Raumfahrt Aus Bremen zum kalifornischen Raketen-Start-up SpaceX

Hans Königsmann war einer der ersten Mitarbeiter von SpaceX und hat das Unternehmen mit aufgebaut. Seine Karriere begann er aber in Bremen. Nun will er kürzer treten.
03.02.2021, 18:16
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Aus Bremen zum kalifornischen Raketen-Start-up SpaceX
Von Stefan Lakeband

Er war einer der ersten Mitarbeiter, den Elon Musk bei seinem Raumfahrtunternehmen eingestellt hat, nun zieht sich SpaceX-Vice-President Hans Königsmann zurück. Das wurde am gerade erst bekannt. Seine Karriere führte ihn bis nach Kalifornien, begonnen hat sie jedoch in Bremen.

Schon länger habe er über den Ruhestand nachgedacht, zitiert der US-Sender CNBC ein Schreiben von Königsmann. Nun sei es an der Zeit, seinen Posten abzugeben. Rund 18 Jahre war Königsmann für SpaceX tätig – er war Teil des Startteams bei allen SpaceX-Raketenstarts, Startchefingenieur und zuletzt verantwortlich für die Sicherheit von Raketenstarts und den Missionen.

Als er 2002 zu SpaceX kam, war längst noch nicht klar, wie sich die Raumfahrtfirma entwickeln wird. Es war ein Start-up mit vielen Ideen, das in der Branche jedoch belächelt und kaum als Konkurrenz wahrgenommen wurde.

Lesen Sie auch

Das erste Mal habe er Elon Musk am Rande eine Raketenstarts in der Mojave-Wüste getroffen, sagte Königsmann einmal in einem Interview. Einige Monate später habe sich Musk bei ihm gemeldet und gefragt, ob er Interesse an einem Job habe. „Wir haben das Bewerbungsgespräch in meinen Wohnzimmer geführt“, sagt Königsmann. Büros habe SpaceX damals noch nicht gehabt.

Bevor es Königsmann in die USA zog und er letztendlich bei einer der wichtigsten privaten Raumfahrtfirmen landete, sammelte er Erfahrungen in Bremen. Mitte der 90er-Jahre hat er am Zentrum für angewandte Raumfahrttechnologie und Mikrogravitation (Zarm) seine Dissertation geschrieben. Einer, der den deutschen Raumfahrtmanager noch aus dieser Zeit kennt, ist Holger Oelze. Er hat damals mit Königsmann zusammengearbeitet. 1989 kamen sie beide als wissenschaftliche Mitarbeiter ans Zarm und haben geholfen, es aufzubauen. Eines der ersten Projekte sei der Satellit Brem-Sat gewesen, den das Zarm zusammen mit der Uni Bremen und OHB entwickelt hat und der 1994 mit einem Space Shuttle ins All gebracht wurde.

Lesen Sie auch

In einem Interview verglich Königsmann seine Zeit beim Zarm mit den Anfängen bei SpaceX. „Es war ein Forschungsinstitut – junge Leute, wir hatten gutes Geld für große Projekte, wir machten neue Sachen. Es war eigentlich gar nicht so anders“, sagte er. Oelze überrascht das nicht. Beim Zarm habe auch Start-up-Stimmung geherrscht. Für viele, die damals angefangen hätten, sei die Stelle in Bremen die erster nach der Uni gewesen, viele seien ohne familiäre Bindung in die Stadt gekommen. „Der Umgang war sehr freundschaftlich. Auch privat haben wir viel unternommen“, sagt Oelze.

Noch heute steht Oelze, mittlerweile Chef der Zarm Technik AG, in Kontakt mit Königsmann. Immer wenn er in den USA sei und es passe, versuche er seinen ehemaligen Kollegen zu treffen. Was Oelze schon in seiner Zeit beim Zarm beobachtet habe: Königsmann sei jemand, der wenn nötig auch Aufgaben übernimmt, die gar nicht in seinen Bereich fallen. „So ein Verantwortungsbewusstsein braucht man wohl bei einem Start-up, wie es SpaceX mal war.“

Mit 57 Jahren zieht sich Königsmann nun zurück. Sein Nachfolger soll William Gerstenmaier werden, der früher bei der amerikanischen Raumfahrtbehörde Nasa gearbeitet hat. SpaceX will Königsmann weiter als technischer Berater zur Seite stehen.

Info

Zur Sache

SpaceX-Rakete explodiert bei Test

Das Raumfahrtunternehmen SpaceX hat bei seinem jüngsten Raketentest erneut einen Rückschlag erlitten. Wie schon im Dezember endete am Dienstag ein Testflug des neuen Starship-Raketenprototyps mit einer Explosion. Nach dem gelungenen Start schien zunächst alles nach Plan zu laufen. Doch wenige Minuten später – die Rakete hatte bereits die maximale Flughöhe von gut zwölf Kilometern erreicht – ging das unbemannte Starship wegen eines technischen Defekts in Flammen auf und stürzte in einem Feuerball zu Boden. Starship soll eines Tages Fracht und Menschen zum Mond und zum Mars befördern.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Einwilligung und Werberichtlinie

Ich erkläre mich damit einverstanden, dass die von mir angegebenen Daten dazu genutzt werden, regelmäßig per E-Mail redaktionelle Inhalte des WESER-KURIER seitens der Chefredaktion zu erhalten. Die Daten werden nicht an Dritte weitergegeben. Ich kann diese Einwilligung jederzeit formlos mit Wirkung für die Zukunft widerrufen, z.B. per E-Mail an widerruf@weser-kurier.de.
Weitere Informationen nach Art. 13 finden Sie unter https://www.weser-kurier.de/datenschutz

Schließen

Das Beste mit WK+