Raumfahrtspezialisten

Strukturelemente made in Berne

Aluminiumhersteller Aljo aus Berne ist regelmäßig an den großen Bremer Raumfahrtprojekten beteiligt. Unter anderem fertigt das Unternehmen die Strukturen für die Galileo-Satelliten.
28.09.2018, 18:24
Lesedauer: 3 Min
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Strukturelemente made in Berne
Von Peter Hanuschke
Strukturelemente made in Berne

Aljo liefert unter anderem für die aktuelle Ariane 5 Strukturteile.

CNES

Berne/Bremen. Geht es um Bremer Raumfahrtprodukte, dann ist daran mit ziemlicher Sicherheit auch Aljo aus Berne beteiligt. Das von Gerhard Jonuscheit 1970 gegründete Unternehmen bekam 1976 seinen ersten Auftrag aus der Raumfahrtindustrie: Es ging um die Fertigung von Raumfahrttechnik-Modellen für die deutsche Spacelab-Mission. Das war auch gleichzeitig der Auftakt für die Gründung des Geschäftsbereiches Aerospace. Bis dahin war der Aluminiumspezialist vornehmlich in der Jachtausrüstung tätig.

In beiden Geschäftsfeldern ging es bis heute kontinuierlich weiter. 2004 erweiterte Aljo sein Portfolio und gründete auch noch den Geschäftsbereich Automotive. Bereits 1978 kamen die Bereiche „Graue Marine“ und 1989 System-Möbelbau dazu. Gemeinsam haben alle Sparten, dass in den verschiedensten Ausführungen Aluminium zum Einsatz kommt. Aljo hat mittlerweile 350 Beschäftigte. Seit 1999 ist Ulf Jonuscheit Geschäftsführer, aber durch den Generationenwechsel hat sich an der Ausrichtung des Unternehmens nichts geändert: Es geht darum, kundenspezifische, innovative und hochwertige Aluminiumverarbeitung anzubieten.

Was die Aufträge für die Raumfahrt angeht, tauchen im Grunde genommen all die Projekte auf, die in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten Bremen zum führenden Raumfahrtstandort in Europa gemacht haben. So war Aljo unter anderem an allen Ariane-Trägerraketen beteiligt und hat Strukturteile geliefert. Aber auch außerhalb Europas wurde auf die Experten von Aljo gesetzt: 1998 fertigte das Unternehmen aus Berne die spezielle Nutzlastplattform „keel yoke“ für das US-amerikanische Spaceshuttle.

Und auch an den aktuellen Projekten der großen Raumfahrtkonzerne Airbus und OHB, die ganz oder zu einem Großteil in Bremen umgesetzt werden, ist Aljo beteiligt: „Wir bauen beispielsweise die kompletten Satellitenstrukturen für die Galileo-Reihe, die bei OHB gefertigt wird“, sagt Andreas Cordes, Leiter der Abteilung Aeropsace bei Aljo. Das Besondere daran sei die Leichtbauweise aus speziellen Aluminium-Sandwich-Platten. „Das bedarf einer sehr filigranen Arbeit. Da ist man weit weg von dem, wie man sonst herkömmlich Aluminium behandelt.“ Auch beim aktuellen Ariane-6-Projekt – die Oberstufe der Trägerraketen wird wieder in Bremen entwickelt und gebaut – liefert Aljo Strukturelemente, Bauteile und Baugruppen. Das gilt auch für die US-amerikanische Raumkapsel Orion, für die bei Airbus Defence and Space in Bremen das sogenannte Europäische Servicemodul gefertigt wird, das unter anderem für Antrieb, Stromerzeugung sowie Temperaturregelung verantwortlich ist.

Aljo bekommt aber nicht nur einfach den Auftrag, das Unternehmen wird auch häufig bereits in die Vorentwicklung miteinbezogen. „Das bezieht sich auf die Design-to-cost-Phase“, sagt Cordes. „Wir werden nun nicht bei der Designentwicklung hinzugezogen, aber im Vorfeld geben wir Input darüber, welches Material eingesetzt und wie das kostengünstig umgesetzt werden kann.“

Was den Bereich Raumfahrt so besonders einzigartig mache, seien die hohen Qualitätsanforderungen, die erfüllt werden müssten, sagt Miriam Rudnitzki, die neben Ulf Jonuscheit das Unternehmen leitet. „Wer in der Raumfahrtindustrie und Luftfahrtindustrie tätig sein will, der muss die europäische Norm Iso 9100 in der Version 2016 erfüllen.“ Das sei einfach noch anspruchsvoller als die Prüfungsnorm Iso 9001 (2015), die die Basis für den gesamten Geschäftsbereich sei. Hinzu kämen die regelmäßigen Kunden-Audits, bei denen der Auftraggeber Prozesse, Anforderungen und Richtlinien prüfe, ob die geforderten Standards eingehalten werden.

Das sei auf der einen Seite ein ziemlicher Aufwand, aber auch richtig so, schließlich gehe es im Rahmen dieser Qualitätsansprüche um Sicherheit und Zuverlässigkeit, sagt die Geschäftsführerin. Auf der anderen Seite würden diese hohen Marktbarrieren auch dafür sorgen, dass nicht jedes Unternehmen mal eben Zulieferer werden könne, was letztlich auch einen gewissen Marktschutz darstelle. „Die erforderliche Iso-Norm zu erhalten, ist nicht so einfach und ein fortlaufender Prozess, weil auch noch jeder Fertigungsschritt jeweils die Zulassungen erhalten muss.“ Aber das garantiere auch, dass alle Zulieferer der Luft- und Raumfahrt professionell auf dem geforderten hohen Niveau arbeiten.

Und noch etwas mache den Eintritt in diese Branche nicht einfach: „Man muss als Unternehmen von der finanziellen Seite her schon sehr solide aufgestellt sein“, sagt Miriam Rudnitzki. Das liege an den Zahlungsbedingungen, die in der Luft- und Raumfahrtbranche üblich seien. „Da muss man schon drei Monate in die Vorfinanzierung gehen können.“

Den Internationalen Raumfahrtkongress in Bremen werde das Unternehmen auf jeden Fall nutzen. „So ein geballtes Branchentreffen gibt es nur auf dieser Veranstaltung und das ist natürlich ideal für die Kontaktpflege und den Aufbau neuer Geschäftsbeziehungen“, sagt die Aljo-Geschäftsführerin.

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