Sommer, Sonne, Gründer Start-up „Gamebuddy“ gewinnt Gründer-Wettbewerb in Bremen

Bei der Bremer Start-up-Reihe „Geschüttelt, nicht gerührt“ setzte sich die Idee des ersten sozialen Netzwerks für Online-Spieler gegen drei weitere Start-ups durch.
02.06.2017, 23:11
Lesedauer: 3 Min
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Start-up „Gamebuddy“ gewinnt Gründer-Wettbewerb in Bremen
Von Lisa Schröder

Bei der Bremer Start-up-Reihe „Geschüttelt, nicht gerührt“ setzte sich die Idee des ersten sozialen Netzwerks für Online-Spieler gegen drei weitere Start-ups durch.

Die Liegestühle im White Pearl Beach Club füllen sich langsam. Draußen steht bereits eine Schlange vor dem Eingang. André Wollin begrüßt hier gleich 400 Gäste zu seiner Party. Die Start-up-Reihe „Geschüttelt, nicht gerührt“ ist seine Idee. An diesem Freitag gibt es bereits die zehnte Ausgabe. Das soll im Superlativ gefeiert werden. Zu nichts weniger als der größten Start-up-Veranstaltung Bremens hat Wollin an die Weser geladen. Der IT-Berater ist bereits jetzt begeistert von der Atmosphäre: „Ich denke in Bildern. So habe ich mir das immer vorgestellt.“

Obwohl die Veranstaltung das erste Mal Eintritt koste, kämen zur Feier mehr Menschen als jemals zuvor, sagt Wollin. „Das ist eine Anerkennung für das, was bisher passiert ist.“ Der Spaß stehe bei „Geschüttelt, nicht gerührt“ im Vordergrund. Damit trotz der Leichtigkeit hier am Sandstrand unter Palmen und Strohschirmen etwas vorangetrieben wird, hat jeder Besucher ein Namensschild samt Funktion: Entwickler-Nerd, Hipster-Designer oder Business-Kasper. Netzwerken? „Das klingt viel zu mechanisch.“ Wollin sieht die Dinge entspannt: „Wir schauen, was daraus wird.“

Zum ersten Mal mit Wettbewerb

Besonders ist bei der Feier, dass es zum ersten Mal einen Wettbewerb gibt. Vier Start-ups treten mit ihren Geschäftsmodellen gegeneinander an. Von Nervosität ist jedoch auch hier nichts zu spüren. „Wir sind ganz entspannt“, sagen die Brüder Denny und Tim Malingriaux aus Bremerhaven. Sie haben das Kartenspiel „Yooloo“ entwickelt. „Die Regeln sind ganz einfach, und man muss nicht drei Stunden die Anleitung lesen“, so die beiden. 10.000 Ausgaben sind bereits verkauft. Varianten gibt es in fünf Sprachen. Ziel sei schließlich der internationale Markt. Eine neue Idee ist bereits entstanden: das Trinkspiel „Yooloo Tower“.

Um Spiele geht es auch den drei Gesichtern hinter „Gamebuddy“. Denn Niklas Hatje, Cedric Deege und Julian Suttner sind selbst begeisterte Zocker. Die drei haben das erste soziale Netzwerk für Online-Spieler entwickelt. Die Nutzer können dort zu Partien zusammenfinden – je nach Interessen. Die Studenten der Medieninformatik in Bremen denken ebenfalls global: „Wir haben bereits jetzt Nutzer in den USA und Australien.“ Seit Februar gebe es 36.000 Anmeldungen für die App.

Von der Abobox für die Periode bis zum intelligenten Wohnraum-System

Lisa Urlbauer und Johannes Krohn sind dagegen auf eine ganze andere Idee gestoßen: Die Studenten der Politikwissenschaft wollen eine Abobox für die Zeit der Menstruation verkaufen. Hygieneartikel, aber auch Schokolade, Tee oder Grüße sollen in dieser Box für Frauen sein. Das Thema Periode solle durch ihr Start-up „Minoora“ enttabuisiert werden. „Das wird Zeit. Wir haben das 21. Jahrhundert. Wir wollen die Dinge beim Namen nennen“, sagt Krohn. Schon ihre Shirts setzen dort an: Die Worte „Uterus“ und „Periode“ sind darauf zu lesen.

Der jüngste Teilnehmer ist Marcel Hunfeld. Der 19-Jährige aus dem Emsland arbeitet seit Jahren bereits sehr engagiert an seinem Start-up „Roomautomatic“. „Eine Nachtschicht ist nichts.“ Zusammen mit seinem Bruder Daniel entwickelt er ein intelligentes System für Wohnräume. Bald schon soll das Gerät in Produktion gehen.

Wer sich gleich vorstellt, davon weiß Jurymitglied Lencke Steiner, FDP-Fraktionsvorsitzende, vor Beginn der Veranstaltung noch nichts. Doch klar ist bereits, was der Gewinner für sie haben sollte: Überzeugungskraft, langfristige Visionsstärke und ein stimmiges Geschäftsmodell. „Dann kann das klappen.“ Außerdem sei wichtig, dass das Team alle wesentlichen Aufgaben meistern könne. Das sieht Carsten Meyer-Heder ähnlich. Der Gründer und Chef des IT-Dienstleisters Neusta stimmt ebenfalls in der Jury ab. „Das Team ist entscheidend. In zwei Minuten kann ich sehen, ob es funktioniert.“ Sein Unternehmen ist Sponsor der Veranstaltung: Der Gewinner des Wettbewerbs bekommt ein halbes Jahr einen Arbeitsplatz bei Neusta. Meyer-Heder: „Dabei ist vor allem der Austausch mit dem Umfeld vor Ort und die Infrastruktur der Mehrwert.“

Lencke Steiner freut sich über den großen Zuspruch zur Feier am Weserstrand: „Ich habe das Gefühl, dass sich hier gerade ganz viel entwickelt und eine Szene entsteht. Ich hoffe, wir haben bald Gäste aus Berlin und Hamburg, die sehen, wie cool Bremen ist.“

André Wollin hat dazu schon die nächsten Bilder im Kopf. Bremen könne schließlich was auf die Beine stellen. Doch als er ganz allein auf der Bühne steht, erklingt „Something just like this“ von Coldplay aus den Boxen und Wollin scheint für den Moment zufrieden. Er schnappt sich schließlich das Mikro: „Yeah! Moin Bremen!“

Am Ende konnten sich die Entwickler von „Gamebuddy“ über den Sieg freuen.

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