Bremen SWB erhöht Preise für Strom und Gas

Bremen. Eine Preissteigerungswelle kommt ab dem neuen Jahr auf die Stromverbraucher zu. Wie andere Energieversorger will auch die Bremer SWB AG ihre Preise kräftig erhöhen.
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SWB erhöht Preise für Strom und Gas
Von Petra Sigge

Bremen. Eine Preissteigerungswelle kommt ab dem neuen Jahr auf die Stromverbraucher zu. Wie andere Energieversorger will auch die Bremer SWB AG ihre Preise kräftig erhöhen. Gleich um 13 Prozent soll der Strom teurer werden. Auch ihre Gasverbraucher will die SWB ab Januar stärker zur Kasse bitten. Es gibt allerdings nach wie vor günstigere Energielieferanten am Markt, sagt die Verbraucherzentrale.

Für die Kunden des Bremer Energieversorgers SWB werden Strom und Gas zum 1. Januar teurer. Der Preis für den von den meisten Haushalten genutzten Tarif "SWB Strom basis" wird um 13 Prozent auf 26,53 Cent pro Kilowattstunde angehoben. Das ist der höchste Preisanstieg seit mehr als zehn Jahren. Für einen Bremer Haushalt mit einem durchschnittlichen Verbrauch von 2200 Kilowattstunden Strom ergibt sich dadurch im kommenden Jahr eine Mehrbelastung von rund 75 Euro. Tarife für Stromprodukte mit Preisgarantie oder Angebote mit Festpreis trifft die Erhöhung nicht.

SWB begründet die Preissteigerung mit bundesweit einheitlich erhöhten Steuern, Abgaben und Umlagen – staatlich regulierte Kostenanteile, die vom Versorger nicht zu beeinflussen seien. "All diese Beträge bleiben nicht bei uns, sondern wir müssen sie nur eintreiben und an den Staat durchreichen", sagt Unternehmenssprecherin Angela Dittmer. Allein die Anhebung der sogenannten EEG-Umlage, mit der Stromverbraucher den Ausbau der erneuerbaren Energien fördern, mache etwa 44 Euro der Mehrkosten aus. Hinzu komme als weiterer Preistreiber das höhere, von der Bundesnetzagentur festgelegte Netznutzungsentgelt, das zum Teil allerdings in der Kasse der eigenen SWB-Netzgesellschaft verbleibt.

Auch Erdgas wird bei der SWB ab 1. Januar mehr kosten. Hier steigt der Preis für den meistgenutzten Tarif "SWB Erdgas plus" um 0,24 auf 6,24 Cent brutto pro Kilowattstunde. Das sind 3,7 Prozent mehr. Grund seien gestiegene Einkaufspreise und höhere Netzentgelte. Am monatlichen Festpreis ändert sich nichts. Für einen Haushalt mit einer durchschnittlichen Abnahme von 25000 Kilowattstunden ergeben sich im Jahr Mehrkosten von rund 60 Euro.

Die Verbraucherzentrale Bremen kritisiert die angekündigten Preiserhöhungen. Es sei zwar richtig, dass sowohl die EEG-Umlage als auch die Netzentgelte steigen, "genauso richtig ist es aber auch, dass der Börsenpreis für Strom im September 2012 um 15 Prozent gefallen ist. Die Strompreise der Verbraucher kennen dagegen nur einen Weg: nach oben", moniert VZ-Geschäftsführerin Irmgard Czarnecki. Bei der SWB argumentiert man mit anderen Einkaufszyklen. "Wir kaufen rollierend ein, da wirken sich günstige Einkaufspreise weniger aus", heißt es.

"Kein Verbraucher kann die Angaben der SWB überprüfen", stellen die Verbraucherschützer fest. Und überhaupt: Es gebe "kein Naturgesetz, das die SWB zwingt, höhere Umlagen eins zu eins auf ihre Kunden umzulegen", sagt Irmgard Czarnecki. Sie macht die Bundesregierung mitverantwortlich für den hohen Preisanstieg. Schließlich führe die Befreiung der stromintensiven Betriebe von der EEG-Umlage zu einer größeren Belastung aller übrigen Verbraucher. In Bremen ist beispielsweise die Bremer Straßenbahn AG von der EEG-Umlage befreit. Czarnecki: "Warum müssen die Stromkunden den Stromverbrauch der Straßenbahn subventionieren – das ist Unsinn!" Aus Sicht der Verbraucherschützer gehört das Erneuerbare-Energien-Gesetz auf den Prüfstand. "Die Lasten der Energiewende müssen gerecht verteilt werden, anstatt sie einseitig auf die Verbraucher abzuwälzen", fordert Czarnecki.

Nach Angaben der Verbraucherzentrale könnten SWB-Kunden mit einem Jahresverbrauch von 3000 Kilowattstunden Strom durch den Wechsel zu einem anderen Anbieter etwa 175 Euro im Jahr sparen. Wer beim Bremer Versorger bleiben wolle, könne auch schon durch den Wechsel aus dem Grundversorgungstarif in einen anderen SWB-Tarif seine Stromkosten senken. Gaskunden mit einem Jahresverbrauch bis zu 20000 kWh würden bei einem Anbieterwechsel bis zu 300 Euro im Jahr sparen.

Kostenlose Preisvergleiche finden sich auch bei verschiedenen Verbraucherportalen im Internet – etwa unter www.verivox.de, www.check24.de oder www.toptarif.de. Zur Berechnung der günstigsten Tarife genügen der Jahresverbrauch in Kilowattstunden, abzulesen auf der jüngsten Strom- oder Gasrechnung, und die Postleitzahl. Die Häkchen bei den Voreinstellungen wie "Bonus berücksichtigen" sollten weggeklickt werden, sonst zahlen bequeme Kunden im zweiten Vertragsjahr oft drauf.

Wichtige Kriterien für faire Strom- und Gastarife sind eine monatliche Zahlungsweise, kurze Kündigungsfristen und eine Preisgarantie, die genauso lang ist wie die Mindestvertragslaufzeit oder länger. Von Tarifen mit Vorkasse sowie Pakettarifen, bei denen bei geringerem Verbrauch kein Geld zurückerstattet wird, raten Verbraucherschützer ab.

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