Selbst ist der Kunde

Pandemie beschleunigt Digitalisierung bei der Bremer Sparkasse

Schneller als gedacht: In Bremen werden einige Filialen der Sparkasse nicht mehr wie gewohnt öffnen. An den Standorten soll es dann keine persönliche Beratung mehr geben.
11.06.2020, 05:00
Lesedauer: 2 Min
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Pandemie beschleunigt Digitalisierung bei der Bremer Sparkasse
Von Lisa Boekhoff
Pandemie beschleunigt Digitalisierung bei der Bremer Sparkasse

Der Fokus liegt auf den Stadtteilfilialen. Derzeit ist ein solcher Standort am Brill aber nicht geplant. Die Sparkasse will zunächst abwarten, wie es hier weitergeht.

Frank Thomas Koch

Die Sparkasse Bremen erfindet sich neu. Der Umzug in den Technologiepark ist da ein ganz passendes Bild. Wie geplant soll es im Oktober auf den Campus gehen. „Ich habe mich oft selbst gefragt, ob das gelingt“, gestand Tim Nesemann. Doch es gebe keinerlei Zeitverzögerung. Der Vorstandschef der Sparkasse Bremen gab am Mittwoch angesichts der außergewöhnlichen Zeiten einen Zwischenstand.

Ganz im Gegenteil erlebt die Bank demnach wegen der Pandemie eine Beschleunigung der Neuerfindung. Ihre Strategie setzt schließlich stark auf Digitalisierung. Und die Entwicklung der vergangenen Wochen zeigt, dass die Reise dort rascher hingeht als gedacht. Bargeld spielte weniger eine Rolle. Dagegen stieg das kontaktlose Bezahlen seit Februar um mehr als 20 Prozent an. „Die Pandemie hat das digitale Zahlverhalten sehr schnell weiterentwickelt“, sagt der für die Privatkunden zuständige Vorstand Thomas Fürst.

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Der Druck ist da, das richtige Angebot zu liefern. Die Konkurrenz der Zukunft erwartet das Unternehmen längst nicht mehr nur in der Branche. „Digital müssen Sie mit allen Wettbewerbern standhalten“, kommentiert Fürst. Auch Check24 steige ins Bankgeschäft ein, und weitere neue Akteure folgten sicher.

Anspruchsvoll nennt Fürst deshalb die Strategie der Bank, denn diese sieht zugleich vor, persönlich zu sein. Die Sparkasse setzt dabei auf das Konzept Stadtteilfiliale. 30 Millionen Euro will sie investieren. „An diesen Plänen hat sich nichts geändert“, sagte der Vorstand. Im Stadtgebiet wolle man weiter in der Fläche bleiben. An sieben Standorten werden die Mitarbeiter nun aber schneller als sowieso geplant zurückgezogen: Filialen in Lüssum, Hammersbeck, Oslebshausen, Walle, Kattenturm, Hulsberg und Huchting werden nicht mehr öffnen. In den nächsten Wochen werden sie zu SB-Standorten umgebaut, an denen Kunden Geld abheben, Überweisungen tätigen oder Kontoauszüge ziehen können.

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Berater seien wie bisher per Mail oder Telefon erreichbar, persönlich zu sprechen aber in der nächsten Filiale. Fürst zufolge habe das Konzept bedacht, dass diese in einer Viertelstunde für die Kunden per Bus und Bahn erreichbar sei. Allerdings geht er davon aus, dass die Schließung der Filialen Kunden teils auch nicht recht sein wird. Es sei mit „einer kurzen Zeit der Verärgerung“ zu rechnen.

Einen Trend, ganz und gar nicht digital, konnte die Sparkasse in den vergangenen Wochen sehen: Der Bargeld-Bringdienst war so begehrt, dass die Sparkasse nun über die Zusammenarbeit mit Fahrradkurieren nachdenkt. In der Stadtteilfiliale in der Neustadt waren Mitarbeiter zeitweise alle mit der Vorbereitung der Pakete beschäftigt. Durch die Krise ist die Sparkasse bisher gut gekommen. „Die Rolle der Banken ist in so einer Phase natürlich besonders wichtig“, sagte Nesemann. Kurzarbeit? Nein, das sei kein Thema gewesen. Wie es mit dem Geschäft weitergeht?

In diesem Zusammenhang sprach der Sparkassenchef von einer „Blackbox“: Genaue Vorhersagen über wirtschaftliche Entwicklungen ließen sich nicht treffen. Insolvenzen und Arbeitslosigkeit belasteten in Zukunft auch die Sparkasse, weil es etwa Kreditausfälle gebe. Für dieses Jahr sei das noch nicht zu beobachten. Im Neugeschäft sei aber ein deutlicher Rückgang zu erwarten. Obwohl die Zeiten ungewiss sind: Die Sparkasse will trotz Corona mit rund 40 Ausbildungsplätzen sogar mehr als sonst anbieten. „Da stehen wir zu unserer Verantwortung“, sagte Tim Nesemann. Die Ausbildungsquote im Verhältnis zur Gesamtbelegschaft bei rund zehn Prozent. „Das ist schon ein Wort.“

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