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Popcorn-Manufaktur: Puffmais in edel

Thorsten Hobein hat eine Manufaktur für Popcorn aufgebaut. Bald eröffnet er seinen zweiten Shop in Hannover. Die Goldcorn GmbH stellt Premium-Popcorn her und wächst seit sieben Jahren.
26.05.2018, 21:12
Lesedauer: 4 Min
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Popcorn-Manufaktur: Puffmais in edel
Von Silke Hellwig
Popcorn-Manufaktur: Puffmais in edel

Thorsten Hobein stellt in Bremen veredletes Popcorn her. Er macht demnächst seinen zweiten Laden in Hannover auf.

Frank Thomas Koch

Popcorn? Gibt‘s im Kino. Das stimmt, ist aber nur die halbe Wahrheit. Puffmais gibt es auch im Supermarkt, zum Selbermachen in der Mikrowelle und aus Manufakturen wie der von Thorsten Hobein. Er ist Geschäftsführer und Inhaber der bremischen Goldcorn GmbH. Sein Popcorn sieht anders aus als Kinoware, es schmeckt anders, es wird anders verpackt, es ist anders gedacht. „Mein Popcorn ist ein Genussmittel“, sagt Hobein, es soll nicht dazu da sein, nebenbei in rauen Mengen konsumiert zu werden.

Hobein ist Architekt. 2011 begann er zunächst zu Hause, später in der Profiküche eines Bekannten herumzuexperimentieren und Popcorn herzustellen. Er probierte Geschmack und Verhalten diverser Mais- und Zuckersorten, er kreierte eigene Sorten. Er begann sich zu informieren, über Nährwerte und Haltbarkeitsdaten, über Zutaten und Rohstoffe, über Lebensmittelsicherheit und Hygienevorschriften. Fünf Jahre stellte er seine Produkte von Hand her, ohne Maschinen, „dabei habe ich sehr viel gelernt.“

Auf Farb- und Konservierungsstoffe sowie künstliche Aromen verzichtet Hobein, sofern Kunden nicht außergewöhnliche Wünsche haben. Er nutzt Butter, wo andere Öl verwenden. Zudem wird sein Popcorn mehrfach gesiebt, sodass niemand auf Maiskörner oder -schalen beißt. „Was die Qualität betrifft, kann man nicht mehr machen als ich mache“, sagt der Bremer. Ein Urteil, das andere offenbar teilen: 2012 wurde sein Popcorn von „Corpus Culinario“ ausgezeichnet, einer Gemeinschaft von Delikatessen-Kaufleuten.

Inzwischen hat Hobein seinen eigentlichen Beruf aufgegeben, Profimaschinen angeschafft und ist drauf und dran, mehr Personal einzustellen und sich aus der Produktion zu verabschieden. Sein Laden in der Markthalle 8 läuft gut, sagt Hobein, ein zweiter Shop kommt im Sommer hinzu, in der Markthalle Hannover.

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Hobeins Firma ist im ehemaligen Brinkmann-Gelände in Woltmershausen angesiedelt, er hat eine Box angemietet, die aus zwei Räumen besteht, einem Lager und der Produktion. Im Lager stapeln sich Puffmais- und Zuckersäcke sowie Kartons mit Verpackungsboxen. Nebenan stehen eine Reihe glänzender Maschinen, sie stammen aus den USA, die als Heimat des Popcorns gelten. In großen Behältern lagert Popcorn verschiedener Sorten, wenn Hobein einen Deckel öffnet, verbreitet sich feiner Duft.

Zunächst lässt er in einer Heißluft-Popcornmaschine die Maiskörner aufspringen. Er wendet keinen Butterfly-Mais, wie man ihn aus dem Kino kennt, sondern die Sorte Mushroom. Der bleibt rund wie ein Bovist. Anschließend wird der Mais gesiebt, bevor ihm Geschmack verliehen wird. In der großen Trommel der Karamellisier-Maschine werden Butter, Wasser, Zucker, Meersalz, Glukosesirup, Sojalecithin, Backpulver erhitzt und zu einer Masse vermengt. Hobein fügt bei 274 Grad Fahrenheit den Mais hinzu.

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Wenige Minuten braucht die Maschine, um das Popcorn mit der Mixtur zu benetzen. Hobein kippt die Trommel, das heiße Popcorn ergießt sich in eine große Metallschale. Der Bremer fängt an, den Mais mit zwei Schaufeln und gleichmäßigen Bewegungen zu mischen, damit es nicht verklebt. Nach einigen Minuten sind die Maiskugeln abgekühlt, Hobein schiebt sie aus der langen Schale in Plastikboxen. Er bietet derzeit zehn Sorten an, süße und deftige, seine „Crispy Poprock“-Bestseller sind „Caramel“ und „Butter Caramel Seasalt“, wie er es gerade herstellt. Es gibt saisonale Sorten und exotische, Jahr für Jahr soll eine Geschmacksrichtung durch eine neue ersetzt werden. Durchschnittlich 180 Kilo Popcorn produziert Hobein an einem Tag.

Wie wird aus einem Architekten ein Popcorn-Hersteller? Bei einem Besuch in den Vereinigten Staaten habe seine Mutter unbedingt einen Popcorn-Shop besuchen wollen wie sie ihn aus vorherigen USA-Aufenthalten kannte. Er habe diese Sehnsucht nicht nachvollziehen können, bis er selbst einen solchen Shop besuchte. Danach stand für ihn fest: „Das mache ich auch.“ Wieder zu Hause „habe ich fast ein halbes Jahr lang jeden zweiten Abend Popcorn produziert, solange, bis ich selbst mit dem Ergebnis zufrieden war“.

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Im Café eines Bekannten wurden die ersten Tüten zum Verkauf angeboten, „innerhalb einer Woche waren sie weg“. Schnell gewann Hobein neue Kunden, Feinkostgeschäfte, Delikatessen- und Weinhändler, Firmen, die sein Edel-Popcorn verschenken oder verkaufen. Den ersten großen Auftrag habe er in zwei Töpfen hergestellt: „15 000 Verpackungen in zwei Wochen, ich weiß nicht mehr, wie ich das geschafft habe.“

Hobeins Produkten liegen im Trend: In Hamburg, München und anderen Städten gibt es ähnliche Manufakturen unter Verwendung „nobler Zutaten“, wie es bei einem Berliner Anbieter von „Popkorn handjemacht“ heißt. Dass Worte wie nobel, Premium und Veredelung zur Selbstvermarktung genutzt werden, kommt nicht von ungefähr. Das „billige Popcorn soll weg von der Nebenrolle im Kinosaal und auf die Couchtische neben die Rotweinflasche. Oder als Nachtisch und Schlussakkord nach dem aufwendig gekochten Abendessen serviert werden“, schreibt der „Tagesspiegel“.

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Mit einer Investition von 4000 Euro habe er angefangen, berichtet Hobein, „zur Bank gehen wollte ich nicht.“ Geholfen habe ihm sein Zweit-, ein BWL-Studium. „Schwierig war es für mich immer, den nächsten Schritt zu wagen“, sagt er: seine Stelle aufzugeben, Räume zu mieten, sich Maschinen anzuschaffen. „Dann muss man zusehen, dass man genug Kunden akquiriert.“

Bislang produziert Hobein weitgehend alleine, bald will er jemanden für die Produktion anstellen und sich ganz den Management-Aufgaben widmen. Dazu zählten nicht nur die Akquise und die Entwicklung neuer Sorten, sondern auch der Aufbau einer gläsernen Produktion. Er hat einen Standort in Bremen im Auge, bei Koch und Bergfeld im Kirchweg, doch die Weiterentwicklung des Areals ziehe sich hin.

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