Vieles landet in der falschen Tonne - auch in Bremen

Menge an Restmüll hat sich halbiert

In Deutschland fällt weniger Abfall an als noch vor 35 Jahren – doch vieles landet in der falschen Tonne. Das zeigt die erste bundesweite Restmüllstudie seit 1985.
29.07.2020, 05:00
Lesedauer: 4 Min
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Menge an Restmüll hat sich halbiert
Von Elena Matera
Menge an Restmüll hat sich halbiert

Vieles, was in den Restmüll geworfen wird, gehört eigentlich in die Biotonne.

Bernd Weissbrod/DPA

Reichlich Biomüll, aber auch Papier, Glas, Plastik und immer wieder Batterien: In deutschen Restmüll-Tonnen landet viel, was anders entsorgt werden müsste. Fast 40 Prozent des Gewichts sind Bioabfälle, die auf den Kompost oder in die Biotonne gehören, wie das Umweltbundesamt ermittelt hat. Gut ein Viertel sind Wertstoffe, die recycelt werden sollten. Dazu kommen 0,5 Prozent „Problemfälle“ wie Batterien, Lack oder Energiesparlampen, die Schadstoffe enthalten.

Tatsächlicher Restabfall – wie Windeln, Staubsaugerbeutel, Kippen oder Kehricht – macht nur ein Drittel des Restmüll-Gewichts aus. Um das herauszufinden, haben Helfer im Auftrag des Umweltbundesamts (UBA) seit 2018 per Hand 504 Stichproben sortiert, das entsprach dem Inhalt von mehr als 2800 Mülltonnen. Und zwar nicht einfach aus Neugierde, sondern um herauszufinden, wie sich Mülltrennung und -vermeidung in Deutschland noch verbessern lassen.

Es war die erste bundesweite Restmüll-Analyse seit 1985, und aus Umweltsicht gibt es eine gute Nachricht: Heute fällt nur noch fast halb so viel Restmüll pro Einwohner und Jahr an, die Menge sank von 239 auf 128 Kilogramm. Vor allem Altpapier, Altglas, Metalle und Kunststoffe landen seltener in der Restmüll-Tonne als damals, hier gibt es Rückgänge von bis zu 80 Prozent. Bei der Gesamtmenge des Abfalls seien die Deutschen aber nicht besser geworden, sagte Bettina Rechenberg vom Umweltbundesamt, da sei noch viel zu tun. Das Gesamtabfallaufkommen steigt Jahr für Jahr. Das zeigen aktuelle Zahlen des Statistischen Bundesamts. Demnach sind in Deutschland im Jahr 2018 gut 417 Millionen Kilogramm Abfall angefallen.

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Ergebnisse seien ein Erfolg

Umwelt-Staatssekretär Jochen Flasbarth sprach bei der Vorstellung der Ergebnisse am Dienstag deshalb von einer „Erfolgsgeschichte“, mahnte aber auch: Ziel müsse sein, alles, was sich wiederverwerten lasse, auch zu recyceln. „Wir trennen gut, aber eben nicht sehr gut.“ Bei der Untersuchung fielen Unterschiede zwischen ländlichen, kleinstädtischen und städtischen Hausmüll-Tonnen auf: In Kleinstädten und Vororten ist die Hausmüll-Menge mit 110,5 Kilo pro Einwohner und Jahr demnach am geringsten, auf dem Land sind es 124,5 Kilo und in der Stadt mit 151,1 Kilo am meisten.

Mit Blick auf die Art der Häuser zeige sich, dass „mit zunehmender Bebauungsdichte die Gesamthausmüllmenge und auch der Wertstoffeintrag in die Restmüll-Tonne zunehmen“, heißt es in der Untersuchung. „Das Ergebnis der Studie des Umweltbundesamts sehen wir sehr positiv“, sagt Lena Endelmann, Sprecherin der Bremer Stadtreinigung. „Es findet ein Wandel im Denken der Bevölkerung statt. Immer mehr Menschen legen Wert auf Mülltrennung.“ Dennoch landeten auch in Bremen oft Abfälle, etwa Biomüll, in der Restmüll-Tonne, obwohl sie dort nicht reingehörten, betont Endelmann.

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Ein Grund hierfür sei, dass viele Bremer nicht wüssten, dass die Biotonne gebührenfrei sei. Allerdings dürfe auch nur der Eigentümer der Immobilie die Tonne bestellen. „Das machen wiederum viele nicht“, sagt Endelmann. In Bremen gebe es zudem das Problem, dass es in einigen Häusern keine Stellplätze für mehrere Tonnen gebe. Warum die Bremer den Restmüll nicht gut genug trennen würden?

„Das liegt zu 70 Prozent an mangelnder Aufklärung und zu 30 Prozent an Faulheit“, sagt Endelmann. „Wir müssen daher noch viel stärker in die Aufklärung gehen.“ Das Ziel sei letztendlich die Abfallvermeidung – eines der größten Themen, dem die Bremer Stadtreinigung nachgehe. „Die Studie zeigt, dass es in die richtige Richtung geht“, so Endelmann. „Wir hoffen, dass es so weitergeht.“

Zu häufig landen Plastikabfälle in der Biotonne

Auch die Umweltbehörden setzen auf bessere Informationen und Appelle an die Verbraucher und Hauseigentümer – aber nicht nur. Flasbarth nahm vor allem die Biotonnen in den Blick: Da gebe es mengenmäßig das „allergrößte Potenzial“, Biomüll gehöre in Biogas- und Kompostieranlagen. Seit 2015 sei zwar die getrennte Sammlung vorgeschrieben, nicht aber die Biotonnen in den Haushalten. Manche Kommunen böten auch zentrale Sammelstellen an, das sei offenkundig nicht ausreichend etwa fürs Entsorgen von Küchenabfällen.

Um das zu verbessern, sei man mit dem Verband kommunaler Unternehmen (VKU) im Gespräch, sagte Flasbarth. Die Dichte an Biotonnen müsse erhöht werden und man müsse sehen, ob es rechtliche Schritte brauche. Für Rechenberg ist die Sache klar: Das UBA ist für eine bundesweite Biotonnen-Pflicht. Bei der Ausstattung mit Biotonnen gebe es ein „gewisses Nord-Süd-Gefälle“, sagte sie.

Der VKU wies in seiner Stellungnahme auch darauf hin, dass zu viele Fremdstoffe wie Plastikabfälle in der Biotonne landeten, die die weitere Verwertung „schwer bis unmöglich“ machten. Auch die Entsorgung anderer Dinge, die nicht in den Restmüll gehören, sollte den Bürgern aus UBA-Sicht erleichtert werden. In mehr als drei von fünf Proben wurden Batterien und Akkus gefunden. Die Behörde fordert deswegen, Sammelsysteme – wie gekennzeichnete Boxen in Supermärkten – auszubauen ebenso wie Sammel- und Rücknahmeangebote für Elektrokleingeräte und Energiesparlampen.

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