Weitere Marktanteile – auch in Europa – seien als kleinerer Akteur aus eigener Kraft schwierig. "Das ist ein bisschen David gegen Goliath." Wachstum sei über Partnerschaften wie bei Canon möglich. Doch mit der Nachfrage in Deutschland ist Dose zufrieden.

"Damit können wir gut leben. Wir haben mit unserer Geschichte einen Namen in Norddeutschland." Jeden November und Dezember, die Hauptsaison im Fotogeschäft, arbeiten im Labor bis zu 60 Mitarbeiter – die Hälfte davon Aushilfen. Nach dem Verkauf an Gregor werden zur Belegschaft noch etwa 45 feste Mitarbeiter gehören.

Wandel ist nicht allen Akteuren der Branche gelungen

Die Geschichte des Traditionshauses begann 1898 am Wall mit Doses Urgroßvater Willy. Aus dem Echtlichtatelier entstand nach dem Krieg an anderer Stelle ein Fotogeschäft mit Drogerie. Schließlich kam die Filialisierung. In Spitzenzeiten, Ende der 90er-Jahre, gehörten zur Kette noch 120 Geschäfte im Norden verteilt. "Damals brauchte man die Standorte. Da war man einfach an jeder Milchkanne."

Die vielen kleinen Filialen seien in Zeiten des Internets aber irgendwann überholt gewesen. Der Vertrieb läuft über die Seite Photodose.de. "Wir haben rechtzeitig die Entscheidung getroffen, uns aufs Internetgeschäft zu konzentrieren." Der Wandel ist nicht allen Akteuren der Branche gelungen – selbst große unter ihnen hat es komplett vom Markt gedrängt. "Kodak – ist das prominenteste Beispiel", sagt Dose, der in den USA selbst für das Unternehmen gearbeitet hat.

Lesen Sie auch

"Das ist wirklich unglaublich. Das ist so, als wenn es von heute auf morgen Coca-Cola nicht mehr gibt." Die Entwicklung sei einfach nicht ernstgenommen und völlig falsch eingeschätzt worden. Kodak sei nur ein Fall neben Konica Minolta oder Agfa. "In diesem Medium Foto war nun wirklich in den letzten zwanzig Jahren so viel Bewegung wie fast in keiner anderen Branche – vielleicht noch in der Musikbranche." Nick Dose hält die Auseinandersetzung mit dem Wandel in jeder Branche für nötig: "Langfristig stelle ich sehr viele Einzelhandelskonzepte infrage."

Filiale in Horn wird erst mal fortgeführt

Ralph Schumacher, geschäftsführender Gesellschafter der Foto-Gregor-Gruppe, expandiert dagegen weiter mit seinen stationären Fotofachgeschäften. "Wir sind in Deutschland führender Fachhändler." Standorte gibt es neben Köln schon in Hamburg, Hannover und München. Das Geschäft sei erfolgreich in Zeiten zunehmender Konzentration: "Wir haben keine Probleme. Denn wir bieten einen Preis wie im Internet und dazu unsere Beratung an." Kameras, Objekte, Zubehör – jeden Tag vergleiche man die Preise mit denen im Netz.

Nur ein Bruchteil der Produkte werde über die Homepage verkauft, denn im Laden gebe es viele Vorteile: "Bei uns können die Kunden die Kameras ansehen, anfassen und gleich mitnehmen." Das Geschäft im Bremer Viertel übernimmt Schumacher zum September. Dann soll der Laden, wie der Standort in der Hamburger Mönckebergstraße, den Namen Wiesenhavern bekommen. Das geht auf das gleichnamige Hamburger Traditionsunternehmen zurück.

Photo Dose ist das dritte Unternehmen mit Geschichte, dasSchumacher teils oder komplett übernommen hat. Nur von der Filiale in Horn mag sich Dose nicht trennen, die liege der Familie am Herzen. "Die wird erst mal normal fortgeführt. Weil es einen alteingesessen, treuen Stammkundenkreis und langjährige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gibt." Ein Geschäft trägt dasbekannte Namenslogo damit weiter.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+