Made in Bremen

Saubere und faire Pflegeprodukte.

Wer den Glauben an die Kosmetikindustrie verloren hat, ist hier richtig: „Martha’s Corner“ produziert in Findorff saubere und faire Pflegeprodukte.
11.11.2018, 06:00
Lesedauer: 4 Min
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Von Anke Velten
Saubere und faire Pflegeprodukte.

Claudia Schreiber, die Inhaberin der Martha’s Corner Seifenmanufaktur.

Christina Kuhaupt

Wenn Claudia Schreiber am Herd steht, riecht der ganze Raum wie frisch gebadet. Vor einem Dreivierteljahr verwandelte sie ein ehemaliges Fischgeschäft in ihre Seifenmanufaktur „Martha’s Corner“: Eine – vorsichtig ausgedrückt – ziemlich mutige Idee. Doch wie gut ihre sauberen Produkte bei der Kundschaft ankommen, darüber staunt sogar die Unternehmensgründerin selbst.

Ihre appetitlich präsentierten Artikel tragen Namen wie „Kokos-Schätzchen“, „Pflege-Stückchen“ oder „Shea-Sahne“, und könnten in jeder schicken Parfümerie stehen. Sie sollen aber vor allem Kundinnen und Kunden ansprechen, denen das Vertrauen in die Kosmetikindustrie gründlich abhanden gekommen ist. Vor kurzem landete Schreiber einen Großauftrag, der ihr Arbeit für Monate verschafft.

Montags ist Produktionstag an der Münchener Straße 51. Die Ladentür bleibt verschlossen, doch wer will, kann durch die Schaufenster in die blitzsaubere offene Werkstatt schauen. In der Findorffer Manufaktur entstehen Seifen, Cremes und Peelings ohne jeglichen „Firlefanz“. So nennt Claudia Schreiber alles, ohne das konventionelle Kosmetika nicht auszukommen scheinen, obwohl es nicht gut für Umwelt und Gesundheit ist: Künstliche Farb- und Konservierungsstoffe, künstliche Parfüme, Mineralöle, Emulgatoren oder Mikroplastik.

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Stattdessen verwendet sie hochwertige pflanzliche Rohstoffe aus kontrolliert biologischem Anbau, und wo immer möglich aus rückverfolgbarer, fairer Produktion. Sheabutter, Kokos- und Babassu-Öl etwa stammen von kleinen Frauenkooperativen in Ghana und Brasilien. Als Düfte werden ausschließlich naturreine ätherische Öle eingesetzt. Farbstoffe stellt sie selbst aus Wurzeln oder Pflanzensamen her. Palmöl – eine beliebte ­Basis für Seifen – kommt bei ihr nicht in den Siedetopf. Es ist schon längst in Verruf geraten, weil dafür Regenwälder gerodet, Menschen vertrieben und Tierarten ausgerottet werden.

Eigentlich kommt die gebürtige Oldenburgerin beruflich aus einer ganz anderen Branche. Als Ökonomin und Wirtschaftsjuristin war sie viele Jahre lang im Dienste internationaler Großkonzerne tätig. Ein Fernsehbericht vor einigen Jahren sei der Auslöser gewesen, sich intensiv mit den Inhaltsstoffen von Kosmetika zu beschäftigen, erzählt sie. Sie begann, in ihrer eigenen Küche mit Rohstoffen zu experimentieren. Es dauerte zum Beispiel, bis die richtige Ölinfusion gefunden war, die der Lavendelseife ihr typisch mattes Violett verlieh. „Ungefärbt ist Lavendelseife nämlich braun.“

Handgemacht, fair, nachhaltig und transparent

Und viele Versuche waren auch notwendig, bis die ätherischen Öle so kombiniert waren, dass angenehm runde Düfte mit Kopf-, Herz- und Basisnoten entstanden. Zunächst habe sie die Idee mit sich herumgetragen, ihre ­Produkte nebenberuflich zu vermarkten. Im vergangenen Jahr beschloss sie, sich nicht ­länger von anderen abhängig zu machen. „Nun ist das, was ich wirklich gerne mache, mein Job.“

Handgemacht, fair, nachhaltig und transparent: So schätzt es die Kundschaft, die mittlerweile aus allen Stadtteilen nach Findorff kommt. Man könnte alles zwar auch im gleichnamigen Online-Shop kaufen. Aber es sei vor allem die persönliche Beratung, die „super gut“ ankomme, berichtet Schreiber. Hinter ihren eigenen Produkten, die von den Rezepturen bis zum modernen Verpackungsdesign aus ihrer eigenen Hand stammen, stehe sie „zu hundert Prozent. Und das merken die Menschen.“ Markengesicht und Namens­geberin ist ihre Katze Martha. Mit ihrem sensiblen, sozialen und neugierigen Wesen sei ihre dreijährige Thai-Siamesin als Firmen­symbol prädestiniert gewesen, sagt Schreiber, die in ihrer Freizeit auch für das Bremer Tierheim aktiv ist.

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Die Seifen sind minimalistisch mit Pappbanderolen umhüllt. Nachhaltig produziert sind auch die wiederverwendbaren Alu-Töpfchen, die schicken selbst genähten „Seifensäckchen“ aus zertifizierten Stoffen sowie die Visitenkarten, Flyer und Geschenkboxen aus Recyclingpapier. Selbst bei Strom, Bankgeschäften und Versand achtet Claudia Schreiber auf Öko-­Anbieter. Nur für die Kunststofffläschchen der Flüssigseife konnte bislang noch keine ­umweltfreundlichere Alternative gefunden werden.

Die Produzentin war konsequent und nahm den Artikel bis auf weiteres aus dem Sortiment. Doch ihre hartnäckigen Bemühungen um Nachhaltigkeit hatten da schon die Aufmerksamkeit des deutschen Zweigs einer internationalen Umweltorganisation erregt: Vor einigen Wochen ging ein Auftrag über 17 500 Stück Seife ein, die mit dem Logo der Organisation geprägt werden.

Ein drittes Standbein

Nach und nach soll das Sortiment um Produkte erweitert werden, „die nicht jede Manufaktur im Portfolio hat“, sagt Schreiber. Neu im Programm sind zum Beispiel eine Deocreme und das „Schnabelfett“, das mit vier Zutaten auskommt – handelsübliche Lippenpflegestifte deklarieren zwanzig Inhaltsstoffe oder mehr. In der Entwicklungsphase sind unparfümierte Babyprodukte, eine neue Haarseifen-Linie und eine Handcreme für besonders beanspruchte Haut. Bei der Herstellung muss auch die kleine Manufaktur dieselben Kriterien erfüllen wie ein Kosmetikriese, erklärt die Produzentin. „Jedes Produkt, jeder einzelne Inhaltsstoff, ist durch ein unabhängiges Labor sicherheitsbewertet und entspricht der EU-Kosmetikverordnung.“

Neben Ladengeschäft und Online-Shop ist ein Kursprogramm das drittes Standbein für Martha’s Corner. Freundeskreise und Firmenabteilungen buchen die abendlichen Siedekurse. Sogar Kindergeburtstage werden inzwischen hier gefeiert. „Ich habe noch tausend Ideen“, sagt Claudia Schreiber. Die Entscheidung für die Selbstständigkeit im Alter von knapp 50 Jahren sei ein großer Schritt gewesen. „Doch er zeigt, dass vieles geht, wenn man tatsächlich will.“

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