Streit um Bremer Sechs-Tage-Rennen Sixdays: Kommt neue Ausschreibung?

Bremen. Die Vergabe der Veranstaltungsrechte für das Bremer Sechs-Tage-Rennen geht in die nächste Runde. Eigentlich sollte der künftige Veranstalter gestern den Zuschlag erhalten. Doch jetzt entwickeln sich die Dinge ganz anders.
01.02.2011, 05:00
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Sixdays: Kommt neue Ausschreibung?
Von Jörg Niemeyer

Bremen. Die Vergabe der Veranstaltungsrechte für das Bremer Sechs-Tage-Rennen geht in die nächste Runde. Eigentlich sollte der künftige Veranstalter gestern den Zuschlag erhalten. Doch Sektkorken knallten nirgends. Frank Minder, Geschäftsführer der Bremer Sportmarketing GmbH (BSM) und einer von vier Bewerbern für die Ausrichtung der Sixdays, hatte am Freitag fristgerecht Antrag auf Nachprüfung des Vergabeverfahrens gestellt.

Jetzt liegt die Entscheidungsgewalt nicht mehr bei der Wirtschaftsförderung Bremen (WFB), die die Veranstaltung ausgeschrieben hatte, sondern - in der nächsthöheren Instanz - bei der Vergabekammer Bremen. Die hat maximal fünf Wochen Zeit, um zu überprüfen, ob vergaberechtlich alles richtig gelaufen ist. "Wir werden die Akten anfordern, auf Vergabefehler prüfen und die WFB als Gegenseite der Einspruchspartei zur Stellungnahme auffordern", sagt die Vorsitzende des dreiköpfigen Gremiums, Renate Slaby, zum weiteren Verlauf des Verfahrens.

Spätestens am 4. März wird die Entscheidung der Kammer fallen. Dieser Termin muss aber nicht gleichzeitig auch das Ende des Verfahrens bedeuten. Sollte Frank Minder mit seinem Einspruch nicht durchkommen, bliebe ihm - als weitere Instanz - immer noch der Gang vor das Oberlandesgericht Bremen (OLG). Nicht ausgeschlossen also, dass das Sechs-Tage-Rennen noch einmal ausgeschrieben werden muss. Den Geschäftsführer der WFB bringt die erneute Verzögerung der Vergabe aber nicht aus der Ruhe. "Ich sehe keine Gefahr für das Sechs-Tage-Rennen, das ist ein vollkommen normales Verfahren", sagt Hans Peter Schneider und fügt mit Blick auf die Fortsetzung des Verfahrens vor dem OLG an: "Ob Frank Minder das ewig verzögern möchte, würde ich mal infrage stellen."

Planungszeit wird knapper

Gelassen reagiert auch die Bremer Veranstaltungs- und Event GmbH (BVE), die am 19. Januar die - vorläufige - Zusage für das Sechs-Tage-Rennen erhielt. Die BVE will in einer Gesellschaft mit dem Sicherheitsunternehmen Elko und der WFB die Veranstaltung ausrichten. "Wir haben eine erfolgreiche Bewerbung eingereicht und sind auf das Wohlwollen der Vergabestelle gestoßen", sagt BVE-Sprecher Timm Kulke zuversichtlich. "Die Bewertung, ob der Einspruch von Frank Minder der Veranstaltung guttut, steht uns nicht zu." Kulke räumt aber ein, dass es - die Planung fürs Sechs-Tage-Rennen 2012 betreffend - "Felder geben wird, wo die Zeit eng wird".

Ging es bei der Ausschreibung der Rechte für die künftigen Sechs-Tage-Rennen noch um Programmgestaltung und Finanzierungskonzepte der Bieter, spielen die Inhalte jetzt keine Rolle mehr. Die Vergabekammer prüft nur die Form des Verfahrens - und diesbezüglich sieht der Anwalt von Frank Minder gute Chancen für seine Partei. "Wir sehen ein vergaberechtliches Problem", sagt Thomas Haug und beschreibt es. Die WFB hatte den vier Bietern freigestellt, zwei Angebotsvarianten einzureichen: eine, in der der Kandidat als Alleinveranstalter auftreten möchte, und eine, in der der Kandidat und die WFB als gemeinsame Veranstalter auftreten.

"Für Frank Minder kam nur Variante eins infrage", sagt Thomas Haug. Zwei Angebote hätte Minder trotzdem abgegeben: Das erste, in der er die Summe benannte, die er für die Miete der Halle zu zahlen bereit wäre; und ein zweites mit Angabe der Miete plus gegebenenfalls Beteiligung an Minders Gewinn aus der Veranstaltung, der allein aus dem Verkauf von Eintrittskarten und der Einnahme von Sponsorengeldern resultiere. Haug sieht bei diesem Angebot keine Risiken für die WFB. "Im schlimmsten Fall - wenn die BSM in die Insolvenz ginge - würde die Stadt keine Einnahmen haben." Nach eigener Aussage schloss Minder stets mit einem Plus ab.

Zwei Bieter haben ihre Unterlagen als Alleinveranstalter eingereicht, zwei als Mitveranstalter mit der WFB. "Aber wie will man Variante eins mit Variante zwei vergleichen?", fragt Thomas Haug. "Da werden Äpfel mit Birnen verglichen." Der Jurist vermutet, dass Mitbewerber bei ihrer Kalkulation andere Vorgaben kannten als die BSM. "Wenn man weiß, dass der Anteil am Gastronomieumsatz in der Bremen Arena mit in die Kasse des Veranstalters fließt, kann man das Showprogramm auch viel attraktiver gestalten", sagt Haug.

WFB ändert Finanzierungskonzept

Bislang, das bestätigt Schneider, war die WFB allein - und nicht etwa auch noch die BSM - prozentual am Umsatz beteiligt. Künftig, so das Konzept, würde der gleiche Anteil an Elko, BVE und WFB fließen. Da die WFB an dieser Gemeinschaft nur zu 25 Prozent beteiligt ist, würde sie auf 75 Prozent des Geldes verzichten. "Stimmt", sagt Schneider, "aber dafür ist die neue Gesellschaft auch an allen Kosten beteiligt." Zahlte die WFB, so Schneider, bisher allein beispielsweise für Hallenreinigung, Bühnenaufbau oder Sanitätereinsatz, würden künftig drei Viertel dieser Ausgaben von BVE und Elko getragen. Und ein Risiko habe die WFB auch bislang immer gehabt: "Auf Gedeih und Verderb waren wir auf die Einnahmen der Gastronomen angewiesen."

Transparenz, Gleichbehandlung und Diskriminierungsverbot: Auf diesen Grundsätzen fuße, so Thomas Haug, das europäische Vergaberecht. "Jeder Bieter muss wissen, was der andere auch weiß", sagt er und hegt Zweifel, dass das im Vergabeverfahren für die Sixdays so war. "Wir haben Bedenken hinsichtlich der Transparenz und der Gleichbehandlung." Ob die Bedenken berechtigt sind, wird die Vergabekammer spätestens am 4. März mitteilen.

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