Belastet Online-Shopping die Umwelt?

So umweltschädlich sind Bestellungen im Internet

Dinge im Internet zu bestellen, ist bequem. Online-Händler verweisen gerne auf eine Studie, die ihnen eine bessere Klimaverträglichkeit als dem stationären Handel bescheinigt. Doch was stimmt nun eigentlich?
17.10.2019, 07:02
Lesedauer: 3 Min
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So umweltschädlich sind Bestellungen im Internet
Von Kim Torster
So umweltschädlich sind Bestellungen im Internet

16 Prozent aller Pakete wurden im Jahr 2018 zurückgeschickt. Das heißt: 238 Tausend Tonnen CO2 wurden nur durch Retouren verursacht – das entspricht etwa dem CO2-Ausstoß von 1700 Flügen von Bremen nach Mallorca.

Tom Weller/dpa

Besonders vor Weihnachten, wenn wieder viele Menschen ihre Geschenke online bestellen, sei die Klimabilanz von Online-Shopping ein populäres Thema, sagt Moritz Mottschall, Ressourcen- und Mobilitätsexperte des privaten Umweltforschungsinstituts Öko-Institut. Denn nach wie vor finden sich im Internet dazu verschiedene Meinungen. Während Online-Händler gerne auf eine Studie verweisen, die ihnen eine bessere Klimaverträglichkeit bescheinigt als dem stationären Handel, behaupten Umweltschützer oft das Gegenteil. Aber was stimmt nun eigentlich?

Pauschal sei diese Frage schwierig zu beantworten, sagt Mottschall. Denn das sei häufig vom Einzelfall abhängig. Nach Berechnungen des Öko-Instituts verursacht eine herkömmliche Paketzustellung im Schnitt etwa 600 Gramm Treibhausgasemissionen. Der Besuch eines stationären Händlers fällt mit etwa 2400 Gramm CO2-Ausstoß dabei viermal so stark ins Gewicht. Berücksichtigt wird in dieser Rechnung unter anderem auch der hohe Stromverbrauch der Geschäfte, die ihre Waren etwa zehn Stunden täglich präsentieren müssen. Außerdem geht das Institut in diesem Beispiel von einer sechs Kilometer langen Anfahrt mit dem Auto aus.

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Dennoch sei dieses Beispiel nicht immer aussagekräftig, sagt Mottschall. So kann ein Besuch in der Innenstadt trotz Anfahrt mit dem Auto im Vergleich klimafreundlicher sein – beispielsweise wenn es mehrere Dinge von unterschiedlichen Händlern zu besorgen gilt. Wer gar nicht erst auf ein Auto angewiesen ist und stattdessen den öffentlichen Nahverkehr nutzt oder zu Fuß oder mit dem Fahrrad unterwegs ist, könnte mit einem herkömmlichen Shopping-Bummel ebenfalls weniger CO2 verursachen als mit einer Online-Bestellung.

Ein weiterer wichtiger Faktor in diesem Vergleich sind Retouren-Sendungen. Immer dann, wenn ein Paket zurückgeschickt wird, verursacht die Sendung das Doppelte an Treibhausgasen. Wie die Forschungsgruppe Retourenmanagement der Universität Bamberg herausfand, wurden 16 Prozent aller Pakete im Jahr 2018 zurückgeschickt. Das heißt: 238 Tausend Tonnen CO2 wurden nur durch Retouren verursacht – das entspricht etwa dem CO2-Ausstoß von 1700 Flügen von Bremen nach Mallorca. Vor allem Kleidung und Schuhe werden laut den Forschern besonders häufig zurückgeschickt: nämlich rund die Hälfte aller Bestellungen.

Rund vier Prozent der Retouren werden entsorgt

Hinzu kommt, dass nicht alle Retouren wieder verkauft werden. Die Forschungsgruppe der Universität Bamberg schätzt, dass etwa vier Prozent aller Retouren entsorgt werden. Von insgesamt 280 Millionen zurückgeschickten Paketen landen also elf Millionen im Müll. Der Grund: Eine Entsorgung der Artikel ist in vielen Fällen kostengünstiger, als diese zu prüfen, gegebenenfalls zu reinigen und neu zu verpacken.

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Ein Bericht des ZDF-Magazins Frontal 21 und der Wirtschaftswoche hatte 2018 für ­Aufsehen gesorgt, weil es darin hieß, vor allem Amazon würde „im großen Umfang Güter aller Art in deutschen Logistiklagern“ entsorgen. Interne Produktlisten, Fotos und Aussagen von Mitarbeitern stützen diese Annahme. Dabei handele es sich mitunter um voll funktionsfähige und teilweise neue Waren.

Am Ende mache es aus der Perspektive des Umweltschutzes erst einmal keinen allzu großen Unterschied, ob man online einkauft oder ins Geschäft gehe, sagt Mottschall vom Öko-Institut. So spiele in dieser Abwägung sicher außerdem eine Rolle, ob man stationären Handel grundsätzlich unterstützen möchte, um zu verhindern, dass die Innenstädte aussterben.

„Der Vergleich ist nicht die entscheidende Frage“, sagt Mottschall. Online-Handel sei nicht mehr wegzudenken und vor allem für ländlichere Gebiete eine wichtige Ergänzung. Im Vergleich zu anderen großen CO2-Produzenten sei der Anteil von Treibhausgasen durch Pakete ohnehin gering. „Trotzdem müssen wir Emissionen überall dort einsparen, wo es geht“, sagt Mottschall.

Möglichst alle Artikel in einem Paket verschicken lassen

Wer online bestellt, sollte deshalb darauf achten, dass alle Artikel möglichst in einem Paket verschickt werden. Retouren sollten am besten ganz vermieden werden. Viele Versender bieten zudem ökologische Versandarten an, die man mitunter beim Einkaufen hinzubuchen kann. Diese sind in der Regel langsamer, weil darauf geachtet wird, dass Fahrzeuge ausreichend ausgelastet werden. Im Umkehrschluss gilt: Expresssendungen produzieren meist mehr CO2. Einige Versender setzen zudem vermehrt auf Ausgleichszahlungen, indem sie Klimaprojekte unterstützen, die an anderer Stelle für weniger Treibhausgase sorgen.

Grundsätzlich rät Mottschall, den eigenen Konsum stärker zu hinterfragen. Besonders Shopping im Internet verleite häufig zu Impulskäufen. „Das umweltfreundlichste Produkt ist das, das man gar nicht erst kauft“, sagt Mottschall.

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