Corona-Rückholaktionen Die Rechnungen sind noch offen

Ein Jahr nachdem die Regierung 67.000 Reisende zurückgeholt hat, sind noch etliche Rechnungen offen. Auch Bremerinnen und Bremer wurden damals nach Hause geflogen.
20.03.2021, 13:33
Lesedauer: 2 Min
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Die Rechnungen sind noch offen
Von Rebecca Sawicki

Vor einem Jahr hat Außenminister Heiko Maas gemeinsam mit Reiseveranstaltern und Fluggesellschaften vor dem Hintergrund der Coronakrise eine Rückholaktion deutscher Reisender aus dem Ausland gestartet. Bis jetzt hat die Regierung mit 17,9 Millionen Euro ein Fünftel der Gesamtkosten von den Passagieren zurückbekommen. Das berichtet die Nachrichtenagentur dpa und beruft sich auf das Auswärtige Amt. Insgesamt wurden 67.000 Menschen von der Regierung zurückgeflogen. Auch Bremerinnen und Bremer saßen damals in den Flugzeugen.

„Viele unserer Kunden mussten zurück­geholt werden“, sagt Bünyamin Seref vom Reisebüro Sonnenklar TV. Die meisten hätten in Spanien festgesessen. Deshalb habe das Unternehmen Mietwagen organisiert, mit denen die Reisenden zurückfahren konnten: „Das dauert natürlich lange, aber es war die schnellste Lösung“, sagt Seref. Anderen, die in Kuba, Mexiko oder den USA festsaßen, habe das Büro geholfen, die notwendigen Anträge für die Registrierung auszufüllen. „Wir haben versucht, viele von ihnen in Kuba zu sammeln“, sagt Seref. Einmal registriert hätten die Kunden dann eine E-Mail er­halten, bei welchem der Flüge sie auf der Liste stünden. Nicht nur Urlauber sind im März 2020 im Ausland gestrandet, auch Berufs­tätige. „Wir hatten viele Kunden, die zurückgeholt werden mussten“, sagt Anja Rothe, Leiterin des Weser Reisebüros. Vor ­allem habe es sich dabei um Menschen gehandelt, die auf Schiffen arbeiteten. „Seemänner bekommen Verträge für eine bestimmte Zeit und werden dann abgelöst“, sagt Rothe. Eine Ablösung bedeute, dass ein Seemann irgendwo auf der Welt von Bord gehe und von dort aus nach Hause fliegen müsse.

„Seit einem Jahr ist das nicht mehr so leicht“, sagt Rothe. Ihr Reisebüro habe damals alles gegeben: „Wir haben Flüge storniert und neu gebucht, haben Unterkünfte für Zwischenstopps gesucht und Hotels für längere Aufenthalte gebucht“, sagt sie. Am Ende hätten sie alle ihre Kunden wieder in ihre jeweilige Heimat bekommen. Denn eine weitere Schwierigkeit: Viele von ihnen seien keine deutschen Staatsbürger. „Wir mussten uns die Bedingungen der verschiedensten Länder anschauen und dann gemeinsam mit den Fluggesellschaften überlegen, wie das zu regeln ist“, sagt sie.

260 solcher Flüge habe die Regierung im vergangenen Jahr organisiert. Seit Juni 2020 werden dem Bericht zufolge Rechnungen an die Rückkehrer verschickt. Geschätzt worden seien die Gesamtkosten damals auf 93,8 Millionen Euro – knapp 40 Prozent davon sollten die Passagiere tragen.

Dass die Regierung Menschen ausfindig macht, um ihnen die Rechnungen für die Flüge zuzuschicken, sei datenschutzrechtlich kein Problem, sagt Imke Sommer, Datenschutzbeauftragte Bremens. „Durch die Registrierung hatte die Regierung alle Daten ohnehin schon“, erklärt sie. Es sei deshalb in Ordnung, den Bürgern die Rechnungen für die Flüge zuzuschicken.

Auch Nicole Mertgen-Sauer von der Verbraucherzentrale Bremen sieht die anteilige Rückforderung der Kosten nicht als besonders pro­blematisch an. Allerdings macht sie darauf aufmerksam, dass die Reisenden ein Recht darauf hätten, sich ursprüngliche Rückflüge, sofern sie annulliert wurden, von den Fluggesellschaften erstatten zu lassen. „Das müssen die Airlines eigentlich innerhalb von sieben Tagen machen“, sagt Mertgen-Sauer.

Warten Kunden länger auf ihr, Geld könnten sie entweder einen Anwalt einschalten oder sogenannte Legal Tech-Unternehmen beauftragen. „Diese unterstützen Kunden dabei, ihr Geld zurückzufordern“, sagt die Verbraucherschützerin. Ein weiteres Thema sei die Kostenrückerstattung bei Pauschalurlaubern: Mertgen-Sauer empfehle, in solchen Fällen nicht zu lange mit einer Rückforderung zu warten. „Es besteht immer die Möglichkeit, dass ein Anbieter Insolvenz anmelden muss“, erklärt sie. Kunden stünden in einem solchen Fall weit hinten in der Schlange der Gläubiger.

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