Neue Anschriftenlesemaschinen für neun Millionen Euro Post modernisiert Bremer Briefzentrum

Bremen. Die Deutsche Post investiert weiter in den Brief. Bis 2012 will sie alle Briefzentren in Deutschland mit neuen Anschriftenlesemaschinen ausrüsten. Bremen ist einer der ersten Standorte, an denen die Umstellung erfolgt ist. Hier stehen bereits fünf neue Maschinen.
25.03.2010, 06:27
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Post modernisiert Bremer Briefzentrum
Von Matthias Lüdecke

Bremen. Die Deutsche Post investiert weiter in den Brief. Bis 2012 will sie alle Briefzentren in Deutschland mit neuen Anschriftenlesemaschinen ausrüsten. Bremen ist einer der ersten Standorte, an denen die Umstellung erfolgt ist. Hier stehen bereits fünf neue Maschinen, zwei weitere sollen im Sommer folgen. Gestern stellte die Post das neue Verfahren vor.

Dass die Zahl der versandten Briefe in den vergangenen Jahren kontinuierlich gesunken ist, bestreitet selbst bei der Deutschen Post niemand. Die Konkurrenz durch neue Kommunikationsmittel wie die E-Mail ist groß. Und doch sagt Pressesprecherin Maike Wintjen: 'Der klassische Brief ist uns immer noch wichtig.' Man nehme die Herausforderung durch die neuen Kommunikationsmittel an, durch neue Geschäftsfelder wie den Internetbrief, der im Sommer eingeführt werden soll (wir berichteten), und eben dadurch, dass sie die Verteilnetze auf den neuesten Stand bringt. Nach und nach will die Post dazu die 82 Briefzentren in ganz Deutschland mit insgesamt 385 neuen Anschriftenlesemaschinen bestücken. 420 Millionen Euro wird sie das voraussichtlich kosten.

Neun Millionen Euro fließen allein in das Bremer Briefzentrum in der Nähe des Flughafens. Dort wurde bereits im vergangenen Juni mit dem schrittweisen Austausch der Maschinen begonnen - bei laufendem Betrieb, wie Petra Bartholomäus, am Standort Bremen zuständig für die Briefzentren und Filialen der Deutschen Post, bei der Präsentation der neuen Anlage berichtete.

Schneller und effizienter

Fünf neue Anschriftenlesemaschinen stehen nun also in Bremen, erstrecken sich über viele Meter in die Halle hinein. Hinter einer getönten Scheibe treibt ein Rad das Förderband an, Briefe jagen in rasender Geschwindigkeit durch die Anlage, so schnell, dass sie fast zu einem weißen Strich verschwimmen. Steht man vor der Maschine, sieht man die Briefe kaum, man sieht in erster Linie viele Fächer, in denen langsam aber stetig die Stapel mit Briefen wachsen. Ist ein Fach voll, kommt eine der beiden Mitarbeiterinnen, die an der Maschine arbeiten, und leert es in eine gelbe Kunststoffkiste.

128 solcher Fächer haben die neuen Maschinen. Sie sortierten die Briefe deutlich schneller und effizienter, erklärte Petra Bartholomäus. Denn vor der Modernisierung waren zwei Maschinen nötig, um die Briefe zu sortieren. Eine Maschine versah sie zunächst mit einem Barcode, eine andere sortierte sie schließlich. Die neue Anlage kann nun beides, und macht so aus zwei Arbeitsschritten einen. Die Zahl, die das vielleicht am besten verdeutlicht, ist die Zahl der Briefe, die eine solche Maschine pro Stunde sortieren kann: Waren es vorher 30000 Briefe, so sind es jetzt 41000.

Doch sind die neuen Maschinen nicht nur schneller und verbrauchen weniger Strom, wie die Post betont. Sie gehe mit den Briefen auch schonender um, sagte Bartholomäus, und die Beschädigungsquote sei ebenfalls niedriger, auch weil die neue Anlage dickere Briefe problemlos verarbeiten kann.

'Wir sind stolz darauf, einer der ersten Standorte zu sein, die mit der neuen Technik ausgerüstet werden', sagte Niederlassungsleiter Wolfgang Farwig. Es sei aber ein Schritt gewesen, der dringend nötig war. Beim Neubau des Briefzentrums Mitte der Neunziger Jahre seien Maschinen eingebaut worden, die zuvor schon an anderen Standorten gestanden hätten. Durch die Investition sei Bremen nun aber auf dem neuesten Stand der Technik. Ein zweiter Schritt soll ab Juni erfolgen. Dann werden in Bremen auch die Lesemaschinen für Groß- und Maxibriefe ausgetauscht.

Dass die neue Technik eine Gefahr für die 3400 Beschäftigten in Bremen sein könnte, von denen allein 370 im Briefzentrum arbeiten, dementierte Farwig. Gleichwohl räumte er ein, dass sich bei den Mitarbeitern die Frage durchaus ergeben habe, was angesichts der Kombination aus rückläufigem Briefgeschäft und der Anschaffung neuer, effizienterer Maschinen kein Wunder sei. Er sieht in dem Investment aber eher eine Stärkung des Standorts, ein Signal dafür, dass die Post hier bleiben wolle.

'Der Beschäftigungspakt, der betriebsbedingte Kündigungen bei der Post ausschließt, gilt', sagte auch Maike Wintjen. Wenn die Modernisierung der Anlage in letzter Konsequenz dazu führe, dass ein Teil der menschlichen Arbeitskraft eingespart werden könne, so solle dies sozialverträglich geschehen. Und dass dem so ist, bestreitet niemand bei der Post. Die Folgen sind aber eher indirekt und langfristig.

In Bremen etwa reagiere man auf die Effizienzsteigerung mit flexibleren Arbeitszeiten, Altersteilzeit, und indem man befristete Verträge nicht verlängert und Stellen nicht neu besetzt habe, erklärte Wolfgang Fahrig. Auch Versetzungen in andere Abteilungen habe es gegeben - nicht jedoch, und das betont er, Änderungskündigungen mit einer verminderten Stundenzahl. Die waren auch nicht nötig. 'Letztlich', sagte Farwig, 'traf uns diese Entwicklung ja nicht überraschend.'

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