Maritime Wirtschaft

Mehr Hilfen für kriselnde Schiffbauindustrie

Vor der Nationalen Maritimen Konferenz am Montag und Dienstag fordern die Gewerkschaft IG Metall und der Handelskammer-Verbund IHK Nord mehr staatliche Unterstützung für die deutsche Schiffbauindustrie.
06.05.2021, 15:00
Lesedauer: 2 Min
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Mehr Hilfen für kriselnde Schiffbauindustrie
Von Peter Hanuschke
Mehr Hilfen für kriselnde Schiffbauindustrie

Der Schiffbau in Deutschland kriselt in manchen Bereichen – coronabedingt und durch internationale Wettbewerbsverzerrungen. Auch die Lloyd-Werft in Bremerhaven ist davon betroffen und soll nach derzeitigem bis zum Jahresende abgewickelt werden. Um die Krise insgesamt zu bewältigen, fordert die Gewerkschaft IG Metall und der Handelskammer-Verbund IHK Nord mehr staatliche Unterstützung für die deutsche Schiffbauindustrie.

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Schnellere und umfangreichere Auftragserteilungen für Behördenschiffe oder unter anderem finanzielle Hilfen für die Entwicklung von klimaneutralen Antriebstechnologien – der Ruf nach Unterstützung für die in vielen Bereichen kriselnde Schiffbauindustrie kommt in diesen Tagen von verschiedenen Verbänden und Organisationen. Der Zeitpunkt ist bewusst gewählt: Am kommenden Montag und Dienstag findet die Nationale Maritime Konferenz in Rostock statt – eine alle zwei Jahre stattfindende Veranstaltung unter der Schirmherrschaft von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU).

Die IG Metall fordert arbeits- und strukturpolitische Maßnahmen. „Wir wollen mit allen Beschäftigten durch die Krise kommen. Dazu brauchen wir eine Verlängerung der Regelungen zur Kurzarbeit im Schiffbau", sagt Daniel Friedrich, Bezirksleiter der IG Metall Küste, am Donnerstag. Für die Unternehmen müsse gelten: Kurzarbeit und tarifliche Arbeitszeitverkürzungen statt Entlassungen sowie Festanstellungen statt Leiharbeit und Werkverträge. „Den Arbeitgebern sagen wir deutlich: Wer Tarifverträge angreift oder Stammarbeitsplätze gegen billigere Werkverträge austauschen will, wird auf unseren Widerstand stoßen.“

Neben den coronabedingten Folgen – der Kreuzfahrtschiffbau, der den weitaus größten Anteil am zivilen Schiffbau ausmacht, ist nahezu komplett eingebrochen – stehen deutsche Werften seit Jahren vor dem Problem, dass auch der internationale Wettbewerb durch milliardenschwere nationale Subventionsprogramme in China verzerrt wird.

Insgesamt gibt es auf den Werften etwa 20.000 Arbeitsplätze. Entlang der ganzen Wertschöpfungskette im Schiffbau handelt es sich in Deutschland um mehr als 200.000 Arbeitsplätze.

Die IHK Nord, der Zusammenschluss von zwölf norddeutschen Industrie- und Handelskammern, fordert für den Schiffbau unter anderem Mittel aus einem Fonds, der eingerichtet werden müsste im Zusammenhang mit der geplanten Ausweitung des europäischen Emissionshandels (ETS). Dieser ETS-Fonds soll für die Dekarbonisierung im Seeverkehr eingesetzt werden, um eine maritime Energiewende zu erreichen.

Hintergrund sei, dass die Europäische Union das Ziel hat, in Europa bis 2050 Klimaneutralität zu erreichen, und in dieses „Green Deal“-Maßnahmenpaket der EU-Kommission ist auch die Schifffahrt einbezogen. Verkehrsbedingte Emissionen sollen danach bis zum Jahr 2050 um 90 Prozent gesenkt werden. Diese Ziele können aus Sicht der IHK Nord nur durch die Entwicklung und Anwendung neuer innovativer Technologien erreicht werden.

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