Dauerhaft Tickets für 19,90 Euro

Preiskampf angenommen: Deutsche Bahn reagiert auf Flixtrain

Konkurrenz belebt das Geschäft: Ab August verkauft die Bahn dauerhaft Tickets ab 19,90 Euro. Wann und wo es dieses Schnäppchen gibt, und von welchem Bahncard-Vorteil nun alle Fahrgäste profitieren.
28.05.2018, 17:37
Lesedauer: 3 Min
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Von Annika Leister und Florian Schwiegershausen
Preiskampf angenommen: Deutsche Bahn reagiert auf Flixtrain

Flixtrain verkauft Tickets bei Preisaktionen im Internet schon ab 9,99 Euro. Die Deutsche Bahn reagiert nun darauf, indem sie ab August dauerhaft Tickets ab 19,90 Euro einführt sowie die Cityticket-Option nicht nur Bahncard-Inhabern ermöglicht.

DPA

Billigflieger, Flixbus, Flixtrain, Uber – die Konkurrenz für die Deutsche Bahn wächst. Der Konzern bemüht sich deswegen merkbar um neue kundenfreundliche Angebote. Zwei davon werden ab 1. August starten, wie Berthold Huber, Personenverkehrsvorstand der Bahn, am Montag bekannt gab.

Was bisher nur ein Bonus für Bahncard-Besitzer war, wird für die Allgemeinheit geöffnet: Alle Spar- oder Flexpreis-Karten für eine Fahrt von mehr als 100 Kilometern werden dann ein Cityticket enthalten, mit dem Fahrgäste in Start- wie Zielort kostenlos die öffentlichen Verkehrsmittel wie S- und U-Bahn, Tram oder Bus nutzen können. 126 Städte in Deutschland machen mit, darunter die größten und nachfragestärksten Tarifverbände.

In welchen Zonen das Cityticket jeweils gilt, ist von den einzelnen Absprachen mit den lokalen Verkehrsverbünden abhängig. Im Verkehrsverbund Bremen/Niedersachsen (VBN) gibt es das Cityticket für die Städte Bremen, Bremerhaven, Delmenhorst, Oldenburg und Wilhelmshaven. Man werde mit dieser Vernetzung eines der größten „Kunden-Ärgernisse“ abschaffen, sagt Oliver Wolff vom kooperierenden Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV).

Die Bahn wird die lokalen Verkehrsverbünde für die Kooperation gemessen am verkauften Ticketkontingent auszahlen, erklärt Huber. Er rechnet hierbei mit einem „deutlichen zweistelligen Millionenbetrag“. Ein großer Extra-Batzen für den Konzern, der sich in diesem Jahr explizit dem Sparen verschrieben hat und die Verschuldung eigentlich unter dem Wert von 20 Milliarden Euro halten wollte. Aber: „Wir versprechen uns durch das Angebot einen so hohen Anstieg bei der Kundenzahl, dass die Kosten kompensiert werden“, sagt Huber. Was der VBN derzeit jedes Jahr von der Bahn als Kompensation ausgezahlt bekommt, darüber ist im Vertrag Stillschweigen vereinbart. Die Summe wird laut VBN mithilfe der verkauften Tickets und durch Marktforschung errechnet. Eine Perspektive für die Zukunft: So wie die Bahn die ÖPNV-Tickets verkauft, könnten in Zukunft die lokalen Verkehrsverbünde Tickets für den Fernverkehr anbieten.

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Ebenso neu ab 1. August: Die Bahn wird ihren „Super Sparpreis“ für 19,90 Euro dauerhaft einführen. Bisher gab es ihn nur in zeitlich begrenzten Sonderaktionen. Ob der Unterschied zu anderen Rabattaktionen gravierend ausfallen wird, ist fraglich: Denn auch die Kontingente des „Super Sparpreises“ bleiben begrenzt, genaue Zahlen wollte Huber am Montag nicht nennen. Nach wie vor sei zu empfehlen, so früh wie möglich zu buchen. Und nach wie vor werden die Sparpreise vor allem für Züge gelten, die nicht voll ausgelastet sind – also stehen die Chancen eher auf unbeliebten Strecken und an Werktagen gut. Wer eine Bahncard hat, bekommt auch auf den „Super Sparpreis“ noch einmal 25 Prozent Rabatt und hat dann auch die Cityticket-Option im Preis mit drin. Fahrgäste ohne Bahncard müssen also weiterhin zusätzlich eine Bus-Fahrkarte kaufen. Aber: Wer also eine Bahncard hat, fährt im besten Falle hin und zurück zusammen für 29,80 Euro.

Fahrgastverband begrüßt Änderung

Ein weiteres Sparangebot, stöhnen manche Kunden schon, die im Preis-Dschungel auf der DB-Homepage seit Langem den Überblick verloren haben. Auch hier will die Bahn aber Abhilfe durch mehr Transparenz schaffen: In Zukunft sollen die Sparpreise nicht mehr wie bisher üblich nur über den „Sparpreis-Finder“ angezeigt werden, sondern ganz normal bei jeder Suchanfrage mitgeliefert werden. Der Ehrenvorsitzende des Fahrgastverbands Pro Bahn, Karl-Peter Naumann, sagte dem WESER-KURIER: "Der dauerhafte Super-Sparpreis macht das Ticketsystem nicht einfacher." Aber grundsätzlich begrüßt Naumann die angekündigten Schritte: "Die Bahn will damit leere Fernzüge auf allen Strecken füllen." Dabei gibt Naumann ein Beispiel, wie es in Frankreich läuft: "SNCF verkauft dort auch Billigtickets für den schnellen TGV. Diese Billigzüge fahren aber nur von Vorort-Bahnhöfen. Das wäre so, wie wenn ein ICE nicht in Bremen, sondern in Sagehorn starten würde."

Naumann ist sich auch sicher: "Ohne Flixtrain würde die Bahn an ihren Preisen nichts ändern." Dass die neuen Bemühungen auch eine Antwort auf die steigende Konkurrenz seien, bestätigt Vorstand Berthold Huber mit den Worten „Wettbewerb hilft". Das sei aber gut, sagt Karl-Peter Naumann von Pro Bahn: "Davon profitieren Bahn und Flixtrain. Denn bei beiden steigen die Fahrgastzahlen."

Christoph Gipp, Geschäftsführer des Forschungs- und Beratungsinstituts für Infrastrukturfragen Iges, sieht in den neuen Angeboten der Bahn das Ziel, mehr Menschen in den Schienen-Fernverkehr zu bringen: "Sie macht sich damit vor allem für Gelegenheitsfahrer interessant und baut mit der Ausweitung des City-Tickets Zugangshindernisse bei An- und Abreise ab." Er sieht die jüngsten Schritte nicht in Zusammenhang mit der Konkurrenz durch Fernbusse oder den neuen Flixtrain: "Vielmehr folgt die Bahn damit der politischen Agenda, den Verkehr umweltfreundlicher zu gestalten und als Mobilitätsanbieter für noch mehr Kunden attraktiver zu werden." Attraktiver wird die Bahn auch für diejenigen, die kurzfristig verhindert sind: Die Stornogebühren sinken bei herkömmlichen Sparpreis-Tickets von 19 Euro auf 10 Euro – spätestens einen Tag vor Abfahrt muss die Stornierung erfolgen.

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