Schadstoffe auf altem Firmengelände in Findorff entdeckt / Umzug in Neubau im Technologiepark steht infrage Pläne für Gestra-Fabrik gestoppt

Eigentlich wollte der Bremer Armaturenbauer Gestra schon im vergangenen Sommer in eine funkelnagelneue Fabrik am Stadtrand umgezogen sein. Und die Bewohner Findorffs planten bereits ihr neues Stadtteilzentrum. Doch daraus wird nun erst mal nichts. Zunächst verzögerte die Wirtschaftskrise den Neubau. Jetzt machen Altlasten im Boden die Investitionspläne wieder fraglich.
16.08.2012, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Pläne für Gestra-Fabrik gestoppt
Von Petra Sigge

Eigentlich wollte der Bremer Armaturenbauer Gestra schon im vergangenen Sommer in eine funkelnagelneue Fabrik am Stadtrand umgezogen sein. Und die Bewohner Findorffs planten bereits ihr neues Stadtteilzentrum. Doch daraus wird nun erst mal nichts. Zunächst verzögerte die Wirtschaftskrise den Neubau. Jetzt machen Altlasten im Boden die Investitionspläne wieder fraglich.

Bremen. Statt Bauarbeiten nur Bienengesumm. Der Baugrund im Technologiepark bleibt weiter eine öde Brache. Dabei hatte sich Gestra-Chef Lutz Oelsner das über 36000 Quadratmeter große Areal schon vor mehr als vier Jahren ausgeguckt und reservieren lassen. Die Absicht war, dort ein modernes, viel größeres Werk zu errichten. Damit sollten die Platzprobleme am alten Standort, mitten im Stadtteil Findorff, endlich ein Ende haben. Alles sah gut aus: Die Investitionen waren vom amerikanischen Mutterkonzern genehmigt, ein Projektentwickler für den Neubau gefunden und einen ernsthaften Kaufinteressenten für das Findorffer Grundstück gab es auch.

Umso überraschter war die Geschäftsleitung, als sich bei Grundwasseruntersuchungen herausstellte, dass der Boden mit Schadstoffen belastet ist. Nach Angaben der Umweltbehörde handelt es sich dabei um flüchtige Kohlenwasserstoffe. Die fallen häufig bei Reinigungsprozessen, zum Beispiel bei der Entfettung von Maschinen, an, weiß Gestra-Chef Oelsner inzwischen. "Sicher ist, dass es sich um Altschäden handelt. Das kann man anhand von Abbauprodukten im Boden feststellen. Das bedeutet, was auch immer da in den Untergrund gesickert ist, das muss schon Jahrzehnte her sein." Über die Verursachung lasse sich derzeit noch nichts sagen, erklärt Oelsner. Das werde jetzt erst in weiteren Nachuntersuchungen ermittelt. "Es ist auch nicht auszuschließen, dass die Stoffe, die man im Grundwasser gefunden hat, von außen eingetragen wurden."

Grundwasser verschmutzt

Seine Belegschaft konnte Oelsner beruhigen. "Die Schadstoffe befinden sich so tief im Boden, dass die Beschäftigten damit auf keinen Fall in Kontakt kommen." Grundwasser allerdings werde man auf dem Werksgelände wohl nicht mehr anzapfen dürfen. "Da wird es sicher Auflagen geben, dass man Brunnenwasser nicht zum Gießen nutzen darf", glaubt Oelsner. Für die künftige Nutzung des Geländes, das bestätigt auch die Umweltbehörde, werde das allerdings kein Problem sein. Geplant ist, das Grundstück nach dem Abriss der Firmengebäude vorwiegend für Wohnbebauung zu nutzen.

Dazu musste erst der Bebauungsplan geändert werden. Und eben dies war der Anlass, Bodenproben auf dem Gelände zu ziehen. "Das ist Standard, wenn ein Gewerbegelände zum Wohngebiet umgewidmet werden soll", erklärt Reinhard Viering, Leiter der Bremer Bauaufsicht. Bei diesen Routineuntersuchungen seien dann die Altlasten entdeckt worden. "Bis dahin hat niemand etwas davon gewusst."

Noch ist nicht klar, in welchem Umfang der Boden verunreinigt ist und mit welchen Methoden er saniert werden könnte. Viering: "Eine Möglichkeit wäre, das Grundwasser hochzupumpen und zu reinigen." Doch das funktioniere nicht immer. Welche Kosten damit auf Gestra zukommen könnten, lasse sich jetzt noch nicht abschätzen. Bis der genaue Schaden feststeht, hat die amerikanische Konzernmutter Flowserve erst mal alle Umzugspläne gestoppt. Sind die Kosten zu hoch, könnte es auch sein, dass der US-Konzern das Neubauprojekt ganz kippt. "Das ist zum jetzigen Zeitpunkt nicht ausgeschlossen, aber wir sind guter Hoffnung, dass es mit der neuen Fabrik doch noch klappt", sagt Oelsner.

Fürs erste aber wird er nun weiter mit seiner Mannschaft am alten Standort arbeiten müssen. Seit 110 Jahren ist der Betrieb dort ansässig. Die Gebäude waren im Laufe der Zeit schon mehrfach erweitert und umgebaut worden. "Wir bräuchten dringend neue Büro- und Besprechungsräume‘", so der Gestra-Geschäftsleiter. Doch durch die Lage mitten im Wohngebiet ist eine Expansion nicht mehr möglich. Auch in den Werkshallen wird es immer enger. "Die neuen Maschinen, die wir heute nutzen, sind größer als die alten und brauchen mehr Platz." Bei der Montage von Großteilen gebe es zunehmend Probleme.

Bis die Umweltbehörde ihre Untersuchungen abgeschlossen hat, können womöglich noch Wochen und Monate ins Land gehen, heißt es dort auf Nachfrage. Doch selbst wenn es jetzt mit der Altlastensanierung ganz schnell ginge und sich die Kosten im Rahmen hielten, stünde ein Umzug noch in weiter Ferne. Oelsner geht jedenfalls nicht mehr von einem Baubeginn in diesem Jahr aus. "Allein bis die Baugenehmigung vorliegt, würde es noch mal sechs bis acht Wochen dauern." Das bedeutet, auch wenn es gut läuft, könnten erst im nächsten Frühjahr die Bagger auf der Brache im Technologiepark anrücken.

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