Selbstzapfen als Option

Schneller ans Bier beim Werder-Spiel

Zum Bundesliga-Auftakt testet AB Inbev am Samstag einen Container, bei dem die Fans an acht Hähnen ihr Bier selbst zapfen können. So könnte es vor dem Spiel mit der Bierversorgung schneller laufen.
15.08.2019, 19:03
Lesedauer: 3 Min
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Schneller ans Bier beim Werder-Spiel
Von Florian Schwiegershausen
Schneller ans Bier beim Werder-Spiel

Michael Sauer, bei AB Inbev zuständig für das Qualitätsmanagement in der Gastronomie, zeigt, wie sich die Werder-Fans am Sonnabend an der Nordkurve vor dem Stadion ihr Pils selbst zapfen können. Das Unternehmen will testen, wie das Konzept ankommt.

Christina Kuhaupt

Die Besucher von Werder-Heimspielen kennen das Problem: Lange Schlangen an den Ständen, an denen es das Bier und die Stadionwurst gibt. Und dann, wenn man endlich an der Reihe ist, ist Bier mitunter schon warm.

Solche Probleme will der Brauereikonzern AB Inbev nun lösen. Am Samstag stellt er vor dem Stadion vor der Nordkurve die erste Selbstzapfanlage der Bundesliga auf. Damit will das Unternehmen bei Werders erstem Heimspiel der Saison testen, wie dieses Konzept ankommt. Gerd Binder, Leiter Event-Services National bei AB Inbev, sagt: „Wir haben die Anlage beim Wacken Open-Air ausprobiert und dort nur positive Resonanz bekommen.“ Weil auf dem Festival Beck's ausgeschenkt wurde, war der Standard-20-Fuß-Container schwarz. Am Sonnabend wird er aber in der Haake-Beck-typischen roten Farbe aufgestellt. Insgesamt gibt es acht Zapfhähne – vier auf jeder Seite.

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Das Zapfen funktioniert so: Für den ersten Test am Sonnabend wird vor der Anlage eine Servicekraft Wertkarten verkaufen. Der halbe Liter Bier wird wie im Stadion 4,40 Euro kosten. Die Käufer können entscheiden, für wie viele Bier sie eine Karte haben möchten. Gleichzeitig erhalten sie gegen Pfand die Anzahl der benötigten Plastikbecher. Dann geht es an einen der Zapfhähne, wo man die Guthabenkarte in ein Kartenlesegerät steckt. „Wenn eine solche Anlage irgendwann im Stadion stehen sollte, wäre angedacht, dass die Besucher mit den dort üblichen Kartensystemen zahlen können“, sagt Binder.

Technik aus den USA

Wenn die Anlage die Karte erkannt hat, können die Nutzer auf einem Display auswählen, wie viele Biere sie haben möchten. Dann gibt der Zapfhahn genau einen halben Liter aus – und zwar so, dass dabei auch eine Schaumkrone entsteht. Gut gekühlt kommt das Bier mit zwei Grad aus dem Zapfhahn. Sollte etwas nicht funktionieren, hilft die Servicekraft. Denn es ist immer jemand vor Ort, falls es an einem der acht Zapfhähne ein Problem geben sollte. Ansonsten sind die sechs Schritte auch an jedem Zapfhahn genau beschrieben, momentan auf Deutsch. Dazu ergänzt Binder: „Natürlich ist jede andere Sprache möglich – was ja auch sein sollte, wenn Werder in Zukunft in der Europa oder der Champions League spielt.“

Pro Stunde können hier 180 Liter gezapft werden – nach Berechnungen der Bremer Brauerei können mit so einer Anlage 500 Personen pro Stunde mit Bier versorgt werden. „Mit diesem innovativen Ausschanksystem können wir mit einer zusätzlichen Station Hochfrequenzzeiten abfedern“, sagt AB-Inbev-Deutschland-Sprecherin Claudia Hauschild. Die Thekenkräfte wird eine solche Anlage also nicht komplett ersetzen, sie wird sie aber entlasten.

Die Idee zu dieser Anlage stammt von den Budweiser-Kollegen aus den USA. Diese Biermarke gehört ebenfalls Anheuser-Busch Inbev. „Die haben das seit sieben Jahren im Einsatz“, sagt Binder. Er und sein Team haben sich überlegt, wie man das Zapfen in Selbstbedienung für Deutschland adaptieren kann. Im Februar haben sie mit der Planung begonnen. Das System könnte genauso mit Wertmarken funktionieren, statt Fässer im Innenraum des Containers sei aber auch die Zuleitung vom Biertank möglich.

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Dass es möglichst schnell und einfach mit der Bierversorgung gehen soll, hat einen Grund. Denn abgesehen von 2018 mit dem heißen Sommer ist der Bierkonsum in Deutschland tendenziell rückläufig. Gleichzeitig geht der Trend hin zu Biermixgetränken. Da ist es für Brauereien dankbar, wenn auf Großveranstaltungen ohne viel Schnickschnack einfach nur Bier verkauft wird.

Das Haake-Beck aus dem Zehn-Liter-Fass

In den großen Zelten auf dem Bremer Freimarkt kommt das Haake-Beck seit einigen Jahren im Zehn-Liter-Fass an den Tisch. Im Kölner Karneval ist das seit Jahren üblich, ein anderes ausgefallenes Gebinde ist dort die Fünf-Liter-Stange. Die kommt dort jedes Jahr beim Viva-Colonia-Fest zum Einsatz. Veranstalter Albert Damaschke erklärt: „In die Fünf-Liter-Stangen wird das Kölsch von unten mit zwei Grad hineingezapft, um keinen Verlust bei der Kohlensäure zu haben.“ An jedem Tisch gibt es einen Zapfhahn, zu denen die Säule hingetragen wird, und wo die Besucher das Bier bei fünf Grad Trinktemperatur zu sich nehmen können. Angesichts von 5000 Besuchern auf der Karnevalsparty wäre es in dem Zelt nur schwer möglich, jedes Bier im Kölschglas an die Tische zu bringen. Bei dem Festzelt handelt es sich übrigens um genau das Bayernzelt von Jan Wolters, das auch auf dem Freimarkt steht. „Nach Ende des Freimarkts kommt das Zelt im November von Bremen nach Köln“, sagt Damaschke.

Für Gerd Binder und sein Team geht es Sonnabend erst mal um die Resonanz der Werder-Fans – positiv und negativ. Auch wenn die Technik von Budweiser aus den USA kommt, kann er allen lokalpatriotischen Pils-Puritanern versichern: „Durch diese Zapfhähne ist bisher nur Bier aus Bremen geflossen.“

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