Serie: Wohin mit dem Ersparten

Richtig Anlegen in Zeiten von Niedrigzinsen

Wohin mit dem Ersparten? Diese Frage stellen sich derzeit viele Menschen. Je nach Alter und Lebenslage lässt sie sich unterschiedlich beantworten. Ein Überblick.
04.03.2020, 06:00
Lesedauer: 4 Min
Zur Merkliste
Richtig Anlegen in Zeiten von Niedrigzinsen
Von Stefan Lakeband
Richtig Anlegen in Zeiten von Niedrigzinsen

Je nach Alter und Lebenslage kann man sein Geld verschieden anlegen.

Christin Klose/dpa

Auf dem Bankkonto gibt es kaum Zinsen, die Börsenkurse stürzen durch den Coronavirus ab, der Bausparvertrag ist auch nicht mehr das, was er mal war: Es scheint, als könne man derzeit ohnehin nur alles falsch machen, wenn man sein Erspartes anlegen möchte. Kein Wunder also, dass die Geldanlage nicht zu den liebsten Themen der Deutschen gehört: Ende 2019 gaben fast 60 Prozent an, mit ihrer eigenen Geldanlage nicht zufrieden zu sein. Das geht aus einer Umfrage der Gesellschaft für Konsumforschung hervor. Ende 2012 waren es nur 48 Prozent. Dass sie trotzdem etwas mit ihrem Geld machen müssen, ist vielen Menschen klar. Nur was? Je nach Alter und Lebenslage lässt sich die Frage unterschiedlich beantworten. Ein Überblick.

Azubis, Studenten, Berufsanfänger

Wer zu Hause auszieht, die ersten Schritte im Berufsleben wagt, das erste Gehalt auf dem Konto hat, der denkt meist an viele Dinge. Die Geldanlage gehört jedoch selten dazu. Häufig auch, weil der Lohn für Lehrlinge oder aus dem Studentenjob alles andere als üppig ist. Dennoch sei das genau der richtige Zeitpunkt, sich mit dem Thema Sparen zu beschäftigen, sagt Henning Jauernig. Der Journalist hat Anfang des Jahres das Buch „Young Money Guide“ veröffentlicht und schreibt regelmäßig für den „Spiegel“ darüber, wie junge Leute am besten ihr Geld anlegen. Er sagt: „Beim Sparen fürs Alter geht es darum, möglichst früh anzufangen.“ Denn dann könne der Zinseszins seinen vollen Effekt entfalten. Ein Beispiel: Wer monatlich 100 Euro weglegt, der hat nach einem Jahr 1200 und nach zehn Jahren 12.000 Euro angespart. Bei einem Zinssatz von vier Prozent kommen nach zehn Jahren insgesamt 2420 Euro an Zinsen hinzu. Noch mehr wird es durch den Zinseszins: Nämlich dann, wenn die jährlichen Zinsen direkt wieder mit dem Ersparten angelegt werden. Dann steigen die Zinseinnahmen auf gut 2720 Euro – immerhin rund 300 Euro mehr.

Lesen Sie auch

Um Geld anzulegen, muss man jedoch genau wissen, was man am Ende des Monats erübrigen kann. Jauernig empfiehlt, seine Einnahmen und Ausgaben über mehrere Wochen oder Monate genau zu protokollieren – ganz klassisch in einem Haushaltsbuch oder per App auf dem Smartphone. „Mir hat das geholfen, weil ich gemerkt habe, dass ich viel zu viel Geld für Essen unterwegs ausgebe“, sagt der Journalist. Kosten könne auch reduzieren, wer regelmäßig seine Verträge überprüfe. Oft ließe sich durch einen Wechsel des Stromanbieters sowie des Handy- und Internetproviders noch etwas sparen.

Sind diese Schritte erledigt, kann angelegt werden. Jauernig empfiehlt, sich erst einmal einen Notgroschen zuzulegen. Drei Nettogehälter auf einem Tagesgeldkonto würden reichen – etwa falls die Waschmaschine mal kaputtgehen sollte.

Welcher dann als Nächstes kommt, hängt von den eigenen Zielen ab. Wer weiß, dass er sich in fünf oder zehn Jahren eine Immobilie kaufen will, der ist am besten beraten, wenn er sein Geld auf einem Tages- oder Festgeldkonto anlegt. Geht es darum, Kapital aufzubauen und zu sparen, empfiehlt der Autor einen Sparplan, der in einen breit gestreuten Indexfonds (ETF, Exchange Traded Fund) investiert. Hier wird das Geld häufig auf viele Hunderte oder Tausende Unternehmen weltweit verteilt angelegt. Dadurch sinkt das Anlagerisiko. „Wer mindestens 15 Jahre dabei ist, hat historisch betrachtet noch nie Verlust gemacht“, sagt Jauernig. Mehr zu ETFs gibt es im nächsten Teil der Serie am 11. März.

Mitten im Leben

Ist in jungen Jahren der Grundstock für die Geldanlage aufgebaut worden, stellt sich bei vielen irgendwann die Frage: Kaufen oder mieten? Aktuell sind die Zinsen für eine Baufinanzierung so niedrig wie noch nie – allerdings haben Preise für Wohnungen und Häuser in den vergangene Jahren deutlich zugelegt. Wer sich entschlossen hat, eine Immobilie zu kaufen oder selbst zu bauen, dem rät Hermann-Josef Tenhagen, Chefredakteur des Verbraucherportals finanztip.de, möglichst viel Eigenkapital mitzubringen. So könne die Kreditlast gemindert werden. „Außerdem sollte man so viel wie möglich tilgen“, sagt Tenhagen. Von einer Immobilie als reine Geldanlage rät Jauernig in den meisten Fällen ab. Häufig sei das Risiko zu groß – besonders wenn Anleger ihr gesamtes Kapital einsetzten.

Lesen Sie auch

Was das Sparen angeht, so setzt auch Tenhagen auf ETFs für langfristigen Kapitalaufbau. Wer etwa im Alter von 45 Jahren in Indexfonds investiert, dessen Zeit zum Rentenbeginn ist noch lang genug, um Gewinne zu erwarten. Anlegern, die Kapital auf Tages- und Festgeldkonten haben – etwa ihren Notgroschen –, denen empfiehlt Tenhagen, in regelmäßigen Abständen deren Konditionen zu überprüfen. Oft ließen sich Produkte mit leicht besseren Bedingungen finden. Auch bei der Suche nach dem richtigen ETF müsse man erst einmal die verschiedenen Anbieter vergleichen. „Das ist nicht viel Arbeit“, sagt der Journalist, „gleichzeitig hat man aber viel für seinen Vermögensaufbau getan.“

Ab in die Rente

Das Rentenalter ist ein Zeitpunkt, seine Geldanlage noch mal zu überdenken. Besonders wer viel in Indexfonds investiert hat, sollte überlegen, sein Geld umzuschichten. „Eine Faustregel besagt: 100 - Lebensalter = Aktienquote“, sagt Jauernig. Wer 20 ist könne demnach ruhig 80 Prozent seines Geldes in Aktien anlegen, 65-Jährige nur noch 35.

Tenhagen warnt allerdings auch vor allzu viel Aktionismus: „Man sollte sich immer fragen: Habe ich eine bessere Verwendung für mein Geld als in meinem Sparplan?“ Die Kinder beim Hauskauf zu unterstützen, könnte beispielsweise so ein Anlass sein, oder vielleicht eine große Reise. Ein Zwischending ist ein Entnahmeplan für die Geldanlage: Hier kann festgelegt werden, wie viel Geld monatlich etwa aus einem ETF-Sparplan ausgezahlt werden soll. Das ist eine Möglichkeit, seine Rente im Alter aufzubessern, gleichzeitig kann das verbleibende, wenn auch schrumpfende Kapital weiter Rendite erwirtschaften.

Lesen Sie auch

Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+