Green Cruiser werden in Bremerhaven entwickelt Schiffe mit neuartigem Antrieb

Mit einem nachhaltigen Schiffskonzept will eine Gruppe von Investoren und Technikern die Kreuzfahrtbranche revolutionieren. Dabei ist auch Ex-Beluga-Reeder Niels Stolberg.
05.09.2014, 16:00
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Schiffe mit neuartigem Antrieb
Von Andreas Kölling

Mit einem nachhaltigen Schiffskonzept will eine Gruppe von Investoren und Technikern die Kreuzfahrtbranche revolutionieren. Dabei ist auch Ex-Beluga-Reeder Niels Stolberg.

Der Online-Auftritt von Green Sailing ist überschaubar: Eine Seite, die einen recht unfertigen Eindruck macht. Aber das junge Unternehmen hat Großes vor: Die Gründung der Green Sailing GmbH in Hamburg kennzeichnet den Startpunkt für eine neue Kreuzfahrtära mit innovativer und umweltgerechter Schiffbautechnologie, heißt es auf der Startseite. Oben die Zeichung eines futuristisch anmutenden Mega-Kreuzfahrt-Seglers – dem Green Cruiser. Die Macher hinter dem Projekt: Rolf Rohden, Geschäftsführer der Bremerhavener Innoven GmbH, einem erfolgreichen maritimen Ingenieurbüro, Nobert Schelsiger, einst im Vertrieb der mittlerweile liquidierten Aleo Solar AG aus Oldenburg und – Niels Stolberg. Der Ex-Beluga-Reeder wartet nach der Insolvenz der Unternehmensgruppe auf seinen Prozess wegen Kreditbetrugs. Er ist Aufsichtsratsvorsitzender von Green Sailing.

Das Schiff soll 150 Meter lang werden und 350 Passagieren Platz bieten. Die Investitionskosten sollen bei rund 135 Millionen Euro liegen. Fünf-Sterne-Ambiente soll das Schiff bieten auf „sehr individuellen Reisen in ausgesuchte Regionen der Erde“, sagt Stolberg. „Und Brennstoff sparen.“ Auf Schweröl werde verzichtet, stattdessen sollen die Maschinen mit schwefelarmem Diesel und Erdgas befeuert werden.

Nachhaltigkeit sei das Zukunftsthema in der Schifffahrt, die Neuerungen „eher konservativ“ gegenüber stehe, beklagt Stolberg. Anders als in der Handelschifffahrt, wo die Beluga-Reederei bereits einen – mäßig erfolgreichen – Versuch mit der Segelunterstützung mit sogenannten Skysails gemacht hatte, könne man sich bei Kreuzfahrten windreiche Routen aussuchen.

„Es ist das erste Mal, dass bei einem Schiff in dieser Größe durch eine neuartige Segelmaschine mehr als 50 Prozent Brennstoff eingespart werden können. Insbesondere die Diskussion über die schmutzige Kreuzschifffahrt haben uns dazu veranlasst, dieses Projekt umzusetzen“, heißt es in der Beschreibung. Die „Segelmaschine“ sei bereits fertig entwickelt, sagt Norbert Schlesiger, der für den kaufmännischen Bereich von Green Sailing zuständig ist.

Die Neuentwicklung, die auf dem physikalischen Prinzip von Fletner-Rotoren basiert, stammt von den Ingenieuren von Innoven, die 2013 den deutschen Gründerpreis bekommen haben. Die „Segel“ werden aus Stahl und Aluminium bestehen und 26 Meter hoch sein. Sie ähneln einem schlanken Flugzeugflügel. „Ein Profil mit rotierender Vorderkante“, sagt Martina Kuhlmann, Mitgeschäftsführerin bei Innoven. „Wie eine Bananenflanke beim Fußball.“ Die Konstruktion gibt es bislang nur als Modell. Es habe den Windkanaltest bereits bestanden, sagt Kuhlmann. „Mit Erfolg.“

Der Green Cruiser hat einen Tiefgang von fünf Metern. Auf hoher See wird er wie klassische Segler langen Schwertern stabilisiert. „Wegen des geringen Tiefgangs können wir Häfen anlaufen, die große Kreuzfahrtschiffe nicht erreichen“, sagt Schlesiger. Trotz der gehobenen Ausstattung werde der Green Cruiser nicht für ein „extrem elitäres Segment“ konzipiert.

Helge Grammerstorf, Direktor der deutschen Sektion des internationalen Kreuzfahrtindustrie CLIA räumt dem Projekt durchaus Chancen ein. Das Angebot werde vielfältiger und spezialisierter. „Kreuzfahrten werden Normalität, wie ein Urlaub an Land“, sagt Grammerstorf und verweist auf jährliche Zuwachsraten im oberen einstelligen Bereich. Allerdings habe Nachhaltigkeit auch im traditionellen Kreuzfahrtgeschäft bereits einen hohen Stellenwert. „Weniger Belastung ist das Ziel.“ In den vergangenen Jahren habe die Kreuzfahrtindustrie erhebliche Investitionen in die Erforschung und Umsetzung neuer, umweltschonender Technologien und Betriebsverfahren unternommen.

Die Finanzierung des Projektes ist noch unklar. Zunächst soll in einer zweiten Stufe die Entwicklung des Schiffskörpers abgeschlossen sein, sagt Schlesiger. Gespräche mit Banken seien geführt worden. Man wolle das Projekt wohlwollend begleiten, sagt er , wenngleich Schiffsfinanzierungen gerade schwer zu realisieren seien. Dennoch geht er davon aus, dass Ende des Jahres der Bauauftrag erteilt wird. „An eine deutsche Werft.“ 2017 soll der Green Cruiser schwimmen.

Auch der Vorstandsvorsitzende des Bremer Raumfahrtunternehmens OHB, Marco Fuchs, ist am neuen Unternehmen beteiligt. Das bestätigte Niels Stolberg. Bei OHB giebt man sich dagegen eher bedeckt: Ein Firmen-Sprecher sagte, dass Familie Fuchs grundsätzlich keine Angaben zu privaten Investitionen macht. Der Konzern OHB sei aber weiterhin ausschließlich im Weltraumbereich tätig und nicht finanziell in anderen Branchen involviert.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Einwilligung und Werberichtlinie

Ich erkläre mich damit einverstanden, dass die von mir angegebenen Daten dazu genutzt werden, regelmäßig per E-Mail redaktionelle Inhalte des WESER-KURIER seitens der Chefredaktion zu erhalten. Die Daten werden nicht an Dritte weitergegeben. Ich kann diese Einwilligung jederzeit formlos mit Wirkung für die Zukunft widerrufen, z.B. per E-Mail an widerruf@weser-kurier.de.
Weitere Informationen nach Art. 13 finden Sie unter https://www.weser-kurier.de/datenschutz

Schließen

Das Beste mit WK+