Gute Stimmung trotz Brexit und Coronakrise Projektlogistik: Viele Unternehmen erwarten mehr Umschlag

Die Stimmung unter den Projektlogistikern in Bremen, Bremerhaven und im niedersächsischen Umland ist laut einer Umfrage der Bremischen Hafenvertretung gut - trotz Brexit und anhaltender Coronakrise.
20.05.2021, 18:27
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Projektlogistik: Viele Unternehmen erwarten mehr Umschlag
Von Peter Hanuschke

Trotz Brexit, Handelskriegen und der fortlaufenden Coronakrise ist die Stimmung unter den Projektlogistikern in Bremen, Bremerhaven und im niedersächsischen Umland zum Großteil gut: Für das laufende Jahr erwarten rund 45 Prozent Unternehmen steigende Mengen oder mehr Projekte gegenüber dem Vorjahr, 26 Prozent rechnen mit keiner Veränderung. Die restlichen 29 Prozent gehen von einem Rückgang aus. Das geht aus dem ersten „BHV-Projektlogistik-Monitors 2021“ der Bremischen Hafen- und Logistikvertretung (BHV) hervor.

Diese positive Markteinschätzung sei nur eines der Ergebnisse des Monitors, so Patric Drewes, Mitglied des BHV-Präsidiums. Sorgen bereite Drewes aber die nach wie vor zögerliche Umsetzung von Digitalisierungsprozessen innerhalb der Projektlogistik. "Im Vergleich zu ähnlichen, in den vergangenen Jahren durchgeführten Umfragen, erkenne ich kaum Bewegung." Die Skepsis gegenüber digitaler Innovationen sei offenbar immer noch groß. In diesem Bereich seien "klassische" Logistikdienstleister längst enteilt – "Kunden und Anbieter wissen die Vorteile beispielsweise transparenter Lieferketten gleichermaßen
zu schätzen".

Lesen Sie auch

Dass es da eine gewisse Zurückhaltung gebe, liege sicherlich an der Besonderheit der Projektlogistik, so Drewes. "In der Projektlogistik gleicht kaum ein Auftrag dem anderen, es sind individuelle Transportlösungen gefragt, für die es bislang keine Computerprogramme gibt." Die Erfahrungen der Mitarbeiter seien der entscheidende Faktor.

"Dennoch bin ich überzeugt davon, dass die Digitalisierung auch in unserem Bereich für Optimierungen sorgen kann", so Drewes, der geschäftsführender Gesellschafter der Carl Polzin Seehafenspedition GmbH ist. Das könne beispielsweise der Fall sein, wenn große Industrieanlagen transportiert werden müssen. Es gebe für den Transport bei den Ausmaßen einzelner Anlagenteile physikalische Grenzen. Das sollte schon im Produktionsprozess berücksichtigt werden, also weit vor dem Transport. Dafür einen intelligenten digitalen Austausch zwischen den beteiligten Transportunternehmen der Schiene, Straße, in der Luft und auf dem Seeweg und dem Hersteller zu haben, wäre durchaus sehr hilfreich und kostensparend.

Passend zu der Zurückhaltung gegenüber Digitalisierung ist für die befragten Unternehmen das „persönliche Engagement“ der wichtigste Wettbewerbsfaktor im Breakbulk-Business. Dahinter folgt „Flexibilität“. "Sie toppen sogar den allgegenwärtigen Faktor Preis. Hier gewinnt – meistens – nicht der Billigste den Auftrag, sondern der Beste", so Drewes. Auch wenn das persönliche Gespräch auch künftig ein ganz elementarer und wettbewerbsentscheidender Bestandteil der Arbeit bleiben werde, wünscht sich Drewes, dass unter den Projektlogsitikern gemeinsam an einer Zukunftsstrategie für eine erfolgreiche Projektlogistik „Made in Bremen Ports“ gearbeitet werde – "quasi in XXL, wie die Maschinen und Anlagen, die wir bewegen." Letztlich soll die bewährte mit einer neuen, viel digitaleren Arbeitsweise verknüpft werden.

Lesen Sie auch

An der Umfrage hatten sich laut BHV 83 Unternehmen beteiligt. 61 Prozent von ihnen sind Mitglied in der BHV. Sie haben ihren Hauptsitz beziehungsweise den Unternehmensschwerpunkt für die Abwicklung von Projektlogistik-Aktivitäten überwiegend in Bremen-Stadt (53 Prozent). Aus der Metropolregion Nordwest stammen knapp acht Prozent der teilnehmenden Betriebe, gefolgt von Bremerhaven mit gut sechs Prozent. „Unser Branchenreport erhebt ganz bewusst keinen Anspruch darauf, repräsentativ zu sein", so Drewes. "Die Rückmeldungen erlauben uns vielmehr eine sehr gute Einschätzung der aktuellen Situation und der Zukunftsfähigkeit der Branche.“ Über ein Drittel der befragten Unternehmen (34 Prozent) zählt zum Geschäftsfeld Spedition. In der Seeschifffahrt sind schwerpunktmäßig ein knappes Viertel (24 Prozent) aktiv. Hinzu kommt die Bereederung von Seeschiffen mit acht Prozent. 

Der belgische Hafen Antwerpen sei für fast zwei Drittel (62 Prozent) der
Umfrage-Teilnehmer der wichtigste Wettbewerber der bremischen Häfen, gefolgt
von Hamburg (18 Prozent). Nur neun Prozent der Befragten nennen den größten europäischen Hafen Rotterdam an erster Stelle. Brake und Amsterdam spielen kaum, Nordenham oder Mittelmeerhäfen gar keine Rolle.

Zur Sache

Führende Drehscheiben

Bremen und Bremerhaven gehören neben Antwerpen und Rotterdam zu den führenden Drehscheiben von Projektladung und Schwergut in Europa. Dass die bremischen Häfen ein bevorzugter Umschlagplatz für Breakbulk sind, hat unter anderem mit der Infrastruktur zu tun: So bietet der Neustädter Hafen weitläufige schwerlastfähige Hafen- und Hallenlagerflächen, Kran- und Horizontaltransportkapazitäten für Lasten von mehr als 200 Tonnen sowie geeignete Stapler und Greifstapler, sogenannte ­Reach-Stacker. Breakbulk – unter diesem Begriff ist alles zusammengefasst, was aufgrund der Abmessung, des Gewichtes oder der Menge nicht mehr in Containern auf die Reise gehen kann – gilt im Logistikgeschäft als Königsdisziplin.

Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Zur Newsletter-Übersicht