Neues System

Sauerstoff für die ISS in Eigenherstellung

Laut Airbus ist die Technologie eines neuen in Friedrichshafen und Bremen entwickelten Systems ein wichtiger Schritt in Richtung geschlossener Lebenserhaltungssysteme.
09.09.2018, 20:44
Lesedauer: 2 Min
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Sauerstoff für die ISS in Eigenherstellung
Von Peter Hanuschke
Sauerstoff für die ISS in Eigenherstellung

Das neue Lebenserhaltungssystem kurz bevor es in den japanischen Raumtransporter HTV-7 integriert wurde. Der unbemannte Raumtransporter soll am Dienstag zur ISS fliegen.

Airbus

Mehrere Monate verbringen Alexander Gerst und seine fünf Astronauten-Kollegen auf der Internationalen Raumstation (ISS). Eine der größten Herausforderungen ist dabei die zuverlässige Versorgung der Raumfahrer mit Lebensmitteln und Sauerstoff. Beides wird regelmäßig mit Raumtransporten zur ISS gebracht, die in etwa 400 Kilometer Höhe um die Erde umkreist. Zum Teil wird an Bord der ISS auch Sauerstoff aus Wasser durch Elektrolyse gewonnen.

Doch ein autark arbeitendes Lebenserhaltungssystem ist das noch nicht. Genau das soll aber mittelfristig entwickelt werden – es ist Grundvoraussetzung für die bemannte Raumfahrt, wenn sie tatsächlich zu monatelangen Missionen aufbricht, die außerhalb der Reichweite von Raumtransportern liegen. Ein neues Lebenserhaltungssystem, das von Airbus in Friedrichshafen und Bremen entwickelt wurde, soll helfen, dieses Ziel zu erreichen.

Das neue System Advanced Closed Loop System (ACLS) ist derzeit im japanischen HTV-7 untergebracht – einem unbemannten Raumtransporter zur Versorgung der ISS. Geht alles nach Plan, wird das ACLS am Dienstag, 11. September, vom japanischen Raumfahrtzentrum Tanegashima aus zur ISS transportiert. Entwickelt hat Airbus das ACLS für die Europäische Weltraumorganisation Esa als Technologiedemonstrator zur Reinigung von Luft und zur Erzeugung von Sauerstoff.

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Eingebaut werden soll das System am 2. November vom ISS-Chef persönlich, und zwar in das US-Labormodul Destiny: Gerst übernimmt das Kommando auf der ISS ab Oktober. Laut Airbus ist die Technologie des Systems ein wichtiger Schritt in Richtung geschlossener Lebenserhaltungssysteme, die für die bemannte Raumfahrt jenseits des niedrigen Erdorbits notwendig sind.

Der Standort Friedrichshafen ist für Airbus beim Thema Lebenserhaltung Spezialist. Auch die Lebenserhaltungssysteme für das Columbus-Labor, das vor zehn Jahren in Bremen gebaut wurde, und schon zuvor für das Spacelab wurden dort federführend entwickelt. Allerdings war an all diesen Projekten auch immer der Bremer Standort von Airbus Defence and Space beteiligt. Auch beim aktuellen Projekt wurde zusammengearbeitet. So kommen für das ACLS aus Bremen der Bordrechner sowie die Struktur- und Thermalanalysen.

Ein Operation-Team wird das ACLS von Friedrichshafen aus betreiben. Es ist Teil des ISS-Bodennetzwerkes und arbeitet direkt mit dem Esa-Kontrollzentrum für Columbus in Oberpfaffenhofen zusammen. Wenn Astronaut Gerst das neue Gerät eingebaut hat, beginnt für das ACLS-Team eine sechswöchige Inbetriebnahme zur Überprüfung des neuen Systems. Anschließend soll das ACLS für die Absorption von Kohlenstoffdioxid und für die Erzeugung von Sauerstoff für die Astronauten an Bord sorgen. Bei den Verfahren wird Sauerstoff und Wasserstoff über ein Elektrolyseur aus Wasser gewonnen. Das Kohlenstoffdioxid wird zusammen mit dem Wasserstoff wiederum in Wasser umgewandelt.

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