Mercedes-Werk in Bremen Protest gegen neue Ausgliederungen

Bremen. Der Daimler-Konzern will in seinem Bremer Werk weitere Aufgaben an Fremdfirmen vergeben. In der Mercedes-Belegschaft sorgen diese Pläne für Unruhe.
29.08.2013, 00:00
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Protest gegen neue Ausgliederungen
Von Petra Sigge

Bremen. Der Daimler-Konzern will in seinem Bremer Werk weitere Aufgaben an Fremdfirmen vergeben. Waren es bisher vor allem Logistik- und Wartungsarbeiten, die von Werkvertragsunternehmen erledigt wurden, sollen externe Firmen nun auch direkt mit der Fertigung von Teilen der Rohkarosserie betraut werden. In der Mercedes-Belegschaft sorgen diese Pläne für Unruhe.

Rund eine Milliarde Euro hat die Daimler AG in den vergangenen Monaten in den Ausbau ihres Bremer Werks investiert. Ab kommendem Jahr soll hier ein neues Modell der sogenannten C-Klasse vom Band laufen. Die C-Klasse ist die meistverkaufte Baureihe des Konzerns, sie wird ab 2014 als einziges Mercedes-Fahrzeug auf vier Kontinenten gebaut werden: in den Werken Bremen, East London (Süd afrika), Peking und Tuscaloosa (USA). Das Bremer Werk soll dabei als „Kompetenzzentrum“ die Federführung haben und den weltweiten Anlauf der neuen Fahrzeuggeneration steuern. Das seien gute Perspektiven für den norddeutschen Standort, beteuert das Management immer wieder.

90 Arbeitsplätze betroffen

Trotzdem sind die Beschäftigten in Sorge. Nachdem Überlegungen der Werksleitung bekannt geworden sind, erstmals einen Teil der Rohkarossenfertigung aus der Hand zu geben, fragen sie sich nun, wie viel Mercedes künftig noch in den Fahrzeugen mit dem Stern stecken wird. „Konkret geht es um Anbauteile wie Kotflügel, Türen oder Motorhauben für die C- und E-Klasse“, erläutert der stellvertretende Betriebsratsvorsitzende Michael Peters. Mit deren Produktion seien aktuell rund 90 Mercedes-Mitarbeiter beschäftigt. Wenn ab 2014 tatsächlich Angehörige von Fremdfirmen ihre Aufgaben übernehmen sollten, werden diese „sicher nicht zu Daimler-Konditionen, sondern zu deutlich niedrigeren Tarifen bezahlt“, argwöhnt der Betriebsrat. Nach seinen Informationen erhofft sich das Unternehmen durch die Fremdvergabe Einsparungen von jährlich mehreren Millionen Euro.

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Kein Mercedes-Mitarbeiter werde durch mögliche Ausgliederungen seine Stelle verlieren, betonte ein Konzern-Sprecher auf Nachfrage. Im Gegenteil. „Daimler befindet sich auf einem Wachstumskurs und im Rahmen dieser Strategie wird auch der Standort Bremen weiter wachsen.“ Doch schon jetzt würden die Flächen für den Rohbau knapp. Um die vorhandenen Kapazitäten besser zu nutzen, könnte es dabei „eine Option“ sein, „bestimmte Anbauteile nicht selbst zu fertigen, sondern von Zulieferfirmen produzieren zu lassen“, so der Sprecher. Auch in dem Fall gebe es im Bremer Werk immer noch genug Arbeit für alle. Nach Angaben des Betriebsrats geht die Unternehmensleitung derzeit sogar von einem Mehrbedarf von 200 Stellen im Rohbau aus. Zieht man die 90 Arbeitsplätze ab, die durch die Fremdvergabe wegfallen würden, so die Rechnung des Managements, blieben unter dem Strich immer noch 110 zusätzliche Stellen.

Doch die Mercedes-Beschäftigten tröstet das offenbar nur zum Teil. „Bei vielen ist schon die Angst da, dass die Eigenfertigung immer weiter runtergeht und am Ende schrauben wir nur noch die Sachen zusammen, die andere uns zuliefern“, sagt Betriebsrat Peters. Vergangene Woche legten deshalb rund 2500 Autobauer aus Protest für zwei Stunden die Arbeit nieder. Sie fordern eine Rücknahme der Fremdvergabepläne. „Diese Fremdvergabe der Anbauteile im Rohbau betrifft doch unser Kerngeschäft“, heißt es auf einem während des Warnstreiks verteilten Flugblatt.

Schon im vergangenen Sommer hatte es in Bremen Ärger um Ausgliederungen gegeben. Betroffen waren rund 100 Arbeitsplätze in der Logistik. Die Belegschaft protestierte mit Arbeitsniederlegungen und Unterschriftenlisten – allerdings ohne Erfolg. Heute sitzen auf den Staplern in Presswerk und Rohbau nicht mehr Beschäftigte von Daimler, sondern einer Fremdfirma. „Die Mercedes-Mitarbeiter sind inzwischen fast alle auf Arbeitsplätze in anderen Bereichen versetzt worden“, berichtet Peters.

Immerhin sei es in den damaligen Gesprächen mit der Werksleitung gelungen, „Schlimmeres zu verhindern“. Denn nach den ursprünglichen Plänen des Managements sollten weitere 100 Stellen im Werks- und Produktionsservice abgebaut und ebenfalls fremd vergeben werden. Arbeiten, die nach Darstellung des Betriebsrats auch von älteren Kollegen erledigt werden können, die nicht mehr zu hundert Prozent belastbar sind.

Um solche Themen geht es im Bremer Werk auch bei dem Projekt „Demografischer Wandel“. Es soll Wege aufzeigen, wie die Beschäftigten am besten bis zur Rente durchhalten können. Peters: „Wir hatten die klare Zusage der Werksleitung, dass während der Laufzeit dieses Projekts keine weitere Fremdvergabe stattfinden wird.“ Deshalb sei man davon ausgegangen,„dass das Thema erst mal vom Tisch ist“.

Und dabei soll es nach Ansicht des Betriebsrats auch bleiben. In den nächsten Tagen seien Gespräche mit der Werkleitung geplant. Sollte sie an ihren Fremdvergabeplänen festhalten, wären weitere Proteste nicht ausgeschlossen, hieß es.

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