Absatzrekord für Daimler

Sieben fette Jahre

Für Daimler geht es von Rekord zu Rekord: 2017 ist nach Angaben des Stuttgarter Unternehmens das erfolgreichste in der Geschichte gewesen. Dabei steht der Konzern vor einem Umbruch.
08.01.2018, 18:49
Lesedauer: 3 Min
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Sieben fette Jahre
Von Lisa Boekhoff
Sieben fette Jahre

Blick in die Produktion in Sebaldsbrück: Bremen ist Leadwerk für die C-Klasse von Mercedes – einem Bestseller des Konzerns.

dpa

Zum Ende des Jahres gab es einen kleinen Dämpfer für Daimler. Das Wachstum bremste im Vergleich zu den vorangegangenen Monaten deutlich. Im Dezember verkaufte der Autobauer 0,2 Prozent mehr Fahrzeuge – nur noch. Doch in Stuttgart dürfte es derzeit vor allem Grund zur Freude geben. Der Konzern gab an diesem Montag die Jahreszahlen bekannt und blickt nach eigenen Angaben auf das erfolgreichste Jahr überhaupt zurück. 2017 sei demnach das siebte Rekordjahr in Folge.

Mercedes verkaufte insgesamt 2,29 Millionen Pkw weltweit und steigerte seinen Absatz im Vergleich zum Vorjahr damit um 9,9 Prozent. Zusammen mit der Kleinwagenmarke Smart kam das Unternehmen auf 2,4 Millionen Fahrzeuge. Besonders Chinas Nachfrage wuchs im vergangenen Jahr stark und sorgte für das neuerliche Rekordergebnis: Um mehr als 25 Prozent legte der chinesische Markt von Mercedes dort zu auf genau 587 868 Fahrzeuge.

Dem starken Wachstum in China ist eine Aufholjagd vorausgegangen. Denn zunächst verpasste Mercedes den Boom im Reich der Mitte. Vor ein paar Jahren habe Audi in China noch vor BMW und weit vor Daimler gelegen, sagt Ferdinand Dudenhöffer, Autoexperte der Universität Duisburg-Essen. Jetzt sieht der Wissenschaftler aber einen Vorsprung bei Daimler – auch wegen eines großen Investitionsprogramms in neue Technologien.

Das sei entscheidend, weil China das Musterland für E-Mobilität werde. Im nächsten Jahr sollen bei Mercedes die ersten Fahrzeuge der Elektroauto-Familie EQ im Bremer Werk produziert werden, bis zum Jahr 2020 soll die Marke Smart in Europa und Nordamerika komplett auf elektrischen Antrieb umgestellt werden. „Mercedes hat noch nichts verpasst. Jetzt geht es darum, mit Volldampf an der E-Mobilität zu arbeiten.“

China war laut Angaben des Konzerns erneut größter Absatzmarkt – weltweit. Wenngleich die Verkäufe in Europa in diesem Zeitraum ebenfalls mit mehr als 955.000 Autos auf einen Höchstwert stiegen. Das entspricht einem Plus von 6,4 Prozent. Der Markt bleibt nach wie vor der wichtigste für den Konzern. In den USA verpasste Mercedes das Niveau aus dem Vorjahr knapp und verzeichnete erneut einen leichten Rückgang von 0,9 Prozent weniger verkauften Autos.

Leadwerk für die C-Klasse

Als „Bestseller“ gilt weiterhin die C-Klasse. China war der größte und wachstumsstärkste Markt für diese Klasse. Das erfolgreichste Segment für Mercedes ist dennoch ein anderes. 805.000 SUV verkaufte der Konzern im vergangenen Jahr. Insgesamt fällt laut Daimler bereits mehr als ein Drittel der Verkäufe auf dieses Segment. Zu den absatzstärksten Modellen gehören der GLC und der GLA.

Die Nachfrage nach C-Klasse und GLC interessiert vor allem die 12 500 Mitarbeiter am Mercedes-Standort in Bremen. Denn in Sebaldsbrück ist der Hauptproduktionsstandort für den Geländewagen GLC, für die C-Klasse ist Bremen Leadwerk. Zu Produktion der einzelnen Werke machte Mercedes auf Anfrage keine Angaben. Anfang Februar sollen die Zahlen für 2017 präsentiert werden. Dann erst stellt sich heraus, ob Bremen weiterhin der stärkste Produktionsstandort ist.

Schon Ende des Jahres standen in Stuttgart die Zeichen auf Rekord. Im November knackte der Auto- und Lkw-Hersteller die magische Marke von zwei Millionen Fahrzeugen und übertraf damit bereits den gesamten Vorjahresabsatz. Außerdem lag BMW zu diesem Zeitpunkt im Rennen um die Vorherrschaft im Markt für Premiumautos bereits mit 200.000 Fahrzeugen zurück.

Weiteres Potenzial für Mercedes

Die Jahreszahlen des Konkurrenten aus Bayern liegen derzeit noch nicht vor. Mercedes sieht sich aber bereits jetzt vorn. Autoexperte Dudenhöffer bekräftigt diese Einschätzung. In vielen Ländern Europas, in Japan, Kanada, Mexiko, Brasilien oder den USA hat sich Mercedes nach eigenen Angaben im Segment als Marktführer behauptet. Rekord folgt Rekord – wie lang sich diese Entwicklung fortsetzen wird?

Ferdinand Dudenhöffer sieht weiteres Potenzial für Mercedes. Denn weltweit wachse der Automarkt in den nächsten Jahren weiter – gerade in China. In Russland seien zudem wieder besser Absatzmöglichkeiten in Aussicht. Mercedes entwickle sich im Premiumbereich mit einer größeren Geschwindigkeit als die Konkurrenz und habe sich mit seinen Modellen richtig aufgestellt: „Das ist für einen Autohersteller sehr entscheidend. Insgesamt läuft der Konzern unter Dieter Zetsche von Erfolg zu Erfolg.“ Seit zwölf Jahren führt der Vorstandschef Daimler. „Der Stern trägt mittlerweile Schnäuzer“, schreibt das „Manager Magazin“ über seine Ära.

Doch Zetsches Vertrag läuft Ende 2019 aus. Noch steht nicht fest, wer sein Nachfolger sein wird. Entwicklungsvorstand Ola Källenius könnte laut Dudenhöffer gute Chancen haben – im Prinzip. Allerdings steht die Daimler AG zugleich vor einem größeren Umbruch: Aus dem Konzern soll eine Holding mit drei Aktiengesellschaften für Pkw, Trucks und Finanzdienstleistungen entstehen. Der Aufsichtsrat hat dem bereits zugestimmt. Die Hauptversammlung wird erst im nächsten Jahr darüber abstimmen.

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