Geldautomat feiert Geburtstag

Seit 50 Jahren die richtigen Scheine

Der Geldautomat wird 50. Die Erfindung hat die Bankgeschäfte radikal verändert. In Bremen gibt es mehr als 250 Geldautomaten. Ob das in 50 Jahren auch noch so ist, ist aber ungewiss.
26.06.2017, 19:37
Lesedauer: 3 Min
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Von Marlo Mintel, Jörg Bender und Silvia Kusidlo

Der Geldautomat ist aus dem Alltag der meisten Bremer nicht mehr wegzudenken. Allein in der Hansestadt können sich Verbraucher an mehr als 250 Maschinen rund um die Uhr mit Bargeld versorgen. An diesem Dienstag wird der Geldautomat 50 Jahre alt.

Ein treuer Kunde ist Michael Lorenz-Medina. Er hat sich gerade in der Filiale der Sparkasse Bremen am Brill mit neuen Scheinen eingedeckt. „Das ist für mich der einfachste Weg“, sagt der 41-Jährige. Deshalb gehe er oft zum Geldautomaten. Andere Möglichkeiten, Geld abzuheben, kämen für ihn kaum infrage. „Ich weiß gar nicht, wann ich zuletzt an einem Schalter war“, sagt er.

Erster Automat 1968 in Deutschland

Zu verdanken ist die technische Errungenschaft dem Schotten John Sheperd-Barron. Die Idee dazu kam ihm an einem Sonnabend im Frühjahr 1965 in der Badewanne, wie er 2007 dem Sender BBC schilderte. Sheperd-Barron war an diesem Tag das Bargeld ausgegangen. Nur um wenige Minuten hatte er die Öffnungszeiten seiner Bankfiliale verpasst und stand vor verschlossenen Türen. Sheperd-Barron, Manager in einer Firma, die auch Banknoten druckte, kam ins Grübeln: Warum gibt es eigentlich Automaten, aus denen man Schokoriegel ziehen kann, aber kein Gerät, das Bargeld herausgibt?

Shepard-Barron erdachte einen Automaten, der Schecks prüfen und entwerten konnte und im Gegenzug Bargeld ausspuckte. Er stellte seine Idee der Großbank Barclays vor. Die griff sofort zu. Der erste seiner Bankautomaten wurde im Juni 1967 im britischen Enfield in Betrieb genommen.

Ein Massenphänomen waren die Maschinen, die nun anstelle des Kassierers am Bankschalter Geld auszahlten, zunächst aber nicht. Als in Deutschland die Kreissparkasse Tübingen am 27. Mai 1968 den bundesweit ersten Geldautomaten aufstellte, konnten diesen nur 1000 ausgewählte Kunden nutzen. Sie durften bis zu 400 D-Mark abheben, brauchten dafür aber einen Spezialschlüssel für den Tresor, eine Identifikationskarte aus Plastik und Auszahlungsbelege in Form von Lochkarten. Moderne Geldautomaten haben mit ihren Vorgängern wenig gemein. Den Geräten der ersten Generation fehlte die Verbindung zu einem Zentralcomputer, um Informationen abzugleichen. Jeder Geldautomat war gewissermaßen eine Insel. Neuland betrat 1978 die Kreissparkasse Köln, die einen der ersten Automaten in Deutschland installierte, der am Banknetz hing. Einziges Manko, wie der Automatenhersteller – der heute Wincor Nixdorf heißt – 2003 einräumte: „Der Geldcomputer war in der Bank selbst installiert und damit nur während der Schalteröffnungszeiten zugänglich. Den Kunden erschloss sich die Nutzung deshalb nur zögernd.“ Ihre ersten Geldautomaten an fünf verschiedenen Plätzen in Bremen installierte die Sparkasse laut Sprecherin Nicola Oppermann im Jahr 1974. Derzeit betreibt die Sparkasse in Bremen 144 und damit viermal so viel wie die Bremische Volksbank, die nach Angaben von Sebastian Ahlering, Bereichsleiter für das Vertriebsmanagement, 31 Automaten betreibt. Ihren Ersten stellte die Volksbank Ende der 80er-Jahre auf.

Insgesamt gibt es in Deutschland heute rund 60 000 Geldautomaten. Zwei Drittel davon stammen von Wincor Nixdorf. Aufgefüllt werden die meisten Geräte einmal pro Woche, manche nur monatlich. Die Preise, die Banken für die Automaten zahlen müssen, liegen zwischen 12 000 Euro und 25 000 Euro. Sie sind abhängig von Funktionen und der Metallstärke des Tresors.

Schutz vor Spreng-Attacken

Mit Metallstärken von Tresoren kennt sich Christian Römer bestens aus. Er ist Geschäftsführer von BDT Banken- und Datentechnik in Oyten. Seine Firma kümmert sich um die Reparatur und Instandhaltung von Geldautomaten. Aber nicht nur das. Mit seiner Gas Protection Unit (GPU) will er es Verbrechern schwerer machen, Geldautomaten zu sprengen. Die GPU soll verhindern, dass das eingeleitete Gas im Automaten explodiert. „Alle zwei Tage wird ein Geldautomat gesprengt. Außerdem gibt es unzählige Versuche, die nicht öffentlich werden“, sagt der 37-Jährige. Für die Verbrecher ist es durchaus ein lohnendes Geschäft. Im Schnitt seien Geldautomaten mit etwa 150 000 Euro befüllt.

Römer selbst nutze den Automaten nur „notgedrungen“. Er sagt: „Weniger als man meinen würde, wenn man doch den Tag mit solch einer Maschine zu tun hat und sie repariert.“ Ob der Automat in 50 Jahren seinen 100. Geburtstag feiert, da ist Römer aber skeptisch. „Wenn man sich die Nachbarländer anschaut, wird das eng.“ Dort zahlen die Menschen immer häufiger ohne Bargeld. Dementsprechend brauchen sie auch weniger Geldautomaten. Derzeit sei zwar nicht zu erkennen, dass in Deutschland Geldautomaten abgebaut würden, auch weil die Deutschen ein Bargeldvolk seien. Doch das kann sich laut Römer in 50 Jahren ändern. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass der Geldautomat bis dahin überlebt.“

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