Rekord bei Goldpreis

Glänzende Aussichten

Der Goldpreis bricht derzeit alle Rekorde. Das liegt auch an den Bremern. Viele kaufen Edelmetalle als Reaktion auf die Corona-Krise – und um im Zweifelsfall Gold gegen Kartoffeln zu tauschen.
07.08.2020, 05:00
Lesedauer: 4 Min
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Glänzende Aussichten
Von Stefan Lakeband
Glänzende Aussichten

Klein, aber wertvoll: Die Münzen Krügerrand und Wiener Philharmoniker kosten pro Stück rund 1800 Euro.

Christina Kuhaupt

Bremens Schatzkammer liegt zwischen einer Kneipe und einem Second-Hand-Laden. Hier, im Gebäude der Baumwollbörse, lagern Werte, für die viele ein Leben oder noch länger arbeiten müssen. Herr darüber ist Christian Brenner.

Brenner, Jahrgang 1979, geboren in Wien, ist jemand, dessen Leben sich ums Gold dreht. Das zeigt nicht nur der Goldring am Finger, sondern auch der Titel auf der Visitenkarte. Er ist Geschäftsführer des Goldhändlers Philoro. Elf Niederlassungen hat das österreichische Familienunternehmen, seit 2016 auch eine in Bremen.

Seit Jahrtausenden fasziniert das glänzende Metall die Menschheit, zuletzt besonders stark in der Corona-Pandemie. Die Nachfrage stieg und damit auch der Preis; diese Woche wurde ein neuer Rekord erreicht. Eine Feinunze (31,1 Gramm) kostet erstmals mehr als 2050 US-Dollar. Das hat auch der Bremer Goldhändler zu spüren bekommen. Vor drei Jahren seien im Schnitt gerade mal zehn Kunden pro Tag in die kleine Niederlassung in der Wachtstraße gekommen – zuletzt hätten die Leute Schlange gestanden, um ihr Bargeld loszuwerden. Bundesweit berichten auch andere Goldhändler von ähnlichen Szenen. Doch warum eigentlich?

Gold gegen Kartoffeln

Ayhan Yilmaz, Leiter der Bremer Philoro-Filiale, sagt, dass viele seiner Kunden sich mit dem Gold absichern wollen. Sei es vor der Inflation oder Kurseinbrüchen an den Aktienmärkten. „Einige befürchten auch, dass der Euro-Crash kommt und Bargeld wertlos wird. Sie wollen im Notfall ihr Gold gegen Kartoffeln eintauschen können“, sagt er. Denn das sei der große Vorteil: Gold bleibe relativ stabil im Wert – und das auf der ganzen Welt.

Wer eine Krügerrand-Münze in Bremen kaufe, sagt Philoro-Chef Brenner, der könne sie überall eintauschen. Theoretisch in der nächsten Bankfiliale, aber auch in Singapur oder New York. Die meisten der Kunden dürften ihr Gold aber gut weggelegt haben, zu Hause oder im Bankschließfach.

„Gold ist sehr leicht zu verstehen“, sagt Brenner. Zumindest scheint es so. Seit Jahrhunderten haben schon die kleinsten Münzen und Barren große Werte. Und während es für das Ersparte bei der Bank kaum mehr Zinsen gibt und die Aktienkurse abstürzen, glänzt das Gold immerhin unverändert und unbeeindruckt weiter. Deswegen ist das Edelmetall in Krisenzeiten so beliebt. Selbst die Verbraucherzentrale hält Gold als Geldanlage für generell „nicht ungeeignet“. Sie warnt aber vor den starken Preisschwankungen, die es in den vergangenen 20 Jahren erlebt hat. Experten raten daher, nicht mehr als zehn Prozent seines Geldes in Gold anzulegen. Zwar sind in Krisenzeiten kurzzeitige Preissteigerungen möglich. Die müssen aber nicht von Dauer sein. Und anders als andere Anlageformen wirft das Edelmetall keine Zinsen und auch keine Dividenden ab. Allein die Wertsteigerung sorgt hier für Rendite.

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Die meisten Kunden von Philoro seien sich dessen bewusst, sagt Brenner. „Wer zu uns kommt, hat seine Entscheidung schon getroffen“. Vom Studenten bis zum Großinvestor seien schon alle da gewesen: Manche kaufen für kleines Geld, andere schlagen richtig zu. Einmal habe ein Kunde für 400 000 Euro Gold gekauft. Das sei aber eher die Ausnahme.

Im Angebot gibt es den 100 Gramm schweren Barren, aber auch das ein Kilogramm schwere Exemplar. Dazu Münzen aus Gold und Silber. Vieles davon sei immer vorrätig, sagt Filialleiter Yilmaz. Anders bei den Banken. Dort müsse man häufig das Gold bestellen und könne es einige Zeit später abholen.

Test mit der Gartenschere

Wer in der Bremer Philoro-Filiale kaufen möchte, dem öffnet eine Mitarbeiterin die Tür zum kleinen Verkaufsraum. Hinter einer dicken Panzerglasscheibe steht ein Mitarbeiter, hinter ihm der Tresor mit den Edelmetallen. Alles soll diskret aber gleichzeitig so normal und seriös wie möglich sein.

Denn: Die Branche hat nicht immer den besten Ruf. Gerade wenn Privatpersonen Gold an Händler verkaufen, kommt es immer wieder zu Beschwerden. Im Internet gibt es etliche Berichte von Kunden, die sich betrogen fühlen; Verbraucherschützer warnen vor schwarzen Schafen, die nur einen Bruchteil des eigentlichen Preises zahlten. Hinzu kommt der Abbau, der immer wieder für die miserablen Arbeitsbedingungen und Umweltschäden kritisiert wird.

Yilmaz und Brenner kennen dieses Misstrauen – auch aus erster Hand. Sie versprechen daher volle Transparenz. Doch manchmal reicht auch die nicht. Als die Filiale vor einigen Jahren noch recht neu gewesen sei, erzählen sie, sei ein Herr gekommen, der einen kleinen Goldbarren gekauft habe. Noch im Geschäft habe der Mann dann eine Gartenschere gezückt, den Barren durchschnitten und mit einem mitgebrachten Set auf Echtheit geprüft. Als der Mann sicher gewesen sei, dass ihm echtes Gold verkauft wurde, habe er weitere Barren gekauft. Heute komme so etwas nicht mehr vor, sagt Christian Brenner. Im Gegenteil: Er erlebt gerade goldene Zeiten.

Info

Zur Sache:

Wer sich dazu entschlossen hat, einen Teil seines Geldes in Gold anzulegen, der hat mehrere Möglichkeiten. Er kann Barren und Münzen bei einer Bank oder einem Händler kaufen. Neben Philoro gehören Anbieter wie Degussa und Pro Aurum zu den bekanntesten Firmen. Sie haben in etlichen deutschen Großstädten Filialen. Mittlerweile kann man Gold auch online kaufen. Die Experten des Verbraucherportals Finanztip empfehlen die Seiten gold.de und gold-preisvergleich.de, um die Preise der verschiedenen Anbieter zu vergleichen. Denn teils gibt es große Unterschiede.

Wer physisches Gold kaufen möchte, sollte sich zuvor die Frage nach der Aufbewahrung stellen. Schließlich können schon kleine Mengen einen großen Wert haben. Wer sein Edelmetall zu Hause haben möchte, für den empfiehlt sich daher ein Tresor oder zumindest ein sehr gutes Versteck. Sicherer dürfte hingegen ein Schließfach bei einer Bank sein – diese kosten in der Regel 40 Euro oder mehr pro Jahr.

Eine andere Möglichkeit sind Edelmetall-Depots, bei denen Kunden Gold erwerben, das der Anbieter in seinem Tresor lagert. Für die Aufbewahrung fallen in der Regel aber auch Gebühren an. Ein sogenannter Goldsparplan funktioniert so ähnlich: Verbraucher zahlen hier aber regelmäßig Geld und erhöhen so Monat für Monat ihren Goldbesitz.

Darüber hinaus gibt es noch Anlagemöglichkeiten wie Gold-Zertifikate oder Gold-ETCs. Hier kaufen Sparer laut Finanztip allerdings kein physisches Gold. Bei Fonds und Aktien, die in Unternehmen investieren, die im Goldgeschäft sind, beispielsweise Minen, ist Vorsicht geboten. Die Entwicklung dieser Papiere hängt nur zu einem kleinen Teil vom Goldpreis ab und daneben auch von vielen anderen Faktoren.

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