Suche nach Gemeinschaft

Nachfrage nach Co-Working in Bremen steigt

In Bremen sind in den vergangenen Jahren viele Gemeinschaftsbüros entstanden. Wie sich das Co-Working verändert hat, und warum es gerade jetzt wichtig ist.
03.11.2020, 14:22
Lesedauer: 4 Min
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Nachfrage nach Co-Working in Bremen steigt
Von Lisa Boekhoff
Nachfrage nach Co-Working in Bremen steigt

Rent24 ist ein internationaler Anbieter von Arbeitsplätzen in Gemeinschaft und hat seit fast drei Jahren einen Standort in der Bremer Innenstadt.

Frank Thomas Koch

Internet mit Highspeed, Netzwerken und Popcorn. Damit lockt der Co-Working-Anbieter Rent24 in seine Räume in der Martinistraße. Doch in diesen Zeiten muss das Popcorn wegfallen, und das Netzwerken geht nur mit Abstand. Corona verändert eben auch die Atmosphäre in den Gemeinschaftsbüros. Gerade zu Beginn der Pandemie sei wenig los gewesen, erinnert sich Standortleiterin Maria Oborski, weil die Menschen lieber zu Hause blieben. „Das war schon sehr leise und ein bisschen unheimlich.“

Von Lebendigkeit, Begegnungen oder gar Zusammenarbeit lebt Co-Working aber eigentlich. Im Rent24 gibt es, wie Bilder zeigen, Sofaecken und einen Kicker. Die Räume sind auf Austausch angelegt. Nun stünden zwischen den Co-Working-Plätzen zum Schutz Plexiglasscheiben, sagt Maria Oborski, Pfeile auf dem Boden lenkten den Weg. Doch trotz der Einschnitte kommt mancher gerade jetzt hierher, um die eigenen vier Wände zu verlassen und Menschen zu treffen. Studenten hätten etwa vor Ort gelernt und gearbeitet – und waren so nicht allein.

Weserwork hat die Suche nach Gemeinschaft ebenfalls gespürt. Geschäftsführer Bernhard Havermann rechnete eigentlich mit stärkeren Einbußen wegen der Pandemie. Corona traf teils gerade Freiberufler besonders. Doch am Ende gab es mehr Neuanfragen als Kündigungen. „Viele wollen aus der Isolation des Homeoffice rauskommen“, sagt Havermann, es gebe eine klare Aufwärtsbewegung.

Das gilt seit ein paar Jahren genauso für das Angebot. In Bremen entstanden viele Co-Working-Spaces. Havermann gehörte 2014 zu den Ersten und brachte die Idee aus Berlin mit. Damals sei das Geschäft zäh gewesen, Co-Working noch nicht allen bekannt. Die Sache habe dann aber an Dynamik gewonnen. Dieser Trend werde sich fortsetzen und verstetigen, meint Havermann. Corona sei dabei zwar keine epochale Veränderung für das Geschäft, doch beschleunige den Trend.

Insgesamt hat sich die Zahl der Co-Working-Spaces in Deutschland seit 2018 vervierfacht: auf rund 1300. Das zeigt eine Markterhebung des Bundesverbands Coworking Spaces. „Damit haben sich die zwischenzeitlichen Befürchtungen, die Branche werde durch die Corona-Pandemie leiden und die Zahl der Spaces einbrechen, nicht bestätigt“, teilte der Verband dazu im Sommer mit. Zwar habe es vereinzelt Schließungen gegeben, doch das habe auf den allgemeinen Trend nur geringe Auswirkungen. Das Wachstum halte an.

Neueröffnung in der Vahr

Jane und Kim Kortlepel glauben ebenfalls an das Konzept. Mitten in der Pandemie haben Mutter und Tochter gemeinsam ein Co-Work-Büro in der Vahr aufgemacht. Business-2-Friends heißt es. Kim Kortlepel arbeitet immer wieder in London und fand die Gemeinschaftsbüros dort toll. Ihre Mutter Jane Kortlepel hatte die Immobilie, um die Idee in Bremen gemeinsam umzusetzen.

Co-Working sei eine schöne Abwechslung vom Homeoffice – ohne das typische Bürogefühl. „Und man kann trotzdem ganz ungestört arbeiten“, sagt Kim Kortlepel. Der Tapetenwechsel sei auch gut, um sich neu zu motivieren. Außerdem, findet ihre Mutter, sei man nicht so alleine, könne Menschen treffen und mal über was anderes sprechen: „Das ist gerade in dieser Zeit ein wichtiger Aspekt.“ Den beiden Frauen ist, wie der Name Business-2-Friends schon sagt, die persönliche Note wichtig. Und eine gehobene Ausstattung. Für Design sind die beiden schließlich Expertinnen: Gleich nebenan geht es um ihre Modeschmuckfirma.

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Anders als die Konkurrenz mussten Jane und Kim Kortlepel Hygienekonzepte von Anfang an mitdenken. Das Büro funktioniere aber sehr gut und die Mieter kämen regelmäßig. Nur die Eröffnungsfeier im Oktober fiel dann doch aus. „Es ist total flexibel bei uns“, sagt Tochter Kortlepel über das Angebot. Selbst für nur einen Tag könnten die Vermieter einen Platz beziehen. Wie es ohne Corona gewesen wäre? Das sei natürlich schwer zu beantworten. Klar habe man sich den ein oder anderen längerfristigen Vertrag gewünscht, sagt Jane Kortlepel. „Aber ich glaube, da ist immer im Hinterkopf, dass man nicht weiß, was morgen ist.“

Christian Hesse leitet den Standort von Spaces in Bremen im Ansgarihaus. Die Auswirkungen von Corona seien schon zu spüren gewesen – gerade in der ersten Phase des Lockdowns. Das könne sich womöglich jetzt wiederholen mit erneut weniger Anfragen. Im Sommer aber sei soweit „business as usual“ gewesen und ebenfalls mehr Nachfrage nach Co-Working-Arbeitsplätzen.

Schwere Zeiten für den Trend

Büroräume seien dagegen weniger gefragt. Von wem werden die eigentlich genutzt? Querbeet, antwortet Hesse, vom Freiberufler über den Mittelständler bis hin zum Konzern. Manche Mieter entschieden sich für das Co-Working-Büro-Haus wegen der Flexibilität. Spaces gehört zur International Workplace Group. Die betreibt unter den Marken Regus, HQ und Signature drei weitere Standorte im Technologiepark, beim Flughafen und im City Gate.

Trotz der Nachfrage nach Co-Working-Plätzen verzeichnet Weserwork deutliche Umsatzeinbußen. Denn der Inklusionsbetrieb bietet zugleich Konferenzräume an. Dieses Konferenzgeschäft aber sei zwischenzeitlich fast komplett zum Erliegen gekommen, sagt Havermann. Das alte Niveau sei teils wieder in Sicht gewesen. Doch dann gab es öfter kurzfristige Absagen. Wann sich das erholt? „Wir warten ab“, sagt Havermann. Im Moment gibt es auch bei Weserwork Kurzarbeit. Die Umsatzverluste liegen gerade unter der Schwelle für weitere Hilfen.

Doch es gibt Zuversicht bei Weserwork, die in einem zweiten Standort Ausdruck finden soll: Wenngleich die Zeiten gerade ein bisschen schwerer sind, hält man hier am Plan fest, im Tabakquartier in Woltmershausen ein weiteres Gemeinschaftsbüro anzubieten. „Die Nachfrage steigt rasant in diesem Bereich“, sagt Co-Work-Pionier Havermann.

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