Weichenstellung beim Sender

Radio Bremen stellt sich neu auf

Der Sender nimmt die Produktion von Film, Fernsehen, Hörfunk und Online-Angeboten wieder allein in die Hand und trennt sich von der Bavaria. Die Bremedia wird dadurch zur hundertprozentigen Tochter.
15.08.2018, 21:20
Lesedauer: 3 Min
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Radio Bremen stellt sich neu auf
Von Jürgen Hinrichs

Radio Bremen ordnet sein Geschäft neu und gibt bei der Produktion von Sendungen wie „buten un binnen“, „3nach9“ und dem „Tatort“ die Zusammenarbeit mit der Bavaria Film GmbH auf. Entsprechende Informationen des WESER-KURIER hat der Sender auf Nachfrage bestätigt. Die beiden bisherigen Partner haben zwölf Jahre lang die Bremedia betrieben und dafür das technische Personal von Radio Bremen übernommen.

Eine Erwartung war, durch diese Konstruktion vermehrt Drittgeschäfte abschließen zu können, um die Produktionskapazitäten besser auszulasten. Die Bavaria ist nach eigenen Angaben eines der führenden Produktions- und Dienstleistungsunternehmen in der deutschen Film- und TV-Branche, das über ganz andere Geschäftskontakte verfügt als die kleine Rundfunkanstalt in Bremen.

Geholfen hat das am Ende wenig, die Bremedia liefert bis heute nur selten für andere Kunden als Radio Bremen. Der eine Grund, die Bremedia im Jahr 2006 aus der Taufe zu heben, hat sich nicht als tragfähig erwiesen. Der andere besteht dagegen fort: In der Gesellschaft gilt nur für die ehemaligen RB-Angestellten der Gehaltstarif im öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Wer neu hinzukommt, verdient weniger, der Sender spart also Personalkosten.

Vereinfachung der Unternehmensstruktur

Dass Radio Bremen den 49-Prozent-Anteil der Bavaria übernimmt und die Bremedia zu einer hundertprozentigen Tochterfirma macht, ist nach Darstellung des Senders mit dem Ziel verbunden, die Unternehmensstruktur zu vereinfachen. Aus drei mach‘ zwei, heißt das kurz gesagt. Fortan gibt es nur noch Radio Bremen und die Bremedia.

Die Radio Bremen Media GmbH, zuständig für die Vermarktung der Werbezeiten im Hörfunk des Senders, wird aufgelöst. Das Werbegeschäft der GmbH bekommt die Bremedia. Die Marketingabteilung geht zu Radio Bremen und wird dort zusammen mit der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit und der internen Kommunikation zu einer neuen Kommunikationsabteilung verschmolzen, die dem Intendanten zugeordnet ist.

Der Wegfall einer Tochterfirma löst automatisch einen Spareffekt aus. Es muss kein Geschäftsführer mehr bezahlt und kein eigener Apparat unterhalten werden. Verzichten kann man auch auf die vorgeschriebenen Aufsichtsgremien. Die Gremien von Radio Bremen, das sind der Rundfunkrat und der Verwaltungsrat, bekommen durch die Neuordnung mehr Kompetenzen.

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„Um die Aufsicht über die hoheitlichen und die wirtschaftlichen Tätigkeiten der Radio-Bremen-Familie weiterhin sicherzustellen, ist es notwendig, dass die Bremedia Produktion GmbH von Radio Bremen vollständig gesteuert werden kann“, heißt es in der Stellungnahme des Senders. Ein zweiter Gesellschafter kam deshalb nicht mehr infrage. Läuft alles nach Plan, soll der Kauf der Bavaria-Anteile bis Ende des Jahres abgeschlossen sein. Über den Preis schweigen sich beide Seiten aus.

Die Bavaria wollte auf Anfrage zu dem Vorgang überhaupt nicht Stellung nehmen und verwies auf Radio Bremen. „Wir stehen mitten in einer tief greifenden Umstrukturierung der sogenannten sekundären Prozesse der ARD in Produktion, Technik und Verwaltung“, erklärt Radio-Bremen-Intendant Jan Metzger. Die kleinste Landesrundfunkanstalt wolle sicherstellen, dass sie für diese Veränderungen optimal organisiert ist.

„Dafür brauchen wir eine starke Tochtergesellschaft, die möglichst viele dieser Tätigkeiten für uns leistet. Auf der anderen Seite muss unsere Kommunikation nach außen und nach innen für die digitalen, crossmedialen Zeiten neu ausgerichtet werden“, so Metzger weiter.

"Wir können das nachvollziehen"

Der Verwaltungsrat hat dem Vorschlag des Intendanten in der vergangenen Woche bereits zugestimmt. Im Rundfunkrat steht diese Entscheidung noch aus, er kommt am 27. September zusammen. Vorher tagt der Finanz- und Organisationsausschuss des Gremiums und wird sich mit der Weichenstellung im Sender beschäftigen. Klaus Sondergeld, Vorsitzender des Rundfunkrats, hat sich schon festgelegt: „Das ist ein ausgesprochen vernünftiges Vorgehen“, sagt er auf Anfrage zu den Plänen von Metzger.

Zustimmung kommt auch vom Personalrat. „Wir können das nachvollziehen“, erklärt die Vorsitzende Anke Sommer. Der Sender bekomme eine einfachere Struktur, er spare Kosten, und niemand von den Angestellten werde schlechter gestellt. „Ein Plus ist sicherlich auch, dass die Leute der Media GmbH zum Teil zurück zu Radio Bremen kommen, die Belegschaft wird also wieder größer“, hebt Sommer hervor.

Für Metzger kann es in dieser Angelegenheit nicht besser laufen, wenn sowohl seine Aufsicht als auch die Arbeitnehmerseite Beifall klatschen. Der Intendant, 62 Jahre alt, hat noch einen Vertrag bis zum kommenden Jahr, dann müsste verlängert werden. Der Rundfunkrat hat der Form halber bereits eine Findungskommission eingesetzt, sollte Metzger nicht noch einmal antreten wollen. Die nächste Sitzung der Kommission ist am 13. September, bis dahin soll sich der Intendant erklären.

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