Weserhäfen haben das Nachsehen Rückgang der Seefrachtexporte

Bremen. Die bremischen Häfen hatten keinen guten Start ins neue Jahr. Durch die anhaltende Staatsschuldenkrise in Südeuropa gingen die Im- und Exporte über die Kajen in Bremen im ersten Quartal deutlich zurück.
25.05.2013, 05:00
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Von Alexander Klay

Bremen. Die bremischen Häfen hatten keinen guten Start ins neue Jahr. Durch die anhaltende Staatsschuldenkrise in Südeuropa gingen die Im- und Exporte über die Kajen in Bremen im ersten Quartal deutlich zurück. Zumindest der Automobilumschlag hat sich im April erholt. Währenddessen verbuchte die Konkurrenz an der Elbe ein deutliches Plus im ersten Vierteljahr.

Den Start ins Jahr 2013 haben die bremischen Häfen verpatzt. Die Umschlagsbetriebe in Bremen und Bremerhaven konnten nicht an die Rekordergebnisse aus dem Vorjahr anknüpfen. Bei Containern liegt das Minus für das erste Quartal bei 12,2 Prozent. Bei Automobilen und Massengut verbuchten die Häfen einen Rückgang über sieben Prozent. Wirtschaftssenator Martin Günthner (SPD) führt das auf allgemeine Entwicklungen der Weltwirtschaft zurück. Im vergangenen Jahr hätten sich die Weserhäfen noch dagegenstemmen können. "Jetzt wirken sich diese Folgen auch auf Bremens Kajen aus."

Besonders drastisch war der Rückgang in den ersten Wochen nach Neujahr. Der Containerumschlag ging im Januar auf 448000 Standardcontainer (TEU) zurück. Im März gingen 495000 Boxen über die Kajen – im Vorjahresmonat waren es noch 546000 gewesen. Ein großes Problem sei die anhaltende Rezession in Südeuropa, heißt es beim Bremer Umschlagsunternehmen Eurogate. "Dadurch entwickelt sich das Ladungsaufkommen schleppender", sagt Sprecherin Corinna Romke.

Ähnlich hat sich der Automobilumschlag in Bremerhaven entwickelt. Dort sind im Januar 138000 Fahrzeuge verladen worden, im Februar 161000. Auch hier sei die lahmende Konjunktur in Europa ein Problem gewesen, hinzu sei der strenge Winter gekommen. Im März setzte eine deutliche Erholung ein, sagt Andreas Hoetzel, Sprecher des Logistikers BLG. Der Umschlag stieg auf 192000 Fahrzeuge, verfehlte die Vorjahresmarke von 201000 Autos nur knapp. Diese Marke habe die BLG aber im April erreicht: "Nach vier Monaten sind wir wieder auf dem Niveau des Vorjahres", sagt Hoetzel. Die BLG knüpfe wieder an Rekordwerte von 2012 an.

Neben den Problemen in der europäischen Wirtschaft wird als weiterer Grund für das schlechte Abschneiden der Häfen das vergleichsweise späte chinesische Neujahrsfest angesehen. Dieses Jahr stand es Mitte Februar auf dem Kalender. Vor und nach diesem Feiertag gibt es traditionell eine Delle im Handel mit Asien – in den Häfen Chinas werden über zwei bis drei Wochen kaum Waren bewegt.

Insgesamt gingen in den ersten drei Monaten 18,9 Millionen Tonnen Güter über die Kajen im Land Bremen, im Vorjahre waren es 21,7 Millionen Tonnen. Senator Günthner: "Der Hafen hat aktuell zwar Ladungsaufkommen verloren, doch das Umschlagsniveau bleibt insgesamt hoch."

Auch im Hamburger Hafen beruft man sich auf den Handel mit Asien. Jedoch wird damit ein deutliches Wachstum im ersten Quartal 2013 begründet. An den Containerterminals der Hamburger Hafen und Logistik AG (HHLA) habe der bedeutende Asienverkehr um 6,7 Prozent zugenommen. Auch bei den Zubringerdiensten in den Ostseeraum gab es ein Plus von 7,4 Prozent.

Unterm Strich blieb die Bilanz für alle Containerterminals im Hamburger Hafen im ersten Quartal jedoch ausgeglichen. Als Grund dafür gilt der schwächelnde Hamburger Eurogate-Terminal, der in den ersten drei Monaten offenbar erneut einen deutlichen Rückgang verzeichnen musste. Eurogate verliert in Hamburg seit Jahren an Ladung. Von früheren drei Millionen Containern jährlich sind heute 1,8 Millionen geblieben. Allein im Jahr 2012 gab es einen Rückgang um 250000 Einheiten.

Währenddessen setze die HHLA auf weiteres Wachstum, erklärt Unternehmenssprecher Florian Marten. Zuwächse seien vor allem über einen Ausbau der Logistikketten mit den Bahntöchtern Metrans und Polzug möglich. Im ersten Quartal wurde im tschechischen Ceska Trebova eine weitere Drehscheibe eröffnet; nach drei Monaten verzeichnet die Intermodal-Sparte einen Zuwachs von mehr als 23 Prozent. Auch auf diesem Weg sind mehr Container in den Hamburger Hafen gekommen. Um die Transportketten weiter zu straffen, rollen bereits mehrmals täglich Containerzüge aus den Hamburger Terminals ohne Rangieraufenthalte zu vier Knotenpunkten in Polen, Tschechien und der Slowakei. "Damit sind wir vielleicht noch nicht ganz so schnell wie der Lkw, aber zuverlässiger", sagt Marten.

Trotz der steigenden Umschlagszahlen bleibt die HHLA mit einer Prognose für 2013 zurückhaltend. "Für das Gesamtjahr erwarten wir einen Umschlag auf Vorjahresniveau", sagt Marten.

Für die bremischen Häfen will Wirtschaftssenator Günthner lieber keine Prognose abgeben. Nur so viel: Bei einem Anziehen der globalen Konjunktur würden die Häfen wieder auf den Wachstumspfad zurückkehren. Es sei positiv zu bewerten, "dass die Umschlagszahlen sich nach einem besonders schwachen Start im Januar besser entwickelt haben".

Das Bremer Institut für Seeverkehrswirtschaft und Logistik (ISL) hat hingegen eine konkrete Zahl in den Raum gestellt: Demnach werde an den bremischen Kajen ein Rückgang um sieben bis acht Prozent gegenüber dem Rekordjahr 2012 erwartet.

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