Bremer Versorger erwartet 2011 halbiertes Ergebnis

swb will 40 Millionen Euro einsparen

Bremen. Die swb hat in den ersten sechs Monaten 2011 weit weniger Strom und Gas verkauft als im Vorjahreszeitraum. Ob die Unternehmensbilanz ein Plus ausweisen kann, ist fraglich. Nun soll kräftig gespart werden. Zum Beispiel am Personal.
26.08.2011, 05:00
Lesedauer: 4 Min
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swb will 40 Millionen Euro einsparen
Von Petra Sigge
swb will 40 Millionen Euro einsparen

Das Firmenlogo der swb.

Jochen Stoss

Bremen. Die swb hat in den ersten sechs Monaten 2011 deutlich weniger Strom und Gas verkauft als im Vorjahreszeitraum. Bei Erdgas ging der Absatz trotz des eiskalten Winters sogar um fast 16 Prozent zurück. Ob die Unternehmensbilanz in diesem Jahr ein Plus ausweisen wird, scheint fraglich. Das liegt jedoch weniger am eigentlichen Energiegeschäft als an dem von der Regierung beschlossenen frühzeitigen Atomausstieg.

Eine Entscheidung, die sich auch auf die swb-Zahlen auswirkt. So hält der Bremer Energieversorger über eine Beteiligung an den Stadtwerken Bielefeld auch Anteile am Atomkraftwerk Grohnde. Grohnde soll nach den jüngsten Stilllegungsplänen 2021 und damit elf Jahre früher vom Netz gehen. Dadurch habe sich der Wert dieser swb-Beteiligung deutlich reduziert, heißt es bei der Oldenburger Konzernmutter EWE. Unter dem Strich sah das Unternehmen hier einen Abschreibungsbedarf von rund 100 Millionen Euro, was die Bremer - wie berichtet - auf einen Schlag tief in die roten Zahlen rutschen ließ. Statt eines Plus von 78 Millionen Euro wie im Vorjahr steht in der aktuellen Halbzeitbilanz nun ein Minus von 44,6 Millionen Euro vor Zinsen und Steuern.

Für die swb kommt die Wertberichtigung ihrer Beteiligung zur Unzeit. Seit gut einem Jahr verhandeln die Bremer mit den Bielefelder Stadtwerken nun schon über einen Rückkauf der Unternehmensanteile. Im 2002 abgeschlossenen Beteiligungsvertrag war vereinbart worden, dass die Bielefelder die Anteile an ihrem Unternehmen zurückkaufen können, wenn sich die Machtverhältnisse bei der swb entscheidend ändern.

Nächstes Verkaufsgespräch

Dieser Zeitpunkt war gekommen, als EWE im Oktober 2009 seinen Anteil an der swb auf 100 Prozent aufstockte - mit Ausnahme einer Aktie, die in den Händen der Stadt Bremen verblieb. Ein von beiden Parteien eingeschalteter Gutachter taxierte den Wert der Beteiligung auf 109 Millionen Euro. Für den swb-Vorstand ein Schock. Hatten die Bremer doch mit 335 Millionen Euro die dreifache Summe für das Anteilspaket gezahlt. Die swb strengte eine Klage vor dem Schiedsgericht an. Das ermittelte im März einen neuen Betrag, der laut swb "über 109 Millionen Euro" liegt und nun Grundlage für die weiteren Verhandlungen mit den Bielefeldern sein soll. Im Oktober ist das nächste Verkaufsgespräch geplant. Die bilanzielle Abwertung der swb-Beteiligung wird dabei sicher eine Rolle spielen.

Für das Gesamtjahr hat der Bremer Versorger seine Erwartungen deutlich heruntergeschraubt. 2011 werde das Ergebnis

im laufenden Geschäft voraussichtlich um bis zu 50 Prozent unter dem des Vorjahres liegen, bekräftigte swb-Vorstand Torsten Köhne am Donnerstag frühere Angaben. Vor allem mit der Stromerzeugung lässt sich demnach immer weniger Geld verdienen. Angesichts ohnehin gedämpfter Erwartungen spricht Köhne denn auch trotz rückläufiger Absatzzahlen noch von einer "zufriedenstellenden Entwicklung im operativen Geschäft".

Wegen des verschärften Wettbewerbs auf dem Energiemarkt hatte die swb bereits im vergangenen Sommer mit "Effizienzmaßnahmen" begonnen, wie Köhne es ausdrückt. "Bis Ende 2013 wollen wir in der Erzeugung und auch in der Verwaltung Einsparungen in Höhe von 40 Millionen Euro realisieren." Das trifft auch die Belegschaft. Mindestens 45 Vollzeitstellen sollen den Plänen zufolge gestrichen werden. Das hatte der ehemalige Vorstandsvorsitzende Willem Schoeber schon im Frühjahr bei der Jahrespressekonferenz angekündigt.

Mit dem Betriebsrat werden derzeit die Gespräche über einen Interessenausgleich geführt. Fest steht, dass die Arbeitsplätze sozialverträglich abgebaut werden sollen, etwa über Altersteilzeit, Vorruhestand oder Versetzungen in andere Gesellschaften des Konzerns. Einen gezielten Personalabbau gab es zuletzt vor vier Jahren, als 300 Arbeitsplätze im Netzbereich gestrichen wurden. Mit dem Konzernbetriebsrat wurde damals vereinbart, dass es bis Ende 2013 keine betriebsbedingten Kündigungen geben soll. Diese Vereinbarung gilt auch nach der Komplettübernahme durch die EWE im Jahr 2009 weiter.

Der swb-Betriebsratsvorsitzende Peter Marrek geht nicht davon aus, dass der Personalabbau wegen der jüngsten Entwicklung noch einmal ausgeweitet werden könnte. "Es ist ja längst nicht mehr so, dass wir einen Speckgürtel haben, das ist vorbei. Seit praktisch 15 Jahren hat es bei der swb durchgehend Effizienzmaßnahmen gegeben, wir sind durchleuchtet von oben bis unten", sagt Marrek.

Klar sei aber auch, dass sich durch die immer intensiver werdende Zusammenarbeit mit der Konzernmutter EWE noch einiges ändern wird. "Meine Erfahrung sagt mir, dass die Prozesse nicht aufhören. Es gibt jetzt schon Synergieeffekte in Bremen und Oldenburg. Und das wird weitergehen." Entsprechend groß sei die Angst bei den Beschäftigten. Die sei noch zusätzlich geschürt worden durch den Wechsel des swb-Chefs Willem Schoeber nach Oldenburg. Seitdem haben die Bremer keinen eigenen Vorstandsvorsitzenden mehr. Da gebe es schon die Befürchtung, dass sich die Machtverhältnisse zuungunsten Bremens verschieben könnten. Zugleich hoffe man in der Belegschaft aber auch, "dass unsere Belange durch Schoebers Präsenz in der EWE-Zentrale stärker Gehör finden werden", so der Betriebsratsvorsitzende.

Die aktuellen Sparpläne waren allerdings noch von Schoeber selbst mitbeschlossen worden. Nach Angaben des Betriebsrats stehen dabei auch sämtliche sozialen Leistungen auf dem Prüfstand. Ein Punkt auf der Streichliste der Unternehmensleitung sei zum Beispiel der Kantinenzuschuss.

Auch Konzernmutter EWE streicht

Auf die Kostenbremse tritt auch die Konzernmutter EWE. Nach den in der vergangenen Woche vorgelegten Halbjahreszahlen steckt der Energieversorger mit einem Minus von 128 Millionen Euro tief in der Verlustzone. Ein wesentlicher Grund sind neben der Abschreibung der swb-Beteiligung die Einbußen der EWE AG durch ihre Auslandsbeteiligung in der Türkei.

Im gesamten Konzern will EWE allein in diesem Jahr Einsparungen von 300 Millionen Euro erreichen. "Wir haben in erheblichem Umfang Sachkosten und Investitionen gestrichen und prüfen, von welchen Aktivitäten, die nicht zu unserem Kerngeschäft gehören, wir uns gegebenenfalls trennen werden", hat EWE-Finanzvorstand Heiko Sanders angekündigt. Beim Sponsoring oder bei Messeauftritten zum Beispiel will das Unternehmen nach Angaben eines Sprechers künftig kürzertreten. Sparen lasse sich etwa auch durch eine konzernweite Bündelung des Einkaufs. Über die "großen Brocken" sei bislang nicht entschieden, sagte der Sprecher. "Da sind wir noch in der Prüfung." An Personalmaßnahmen, so heißt es bei EWE, werde "derzeit nicht gedacht".

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