Bremen im Ländervergleich vorne Sprunghafter Anstieg der Privatinsolvenzen

Am Ende des Jahres werden in Bremen mehr als doppelt so viele Menschen in die Privatinsolvenz gegangen sein als 2020. Auslöser für den Anstieg soll eine Gesetzesänderung sein.
08.12.2021, 18:25
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Sprunghafter Anstieg der Privatinsolvenzen
Von Lisa Schröder

Die Zahl der Verbraucherinsolvenzen ist in diesem Jahr bundesweit deutlich angestiegen – auch in Bremen. Das zeigt die vorläufige Auswertung der Wirtschaftsauskunftei Creditreform. Demnach wird es in Deutschland bis zum Ende des Jahres geschätzt knapp 81 Prozent mehr Privatinsolvenzen geben: 76.500 Fälle. In Bremen wird mehr als eine Verdopplung gegenüber dem Vorjahr erwartet. Hier sollen es schließlich etwa 1.400 Privatinsolvenzen sein.

Wie die Entwicklung zu erklären ist? Peter Dahlke sieht eine Gesetzesänderung als Ursache für den Anstieg. Denn Schuldner können so nach einer Schieflage schneller wieder einen Neuanfang finden: Die Restschuldbefreiung ist zum Jahreswechsel von sechs auf drei Jahre verkürzt worden. "Viele Verbraucher haben daher im letzten Jahr mit ihrem Insolvenzantrag gewartet, um in diesem Jahr in den Genuss einer verkürzten Wohlverhaltensperiode zu gelangen", kommentierte der Geschäftsführer von Creditreform Bremen die Zahlen.

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Bremen bleibt der Auswertung zufolge das Bundesland mit dem höchsten Anteil zahlungsunfähiger oder überschuldeter Unternehmen: mit rechnerisch 98 Insolvenzen je 10.000 Firmen. Experte Dahlke weist jedoch darauf hin, dass sich in einem Stadtstaat eben relativ viele Unternehmen ansiedelten. Das Gründungsgeschehen sei stärker ausgeprägt als in Bundesländern mit viel Fläche, aber es komme auch öfter zu Unternehmensschließungen. "In einer Großstadt wie Bremen gibt es viele neu gegründete Kleinstfirmen und Start-ups, die mitunter ebenso schnell auch wieder vom Markt verschwinden. Diese Dynamik fehlt in ländlichen Gebieten", sagte Dahlke. Ein weiterer Faktor sei die hier stärker vertretene Gastronomie, die für Insolvenzen anfälliger sei.

Niedersachsen befand sich Creditreform zufolge im Mittelfeld, hier waren zuletzt durchschnittlich 37 von 10.000 Unternehmen von einer Insolvenz betroffen. Bundesweit am besten schnitten bei Creditreform Brandenburg (28), Bayern (30) und Thüringen (31) ab.

Auch größere Unternehmen waren von einer Insolvenz betroffen. Creditreform nannte zum Beispiel Personaldienstleister wie den Gesamthafenbetriebsverein Bremen (GHBV) mit ehemals 1300 Beschäftigten oder die Verdener Firma Mondi mit in der Summe mehr als 2500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Vergleichsweise spektakulär sei zudem die Insolvenz der Bremer Greensill Bank AG gewesen. Die Firmeninsolvenzen gehen der Schätzung zufolge bis Ende des Jahres deutlich zurück: auf bundesweit 14.300 Fälle. Das sei der niedrigste Wert seit Einführung der Insolvenzordnung 1999.

Der jüngste Schuldneratlas von Creditreform zeigte unlängst, dass in Bremen 73.000 Menschen als überschuldet gelten. "Nur ein geringer Teil überschuldeter Personen, nämlich zwei Prozent, stellen einen Insolvenzantrag, um sich im Rahmen eines geordneten Verfahrens zu entschulden und am Ende eine Restschuldbefreiung zu erlangen", sagte Peter Dahlke. Trotz des Anstiegs bei den Privatinsolvenzen: Die finanzielle Situation von Verbrauchern habe sich in diesem Jahr insgesamt gebessert. Offensichtlich hätten "die immensen staatlichen Stützungs- und Hilfsmaßnahmen geholfen, die Wirtschaft zu stabilisieren und Unternehmen und Verbraucher vor einer befürchteten Zahlungsunfähigkeit zu bewahren".

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