Einkaufen bei Instagram und Co. Vorsicht beim Shoppen über soziale Netzwerke

Soziale Netzwerke wie Instagram und Facebook sind mittlerweile auch Online-Marktplätze. Social Commerce nennt sich diese Vertriebsform. Das niedrigschwellige Angebot bietet aber nicht nur Vorteile.
18.02.2021, 11:58
Lesedauer: 5 Min
Zur Merkliste
Vorsicht beim Shoppen über soziale Netzwerke
Von Rebecca Sawicki

Soziale Netzwerke wie Instagram und Facebook verbinden nicht länger nur Menschen untereinander, sie vernetzen sie mittlerweile auch mit Händlern. Der sogenannte Social Commerce wird immer präsenter. Für Kunden bringt dieser Empfehlungshandel einige Vorteile. Nicole Mertgen-Sauer, Rechtsberaterin bei der Verbraucherzentrale, sieht aber auch mögliche Schwierigkeiten.

Die ursprüngliche Fotoplattform Instagram hat ihr Design im November 2020 verändert: Der Marketplace (auf Deutsch: Marktplatz) ist nun ein Element der Bedienleiste. Über ein Icon können die Nutzer direkt dorthin gelangen und bei diversen Shops einkaufen gehen, ohne die App dafür verlassen zu müssen. Auf Facebook gibt es ebenfalls einen Marketplace, dort verkaufen Privatpersonen.

Vorsicht vor Fakeshops bei Instagram

"Gerade bei Instagram gibt es viele kleinere Läden, weshalb man hier besonders vorsichtig sein muss", sagt Mertgen-Sauer. Dadurch, dass die Konsumenten viele Shops nicht kennen, sei die Möglichkeit, auf einen Fakeshop hereinzufallen, groß. "Selbst ein geschulter Blick erkennt Fakeshops nur noch schwer", sagt Mertgen-Sauer. Ihr Tipp: die Allgemeinen Geschäftsbedingungen und das Impressum anschauen. Ist der Firmensitz außerhalb Europas, sollten sich die Käufer ihre Entscheidung ebenso noch einmal überlegen, wie wenn die Allgemeinen Geschäftsbedingungen zusammenkopiert wirken, sich also nicht flüssig lesen lassen. Außerdem empfiehlt die Expertin stutzig zu werden, sollten hochpreisige Waren sehr günstig angeboten werden.

"Wichtig ist auch die Zahlungsmodalität: Viele Fakeshopbetreiber verlangen Vorkasse", sagt Mertgen-Sauer. Anders als bei der Zahlung mit Kreditkarte oder Paypal habe der Käufer so keine Chance, sein Geld zurückzuholen, sollte es zum Streit kommen. "Vor Gericht können Geschädigte immer ziehen", sagt Mertgen-Sauer. Jeder Prozess bringe aber ein gewisses Risiko mit sich. Am besten sei es, Produkte auf Rechnung zu kaufen. So fließe erst Geld, wenn die Ware tatsächlich angekommen ist.

Lesen Sie auch

„Gefällt das Produkt nicht, können Kunden von ihrem 14-Tage-Widerrufsrecht Gebrauch machen“, sagt Mertgen-Sauer weiter. Dafür müssten die Menschen die Ware an das Geschäft zurückschicken. „Bei Fakeshops kann es passieren, dass die Verbraucher nicht mehr mit den Verkäufern in Kontakt treten können“, sagt die Rechtsberaterin. Wichtig sei dann, die Ware trotzdem zurückzuschicken und den Beleg von der Post aufzubewahren. „Außerdem sollte ein Screenshot von dem Internetauftritt des Shops gemacht werden“, rät die Expertin. So habe der Verbraucher alles in seiner Macht stehende erledigt und könne das bei einem etwaigen Streit beweisen.

Vom Vertrag zurücktreten können Verbraucher, wenn das Produkt nicht ankommt. Erfolgen sollte dieser Rücktritt per E-Mail oder schriftlich, damit es einen Nachweis gibt, falls es zum Streitfall kommt. „Bevor es zu einem Streit kommt, kann man die Ware auch einfach zurückschicken, sollte sie doch noch ankommen“, sagt Mertgen-Sauer. Denn auch, wenn ein Artikel verspätet eintrifft, gelte das Widerrufsrecht.

Empfehlung beim Kauf: Nur auf bekannte Läden zurückgreifen

Die Rechtsberaterin empfiehlt, bei Läden zu bestellen, die bereits bekannt sind. Entscheidet sich der Konsument doch für einen kleineren Shop, wie es sie gerade auf Instagram häufig gebe, solle er vorsichtig sein. So gebe es Anbieter, die mit verschiedenen Siegeln werben würden. „Hier sollte der Verbraucher schauen, ob es die Siegel wirklich gibt und ob der Laden das Siegel auch wirklich tragen darf“, sagt sie. Viele Firmen hätten ihren Sitz außerdem außerhalb Europas, hier müsse sich der Verbraucher überlegen, ob er das Risiko wirklich eingehen will. „In solchen Fällen kann noch eine Zollgebühr zum Kaufpreis hinzukommen“, erklärt Mertgen-Sauer.

Lesen Sie auch

Neben den Marketplaces gibt es auch sogenannte Shoppable Posts. Hierbei handelt es sich um Beiträge von Unternehmen, die sich im Newsfeed der Nutzer nicht gravierend von anderen Postings unterscheiden. „Beim Scrollen durch die sozialen Medien werden den Nutzern Produkte präsentiert, die sie vielleicht gebrauchen können“, sagt Maik Eisenbeiß von der Arbeitsgruppe „Digitales Marketing“ der Universität Bremen.

Ein Algorithmus entscheidet, welche Posts von welchem Nutzer gesehen werden. „Das hat dann Ähnlichkeit mit einer guten persönlichen Beratung in einem stationären Geschäft“, sagt Eisenbeiß. Die Vorschläge könnten einen Mehrwert für den Konsumenten schaffen, indem Angebote präsentiert würden, die der Nutzer andernfalls nicht gefunden hätte – zumindest dann, wenn der Algorithmus gut funktioniert.

Shoppen in sozialen Netzwerken: Analyse durch Daten des Nutzers

Der Algorithmus sammelt Nutzerdaten durch die verschiedenen Aktionen, die auf der Plattform stattfinden: Je aktiver ein Nutzer innerhalb der sozialen Medien ist, je mehr Gefällt-mir-Angaben er macht oder Beiträge er teilt, desto besser kann der Algorithmus ihn einschätzen. „Das sind zwei Seiten einer Medaille: Auf der einen Seite gibt man Daten preis. Auf der anderen Seite kann genau das für Nachfrager Nutzen stiftend sein“, sagt Eisenbeiß.

Doch nicht nur das zielgruppenspezifische Marketing sei ein Grund für Unternehmen, um sich in sozialen Medien zu präsentieren. „Die Sichtbarkeit der Angebote ist höher“, sagt der Fachmann. Da die Verbraucher im Internet von Werbeanzeigen geradezu bombardiert würden, könne es passieren, dass viele Konsumenten die Werbebanner kognitiv ausblendeten. In den sozialen Medien hingegen sei die Werbung sichtbarer. „Dort wird aktiv gelesen und mehr wahrgenommen. Es wird also nicht ausgeblendet wie klassische Werbebanner“, sagt Eisenbeiß. Dadurch, dass die Produkte direkt in den Postings verlinkt werden könnten, würde für die Konsumenten außerdem ein neues Kauferlebnis geschaffen.

Lesen Sie auch

Der Wissenschaftler sieht gerade für junge Unternehmen und Start-ups einen Vorteil in dieser Form der Vermarktung. Viele hätten andernfalls kaum Chancen, auf dem Markt sichtbar zu werden und sich gegen größere Konkurrenten durchzusetzen. Für die Verbraucher bedeute diese Fächerung des Angebotes, dass sie auf Produkte aufmerksam werden könnten, die sie sonst nicht wahrgenommen hätten. Die Innovation und Produktvielfalt schütze aber nicht davor, dass sich schwarze Schafe auf dem Marketplace niederließen. Studien, ob sich vermehrt Fakeshops auf solchen Plattformen tummeln, sind Eisenbeiß bisher nicht bekannt.

Als Nutzen für die Verbraucher sieht Eisenbeiß aber nicht nur das passgenaue Angebot, sondern auch die Niedrigschwelligkeit. „Nutzer müssen die Applikation eigentlich nur verlassen, um am Ende zu bezahlen“, sagt er. Der Kaufprozess sei dadurch für die Konsumenten praktisch und niedrigschwellig aufbereitet.

Er regt allerdings an, dass Konsumenten ihr Kaufverhalten hinterfragen sollten, da das Angebot zu Spontankäufen verleite. Folgen des praktischen Kaufangebotes könnten sein, dass Kunden die Produkte, anders als beim Kauf im Internet, nicht verglichen. „Nutzer sollten sich fragen, ob sie das Produkt wirklich brauchen und ob es zum besten Preis angeboten wird“, sagt er. Durch die Beantwortung dieser Fragen könnten die Konsumenten eine reflektierte Kaufentscheidung treffen und das Einkaufserlebnis genießen.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+