Rettung für das Bahn-Ausbesserungswerk in Bremen-Sebaldsbrück

Rund hundert Stellen weniger, aber keine Entlassungen

Bremen. Endstation Abstellgleis? Diese Perspektive ist für das gefährdete Ausbesserungswerk der Deutschen Bahn AG in Sebaldsbrück jetzt nicht mehr aktuell. Auch die Befürchtung, dass dort womöglich über hundert der gut 500 Beschäftigten ihren Arbeitsplatz verlieren, ist vom Tisch.
03.04.2010, 06:30
Lesedauer: 3 Min
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Rund hundert Stellen weniger, aber keine Entlassungen
Von Wigbert Gerling

Bremen. Endstation Abstellgleis? Diese Perspektive ist für das immer wieder gefährdete Ausbesserungswerk der Deutschen Bahn AG in Sebaldsbrück jetzt nicht mehr aktuell. Und auch die Befürchtung, dass dort womöglich über hundert der gut 500 Beschäftigten ihren Arbeitsplatz verlieren, ist vom Tisch.

Nach einem Spitzengespräch in Frankfurt hieß es, zwar werde die Fertigung von Radsätzen eingestellt. Aber: 'Es gibt keine Entlassungen im Werk Bremen', betonte Peter Nowack, stellvertretender Vorsitzender des Gesamtbetriebsrats. Für die Mitarbeiter greift entweder mittelfristig eine Ruhestands-Regelung - oder sie können vor Ort andere Aufgaben übernehmen.

Keine Entlassungen, keine unbefristeten Versetzungen an andere Instandhaltungswerke irgendwo im Bundesgebiet, also keine Umzüge von Familien mit Schulwechseln für Kinder oder auch kein Verkauf von Haus oder Wohnung - vor diesem Hintergrund kam im Ausbesserungswerk der Deutschen Bahn (DB) im Zuge der Verhandlungen so etwas wie Festtagsstimmung auf - die frohe Botschaft nicht zu Weihnachten, sondern vor Ostern. 'Eine Super-Lösung, wir sind glücklich und zufrieden', bilanzierte gestern der Bremer Betriebsratsvorsitzende Alfred Alfke.

Das Ringen um das Bahn-Ausbesserungswerk in Sebaldsbrück hat inzwischen eine Vorgeschichte von vielen Jahren. Mehr als einmal sah es so aus, als sei die Existenz gefährdet, als drohe der Verlust Hunderter von Arbeitsplätzen und auch Ausbildungstellen. Angesichts akuter Sorgen schalteten sich immer wieder auch bremische Spitzenpolitiker ein, ob Bürgermeister oder Bundestagsabgeordneter. Unter anderem war das Sebaldsbrücker Werk ein Hauptthema bei einem Gipfeltreffen in der Regierungszentrale am Markt, wo sich Regierungschef Jens Böhrnsen mit dem neuen Bahn-Vorstandsvorsitzenden Rüdiger Grube traf. Und der Verkehrspolitiker Uwe Beckmeyer, SPD-Abgeordneter im Bundestag, hielt nach privaten Investoren Ausschau, die sich womöglich für das Ausbesserungswerk finanziell engagieren und damit bei der Bahn in Sebaldsbrück 'einsteigen' könnten.

Parallel kam es immer wieder zu größeren Protestaktionen mit Demonstrationen der Belegschaft. Sie führten unter anderem auch vor das Rathaus, als befürchtet wurde, die Deutsche Bahn AG könne dem Werk den Todesstoß versetzten, nachdem das Unternehmen bei der Vergabe des S-Bahn-Verkehrs rundum Bremen leer ausgegangen und die Stimmung in der damaligen DB-Spitze entsprechend war.

Fortbestand des Werks, wobei der Bestand der Belegschaft mittelfristig von gut 500 auf etwa 400 Beschäftigte abgeschmolzen wird - so lautet nun die Losung. Für rund hundert Mitarbeiter, die bisher direkt mit der Radsatzfertigung beschäftigt sind, ist eine 'sozialverträgliche Lösung' vereinbart. Über eine Spanne von drei Jahren, so heißt es zu dem Abkommen, werde dieser Teil der Belegschaft via Altersteilzeit - oder weil ohnehin das Rentenalter erreicht werde - nach und nach ausscheiden. In der Zwischenzeit würden sie in anderen Abteilungen eingesetzt und auch zusätzliche Fertigungsaufträge in Bremen bearbeitet. 'Weiterhin werden Arbeitsplätze in Werken der DB-Fahrzeuginstandhaltung angeboten, die im erweiterten Einzugsgebiet von Bremen liegen', heißt es in einer Erklärung der Bahn.

Diese Stellungnahme war nach einem Spitzengespräch mit Vertretern der Geschäftsführung, der Werksleitung Bremen und den Arbeitnehmervertretern veröffentlicht worden. Johannes Keil, Sprecher der Geschäftsführung der DB-Fahrzeuginstandhaltung, erklärte nach den Verhandlungen, das Abkommen zum Werk Bremen mache 'deutlich, dass bei Strukturveränderungen kein Arbeitnehmer um seinen Arbeitsplatz bei der Bahn fürchten muss'. Und Betriebsratschef Alfred Alfke ergänzte: 'Unsere Anstrengungen für einen tragfähigen Kompromiss und die Forderung nach sozialer Verantwortung haben sich für die Kolleginnen und Kollegen gelohnt - jetzt könne wir uns auf zukünftige Aufgaben konzentrieren.'

Die Erklärungen nach den Verhandlungen wurden mit einer weiteren frohen Botschaft für die Hansestadt verknüpft. Es sei bei den Gesprächen 'nochmals bestätigt' worden, dass Bremen 'das Kompetenzzentrum für die Aufarbeitung von Dieselmotoren bleibt'.

Überdies hätten die Verhandlungspartner vereinbart, dass für das Instandhaltungswerk im Bremer Osten 'innerhalb der nächsten Wochen die Auftragsplanung für die nächsten drei bis fünf Jahre aktualisiert wird'. Zum Arbeitsprogramm, so hieß es, gehöre unter anderem, dass weiter hochwertige Zug-Achsen aufgearbeitet werden. Dies habe ein Volumen von rund 6000 bis 7000 Stück pro Jahr.

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