Digitalisierung des Bankgeschäfts Sparkasse Bremen will mehr Stadtteilfilialen

Die Sparkasse Bremen schließt das Jahr mit einem Gewinn ab. Doch die Digitalisierung erfordert von der Branche neue Konzepte. Etwa mehr Stadtteil-Filialen. In denen gibt es Beratung, aber kein Bargeld.
20.02.2018, 13:23
Lesedauer: 3 Min
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Sparkasse Bremen will mehr Stadtteilfilialen
Von Lisa Schröder

Tim Nesemann ist zufrieden. Die Sparkasse Bremen verzeichnet für das vergangene Jahr einen Gewinn von 34 Millionen Euro nach Steuern. Das entspricht einem Zuwachs gegenüber 2016 von 1,6 Millionen Euro. Damit hat der Vorstandsvorsitzende des Unternehmens noch vor einem Jahr nicht gerechnet. Die niedrigen Zinsen drückten die Erwartungen. „Wir haben damit ein beachtliches Ergebnis erwirtschaftet“, sagte Nesemann deshalb bei der Präsentation der Bilanzzahlen am Dienstag. Für das laufende Jahr erwartet Nesemann ein ähnliches Niveau: „Wir sind gut in das Jahr gestartet.“

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Die Sparkasse habe ihr Geschäftsvolumen im Privat- und Firmenkundenbereich weiter steigern können. „Dort sind wir schneller und erfolgreicher gewachsen.“ Das Wertpapiergeschäft, die Immobilienfinanzierung und das Firmenkundenkreditgeschäft trugen zur positiven Entwicklung bei. Aufgrund der guten Konjunkturlage seien Unternehmen gut ausgelastet und es habe wenig Kreditausfall gegeben. Deshalb sei die Risikovorsorge ausgeblieben.

Prozesse optimieren und Kosten sparen

Die Kernkapitalquote hat die Sparkasse nochmals gestärkt. In 2017 lag sie bei 11,9 Prozent (2016: 10,2 Prozent). „Wir haben damit die Voraussetzungen geschaffen, um den Kreditbedarf der Bremer Bevölkerung wie auch der mittelständischen regionalen Wirtschaft in Zeiten einer erodierenden Bremer Bankenlandschaft jederzeit abdecken zu können“, kommentierte Tim Nesemann. Der Zinsüberschuss, der sich aus der Differenz zwischen Zinsertrag und Zinsaufwendungen ergibt, sank dagegen gegenüber dem Vorjahr bereinigt um Einmalbeträge um rund 53 Millionen Euro. Das ist laut dem Vorstandschef eine Folge der anhaltenden Niedrigzinsphase. Die Entwicklung mache es notwendig, Prozesse zu optimieren und Kosten zu sparen.

Die Immobilienfinanzierung für Privatkunden lag im vergangenen Jahr bei einem Volumen von 723 Millionen Euro. Der Markt in Bremen sei dabei trotz der günstigen Finanzierungsmöglichkeiten derzeit limitiert: „Wir merken, dass mehr Bremer gerne ihre eigenen vier Wände errichten würden. Es fehlt aber an möglichen Flächen.“ Der hohen Nachfrage nach Immobilien stehe ein eingeschränktes Angebot vor Ort gegenüber. Davon profitiere das Umland.

Investitionen von 40 Millionen Euro

Die Sparkasse steht derweil vor einem großen Wandel. Das Filialnetz soll auf eine digitale und bargeldlose Zukunft ausgerichtet werden. In den nächsten Jahren will das Unternehmen rund 40 Millionen Euro dafür investieren. Bis zum Jahr 2021 sollen 15 sogenannte Stadtteilfilialen entstehen. In der Neustadt gibt es seit Dezember einen Standort nach diesem neuen Konzept: Wärme und Nähe soll der Ort ausstrahlen und persönliche Beratung bieten – auch zu den vermehrt digitalen Angeboten. „Die Stadtteilfilialen wollen wir als lokale Treffpunkte für die Menschen vor Ort im Stadtteil etablieren“, sagte Nesemann.

Die Erfahrungen am Standort in der Pappelstraße seien sehr positiv. Im Herbst sollen Stadtteilfilialen in Vegesack und Habenhausen entstehen, Anfang 2019 im Horner Mühlenviertel und schließlich in Schwachhausen, Hastedt, Lesum, Blumenthal und Walle. Die Sparkasse sei dabei in der paradoxen Situation, dass die Zahl ihrer Standorte zunächst etwas wachse – entgegen dem Trend in der Branche. Bargeld gibt es dagegen in der Stadtteilfiliale nicht. Das müsse vermittelt werden: Die Kunden seien darüber zunächst „sehr irritiert“. Ergänzt werden sollen Stadtteilfilialen durch Zweigstellen und SB-Standorte.

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Was die Strategie für die derzeit 1300 Mitarbeiter bedeutet? „Ich denke schon, dass wir 2025 noch über 1000 Mitarbeiter haben werden. Das kann man aber nicht sagen“, so Nesemann. Derzeit läuft ein Vorruhestandsprogramm. Die Sparkasse soll bis Ende 2019 demnach 1100 Beschäftigte haben. „Damit erkennt man schon, dass ein ganz deutlicher Teil von Arbeitsplätzen entfallen ist und entfallen wird.“

Privatkunden der Sparkasse müssen sich unterdessen auf veränderte Gebühren einstellen. Die Modelle sollen in diesem Jahr angepasst werden. Schon 2017 veränderte das Unternehmen seine Kontenmodelle für Firmenkunden. Im Einzelfall stiegen die Kosten deutlich. Was die Anpassung für die Privatkunden bedeutet? Nesemann gab dazu keine konkrete Aussage: „Ob die Gebühren steigen, weiß ich nicht.“ Im März sollen die Kunden angesprochen werden.

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