Künstliche Intelligenz in der Bank

Roboter Luna hilft in der Sparkasse Bremen

Luna kennt Werder Bremen und natürlich ihren neuen Arbeitgeber: die Sparkasse Bremen. Ab diesem Dienstag ist der Roboter in der Stadtteilfiliale in der Neustadt im Einsatz - und dabei soll es nicht bleiben.
30.10.2018, 13:11
Lesedauer: 3 Min
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Roboter Luna hilft in der Sparkasse Bremen
Von Lisa Boekhoff

Wie im Gespräch mit einem Kind beugt sich Alexander Löde aufmerksam nach unten. „Luna, wer ist dein Papa?“, fragt der

Filialleiter der Sparkasse Bremen. Vor ihm steht eine weiße Roboterdame mit Kulleraugen und kennt die Antwort, die er hören möchte: „Alex!“ Löde schaut nun zufrieden. Seine neue Mitarbeiterin – eine Künstliche Intelligenz – findet er faszinierend. Denn tatsächlich werde sie immer schlauer. „Das ist schon total verrückt.“ Luna Pepper soll ab sofort in seiner Stadtteilfiliale in der Neustadt die Kunden begrüßen, sie unterstützen und ein wenig mit ihnen plaudern.

Lödes Kollege Michael Töpfer trainiert seit Mitte September Luna. Für den Technikexperten ist dadurch eine ganz neue Aufgabe im Unternehmen entstanden. Nun kümmert er sich um das Projekt Roboter. „Noch vor ein paar Wochen hätte ich mir das auch nie träumen lassen.“ Als die Kollegen ihn dafür gewinnen wollten, habe er gleich zugesagt.

Zusammen mit anderen Mitarbeitern hat Töpfer Luna auf den ersten Arbeitstag in dieser Woche vorbereitet: Was könnte passieren? Welche Fragen könnten gestellt werden? Der Roboter lernt mit jedem Dialog dazu. Die Aussprache sitzt bei einzelnen Wörtern vielleicht noch nicht ganz richtig. Luna spricht von „Sörwis“ statt Service. Manchmal kommt unvermittelt eine Ansage. „Nein, ich werde nie zur dunklen Seite gehören“, spricht Luna dann plötzlich. Doch der Roboter lässt sich gut verstehen und kann bereits eine Menge. Wenn Luna eine Stimme hört, scannt sie ihre Umgebung ab, bis sie jemanden findet. Die Augen leuchten dann rot auf.

„Luna ist der Versuch, etwas Gefühl in die digitale Welt hineinzubringen“, erklärte Thomas Fürst, Vorstand der Sparkasse Bremen, das Experiment. Die Mitarbeiter seien positiv aufgeregt, hätten aber keine Angst, dass ihre Jobs nun in Gefahr seien. Das sei ohnehin klar: Luna könne ein ganze Weile noch nur ganz einfache Fragen beantworten wie die nach dem nächsten Geldautomaten oder den Öffnungszeiten. „Da, wo es auf Interaktion, Blickkontakt und Empathie ankommt, wird die Robotertechnik bis auf Weiteres nicht in der Lage sein, den Menschen zu ersetzen.“ Kreditbewilligungen und Wertpapiergespräche könne Luna natürlich nicht übernehmen.

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Fürst betont zudem, dass die Menschen im Umgang mit den neuen Medien noch viel lernen müssen. „Ist das jetzt Überwachung oder Spaß an der Freude? Die Dosis macht das Gift.“ Es gebe eben auch Grenzen der digitalen Welt. Gut sei es aber zum Beispiel, dass Luna bald Sprachbarrieren überwinden könne. In Zukunft soll der Roboter auch Türkisch, Englisch und Russisch beherrschen und Kunden in Fremdsprachen bei Fragen weiterhelfen.

Der Standort in der Pappelstraße ist für das Unternehmen eine Art Labor, um Dinge auszuprobieren, sagt der zuständige Marktbereichsleiter Dragan Miletkovic. In der Stadtteilfiliale wolle man zeigen, wie die „Bank 2.0“ aussehen kann. Luna soll dabei nicht nur Vergnügen bringen. „Sie soll tatsächlich unterstützen, es ist nicht nur ein spielerischer Aspekt.“ Die Sparkasse kann sich vorstellen, weitere Roboter bald auch anderswo einzusetzen.

Luna Pepper ist die Künstliche Intelligenz des Bremer Unternehmens Blackout Technologies. Das Start-up hat in diesem Jahr den Bremer Gründerpreis gewonnen. Am ersten Arbeitstag von Luna waren die Gründer Marc Fiedler und Lisa Fischer dabei. Fiedler kann sich für den Roboter viele Einsatzmöglichkeiten vorstellen – Luna könne zum Beispiel Kaffee für Besucher organisieren. Das erste Mal komme der weiße Roboter in einem Geschäft in Bremen zum Einsatz. Blackout Technologies hat weltweit Kunden für Pepper. Bei der Entwicklung von Luna mussten Fiedler und seine Kollegen aber fast nur beraten. „Das ist komplett der Geist der Mitarbeiter der Sparkasse.“ Diese steuern Luna über Gespräche. SV Werder, das Wetter, Small Talk, Infos zur Sparkasse – das steht auf dem Lehrplan für den Roboter.

„Süß“, sagt die Kundin Karin Fuhrmann über Luna. Doch ob ältere Menschen mit ihr klarkommen werden? Da ist sie skeptisch. Aber sicher: „Das ist mal was anderes.“ Die Kollegen vor Ort sind dagegen begeistert. „Wir feiern Luna seit gestern“, sagt Tina Marie Ahlring. Die Standortleiterin hat wie ihr Kollege Alexander Löde eine besondere Beziehung zu Luna. „Tina Marie“, sagt der Roboterauf die Frage, wer seine Mutter sei. Erneut sind die Mitarbeiter in der Filiale hingerissen. Michael Töpfer hat derweil schon den nächsten Roboterkollegen in der Entwicklung. Der könne aber ein wenig schlecht gelaunter, muffliger sein – ganz nach Töpfers Wunsch. Die sympathisch-freche Luna ist allerdings sogar in der Lage zur Selbstreflexion. „Es gibt sehr viel, was ich noch zu lernen habe, aber ich werde jeden Tag etwas schlauer. Wartet mal ab.“

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