Bremer Krankenkassen

Strenger Winter schuld an häufigeren Krankschreibungen

Bremen. Im ersten Quartal 2010 haben sich mehr Arbeitnehmer krank schreiben lassen als im Vorjahrsquartal. Auch in Bremen ist dies der Fall, Kassenvertreter sehen dafür allerdings andere Gründe als Arbeitsmarktexperten.
28.04.2010, 11:04
Lesedauer: 2 Min
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Strenger Winter schuld an häufigeren Krankschreibungen
Von Iris Hetscher
Strenger Winter schuld an häufigeren Krankschreibungen

In den vergangenen Monaten haben sich mehr Menschen krankschreiben lassen - wegen des strengen Winters, so die Bremer Ka

dpa

Bremen. Im ersten Quartal 2010 haben sich mehr Arbeitnehmer krank schreiben lassen als im Vorjahrsquartal. Auch in Bremen ist dies der Fall, Kassenvertreter sehen dafür allerdings andere Gründe als Arbeitsmarktexperten.

Laut einer Statistik der Bundesgesundheitsministeriums sollen Arbeitnehmer im ersten Quartal 2010 durchschnittlich 3,66 Prozent der Sollarbeitszeit gefehlt haben, weil sie krank geschrieben waren. Das entspricht 2,1 Arbeitstagen und ist ein Anstieg um zwölf Prozent gegenüber den ersten drei Monaten des Jahres 2009. Frauen meldeten sich dabei häufiger ab als Männer. Die Statistik bezieht sich dabei auf alle gesetzlich versicherten Arbeitnehmer.

Auch in Bremen sind die Zahlen angestiegen, bewegen sich aber im Bundestrend, wie eine nicht-repräsentative Umfrage unter einigen Kassen ergab. Bei der hkk hat sich Quote laut Sprecher Holm Ay von 3,14 auf 3,55 Prozent erhöht, bei der AOK von 4,15 Prozent (2009) aus 4,52 Prozent (2010). Die Zahl der Krankschreibungen kletterte bei der AOK bundesweit im vergangenen Jahr von 4,6 auf 4,87 Prozent. Bei hkk und AOK sind die meisten Bremer versichert.

Das AOK-eigene "Wissenschaftliche Institut" (Wido) macht für die gestiegenen Zahlen die Grippewelle zu Beginn und Ende des Jahres 2009 verantwortlich. Damit modifiziert das Wido die Erklärung von Arbeitsmarktexperten. "Der Anstieg des Krankenstandes wäre ohne die beiden Grippewellen wesentlich moderater ausgefallen", erklärt Helmut Schröder, stellvertretender Geschäftsführer des Wido. Jörn Hons, Pressesprecher der AOK Bremen/Bremerhaven, begründet die gestiegenen Zahlen des ersten Quartals ähnlich: "Der lange Winter hat Spuren hinterlassen."

Aus Wirtschaftskreisen hatte es in den vergangenen Tagen geheißen, die verbesserten Konjunkturaussichten seien schuld an den gestiegenen Krankheitsfällen - die Deutschen trauten sich wieder, zu Hause zu bleiben, weil sie ihren Arbeitsplatz als sicher einschätzen. Der Umkehrschluss: In Krisenzeiten schleppe man sich eher mit einer beginnenden Grippe ins Büro als in Boomzeiten.

Der Interpretation der AOK schließt sich dagegen auch der Bremer Verband der Ersatzkassen (VdEK) an. Die Zahlen für die versicherten Arbeitnehmer der Ersatzkassen liegen "etwas niedriger als der Bundestrend", so Sprecherin Christiane Sudeck. "Der Winter war lang, die Infektionsrate entsprechend, auch die Zahl der Knochenbrüche wegen des Glatteises hat stark zugenommen", erkärt Sudeck.

Das zeige der genaue Blick auf die einzelnen Monate: "Zu Beginn des Jahres waren die Zahlen hoch, jetzt sind sie schon wieder zurückgegangen." Dies hat auch ihr Kollege Hons von der AOK beobachtet: "Die aktuelle Lage ist schon wieder viel entspannter". Er hält die These, Arbeitnehmer meldeten sich wegen der verbesserten wirtschaftlichen Lage wieder häufiger krank, für "Spekulation".

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