Vor der Auftragsvergabe Kostenvoranschläge vergleichen / Festpreis verhindert Ärger um die Rechnung Streit mit Handwerkern vermeiden

Handwerker und Kundendienste sollen das Leben erleichtern, doch sorgen einige für viel Unmut beim Kunden. Häufig führen Nachlässigkeiten, nicht eingehaltene Termine oder das Überschreiten der vereinbarten Kosten zu Konflikten. Die Verbraucherzentrale gibt Tipps, wie sich bereits vor der Auftragsvergabe Ärger vermeiden lässt.
31.07.2012, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Tim Martens

Handwerker und Kundendienste sollen das Leben erleichtern, doch sorgen einige für viel Unmut beim Kunden. Häufig führen Nachlässigkeiten, nicht eingehaltene Termine oder das Überschreiten der vereinbarten Kosten zu Konflikten. Die Verbraucherzentrale gibt Tipps, wie sich bereits vor der Auftragsvergabe Ärger vermeiden lässt.

Bremen. Bei der Auswahl des richtigen Handwerkers empfiehlt es sich, neben den Preisen auch die Qualifikationen und Referenzen der Handwerksbetriebe zu vergleichen. Ein mögliches Indiz für Qualität kann die Kennzeichnung als Meisterbetrieb sein. Kann, muss aber nicht. "Auch in Meisterbetrieben kann es zu Pfuscherei kommen", weiß Lovis Wambach, Jurist bei der Verbraucherzentrale Bremen. Er rät deshalb bei größeren Projekten wie etwa Wintergärten oder Garagen, sich vorab Referenzobjekte zeigen zu lassen.

Um die Stundensätze und Materialpreise mehrerer Firmen vergleichen zu können, sei ein Kostenvoranschlag hilfreich. Dieser sei grundsätzlich kostenfrei, erklärt der Rechtsanwalt. Nur wenn es vorher ausdrücklich vereinbart wurde, dürfe die Kalkulation in Rechnung gestellt werden.

Bemerkt der Handwerker während der Arbeit, dass die tatsächlichen Kosten deutlich höher sind als im Kostenvoranschlag vorgesehen, dann muss er das dem Auftraggeber unverzüglich mitteilen. Liegen die Kosten 10 bis 15 Prozent über Plan, kann der Kunde entscheiden, ob er den Handwerker weiter beschäftigt oder den Vertrag auflöst und lediglich die bisher geleisteten Arbeiten bezahlt, erklärt der Jurist der Verbraucherzentrale.

Aufschlag nur mit Einverständnis

Um sich vor ungeplant hohen Kosten zu schützen, könne vorab ein Festpreis vereinbart werden. Dieser dürfe nicht überschritten werden.Wichtig dabei sei, die geplanten Arbeiten komplett und detailliert aufzulisten, damit hinterher nicht doch noch zusätzliche Kosten entstehen. "Nur wenn der Handwerker vorher nicht sehen konnte, dass die Arbeit mehr kostet, kann er nach Absprache mehr verlangen", sagt Wambach.

Christian Flathmann, stellvertretender Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Bremen sieht auch die Auftraggeber in der Pflicht. Die müssten genau sagen, was sie vom Handwerker erwarten. "Davon auszugehen, dass der andere schon weiß, was man will, führt oft zu Problemen und Missverständnissen", sagt Flathmann. Der Kunde müsse aktiv werden, indem er beispielsweise hinterfragt, wieso und worin sich Angebote unterscheiden.

Neben Missverständnissen sorgen auch nicht eingehaltene Termine häufig für Ärger. Besonders, wenn sich der Kunde extra freigenommen hat oder sich Folgearbeiten verzögern. Ist die Verspätung auf das Verhalten des Handwerkers zurückzuführen, kann der Auftraggeber in diesem Fall Schadenersatz fordern, indem er etwa entfallennen Lohn in Rechnung stellt, der ihm durch das Warten auf den Handwerker entstanden ist. Das gilt laut Wambach auch für Kosten, die andere Handwerker beim Kunden geltend machen, weil sie wegen der Verspätung erst später anfangen oder ihre Arbeiten nicht fortsetzen können.

Keinen Anspruch hat der Kunde, wenn der Handwerker aufgrund von schwerer Krankheit oder fehlenden Vorarbeiten nicht beginnen kann. Die Verbraucherzentrale rät daher, sich mit Vertragsstrafen vor solchen Unannehmlichkeiten zu schützen. Dazu vereinbaren Kunde und Handwerker eine Summe, die im Falle einer Verspätung an den Kunden gezahlt werden muss. Diese Strafe werde vorab im Angebot festgehalten und sei Verhandlungssache, so Wambach.

Nach beendeter Arbeit muss der Kunde prüfen, ob alles zufriedenstellend erledigt wurde. Erst wenn alles in Ordnung ist, sollte die Rechnung komplett bezahlt werden. Bestehende Mängel sollten fotografiert und schriftlich festgehalten werden. Wurde bei der Auftragsarbeit geschlampt, können Kunden einen Teil des fälligen Rechnungsbetrags bis zur Beseitigung der Mängel einbehalten. Die Summe hängt von den Reparaturkosten ab. Zur Sicherheit könne der Kunde die doppelte Summe, die für die Nachbesserungen fällig wären, einbehalten, sagt der Anwalt. Bei größeren Aufträgen sei es ratsam, einen Fachmann zur Beurteilung heranzuziehen. Beseitigt die Firma die Mängel nicht oder hält sie eine gesetzte Frist nicht ein, kann ein anderes Unternehmen damit beauftragt werden. Die Kosten dafür trägt der ursprüngliche Handwerksbetrieb.

Der Fiskus kann an den Handwerkskosten beteiligt werden. Bis zu 20 Prozent des Arbeitslohns – maximal 1200 Euro – sind bei der Einkommenssteuererklärung absetzbar. Wichtig ist, die Rechnung per Überweisung zu bezahlen. Barzahlungen werden nicht anerkannt, sagt Wambach. Für das Finanzamt brauche man die Kopien der Rechnung und des Kontoauszugs.

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