Behörde: Spätestens ab heute dritte Spur Richtung Osnabrück Stau vor A1-Weserbrücke nervt Autofahrer

Bremen. 'Ich muss eine Stunde im Stau stehen. Und auf der Baustelle arbeiten nur drei Leute.' So oder so ähnlich ist in den vergangenen Tagen die Kritik von genervten Autofahrern ausgefallen, die auf der A1 unterwegs waren - und im Stau landeten, weil die Weserbrücke saniert wird.
15.04.2010, 05:00
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Von Elke Gundel

Bremen. 'Ich muss eine Stunde im Stau stehen. Und auf der Baustelle arbeiten nur drei Leute.' So oder so ähnlich ist in den vergangenen Tagen die Kritik von genervten Autofahrern ausgefallen, die auf der A1 unterwegs waren - und im Stau landeten, weil die Weserbrücke saniert wird. Martin Stellmann, Sprecher des Amts für Straßen und Verkehr (ASV), kann den Ärger verstehen. Doch er versichert: Auf der Baustelle werde nicht getrödelt.

Auch im Straßenbau, sagt Stellmann, ist kaum noch Handarbeit gefragt. 'Das meiste ist Maschinenarbeit.' Anders gesagt: Wenn nur drei Bauarbeiter zu sehen sind, bedeutet das nicht automatisch Zeitverschwendung. Derzeit würden auf der Weserbrücke Asphalt und Kunststoffabdichtung abgefräst. 'Die Arbeiten liegen voll im Zeitplan.'

Entspannung erwartet

Spätestens ab heute wird der Stau nördlich der Weserbrücke - er war in den vergangenen Tagen bis zu fünf Kilometer lang - schrumpfen, ist sich Stellmann sicher. Spätestens ab heute stehe die dritte Spur in Richtung Osnabrück zur Verfügung - bisher waren es nur zwei, so wie in Gegenrichtung. Stauanfällig seien außerdem die Auffahrten, erklärt Stellmann. Deshalb versuchten seine Kollegen, die Zahl der Fahrzeuge, die sich dort in den fließenden Verkehr auf der Autobahn einfädeln, gezielt zu steuern. 'Wir haben dazu Ampeln an der Anschluss-Stelle Arsten in Richtung Hamburg aufgestellt.' Die Ampeln zeigten drei Sekunden Grün und vier Sekunden Rot. Durch diesen extrem kurzen Takt könne immer nur ein Wagen passieren. Der erhoffte Effekt: Auf der Autobahn kommt kein Fahrzeug-Pulk an, für den es in dem dichten Verkehr keine entsprechend große Lücke gibt - sondern immer nur ein einzelner Wagen. 'Wenn sich das bewährt, wollen wir entsprechende Ampeln auch an der Anschluss-Stelle

Hemelingen aufstellen', sagt Stellmann. Darüber hinaus sei ab dem Bremer Kreuz für den Durchgangsverkehr Richtung Osnabrück als Umleitung die Route A27 - B6 - B75 - A28 und zurück auf die A1 ausgeschildert; jeweils mit der aktuell zu erwartenden Fahrzeit.

Eigentlich ist eine derartige Großbaustelle wie die auf der Weserbrücke ein Fall für die Sommerferien. Denn dann sind spürbar weniger Autos auf den Straßen unterwegs. Doch in den Sommerferien, sagt Stellmann, steht schon eine andere Großbaustelle auf einer Bremer Hauptverkehrsachse in Nord-Süd-Richtung an: 'Dann wird am Nord-West-Knoten gearbeitet.' Also mussten die Arbeiten auf der A1 vorgezogen werden.

Der Automobil-Club ADAC hätte sich gewünscht, dass die Sanierung der Weserbrücke in einem Rutsch vonstatten gegangen wäre - wie berichtet, ist das Bauwerk vergangenes Jahr nur in Fahrtrichtung Hamburg instandgesetzt worden. Nun ist die Gegenrichtung dran. Abgesehen davon bescheinigt Dirk Matthies, Mitarbeiter in der Verkehrsabteilung des ADAC, den Planern jedoch gute Arbeit: 'Das ASV hat dieses Mal das Maximale rausgeholt.' Bei einem Eingriff an einer derart hoch belasteten Verkehrsader seien Behinderungen und Staus nicht zu vermeiden.

In Höhe der Weserbrücke sind nach Stellmanns Worten auf der A1 täglich rund 110.000 Fahrzeuge unterwegs; der Lkw-Anteil liegt bei über 16 Prozent. Ähnlich stark belastet ist die Achse B6/B75. Über die Stephanibrücke rollen täglich etwa 100.000 Fahrzeuge (Zahlen aus 2005/2006), davon sind zirka neun Prozent Lastwagen. Nach Süden hin, nennt Stellmann weitere Zahlen, variiert die Verkehrsbelastung auf der Oldenburger Straße je nach den Zu- und Abfahrten: Auf Höhe der Brauerei Beck&Co seien täglich knapp 70.000 Fahrzeuge unterwegs, in Höhe Hohentor 86.000 und an der Landesgrenze 38.000.

Die Sanierung der Weserbrücke soll Ende Juni abgeschlossen sein. Bis dahin, schätzt Stellmann, könnte es hin und wieder so aussehen, als tue sich auf der Baustelle wenig. Zum Beispiel dann, wenn verbautes Material trocknen oder aushärten müsse. Ein Großteil der Arbeiten könne außerdem bei Feuchtigkeit - das umfasst auch Tau oder Nebel - nicht erledigt werden. Das verkleinere das Zeitfenster, das für mache Arbeitsschritte zur Verfügung stehe. Zumal die rund 530 Meter lange Baustelle direkt über der Weser beziehungsweise ihrem Überschwemmungsgebiet liegt.

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