Bremer Leuchtenproduzent

Tarifgespräche bei Glamox abgebrochen

Gewerkschaft und Arbeitnehmervertreter sind sauer auf die Konzernmutter des Bremer Leuchtenherstellers Glamox. Diese hat Tarifgespräche abgebrochen. Nun könnten dem Unternehmen Warnstreiks drohen.
22.07.2017, 06:13
Lesedauer: 2 Min
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Tarifgespräche bei Glamox abgebrochen
Von Maren Beneke
Tarifgespräche bei Glamox abgebrochen

Glamox fertigt unter anderem im Bremer Ortsteil Mahndorf. Nach Angaben eines Gewerkschaftsvertreters werden am Standort gute Gewinne erwirtschaftet.

Frank Thomas Koch

Beim DFB-Museum in Dortmund, in der Tui-Zentrale in Hannover oder beim Hamburger Polizeipräsidium – überall kommen Leuchten des Herstellers Glamox zum Einsatz. Doch auch wenn es aus wirtschaftlicher Sicht gut läuft bei dem Unternehmen, das unter anderem in Bremen und Teterow produziert, so gibt es an den beiden Standorten nun Ärger.

Wie die Gewerkschaft IG Metall mitteilt, hat die norwegische Konzernmutter Glamox AS über Monate andauernde Tarifverhandlungen abgebrochen. Volker Stahmann, Erster Bevollmächtigter der IG Metall in Bremen, spricht von bis dahin „konstruktiven Verhandlungen“. Arbeitnehmervertreter hatten demzufolge mit dem Geschäftsführer von Bremen und Teterow (Mecklenburg-Vorpommern), Rainer Schönauer, über die Neuregelungen gesprochen.

Nachdem dieser die Absprachen in Norwegen vorgestellt habe, sei der Gewerkschaft plötzlich mitgeteilt worden, dass es keine Tarifverhandlungen und auch keine Tarifverträge geben soll. „Die Kehrtwende ist eine Frechheit und durch nichts nachzuvollziehen“, sagt Stahmann.

Austritt aus Arbeitgeberverband

Hintergrund der Verhandlungen war nach Angaben von Bernd Kohlmann, Gewerkschaftsvertreter bei Glamox in Bremen, dass das Unternehmen vor einigen Jahren aus dem Arbeitgeberverband ausgetreten ist. Seither gebe es Verträge aus der Zeit vor und aus der nach dem Austritt.

Der Unterschied ist seinen Angaben zufolge: Neuere Mitarbeiter haben im Vergleich mit langgedienteren Kollegen ein anderes Schichtsystem, müssen wöchentlich mehr Stunden arbeiten und mit weniger Urlaub auskommen. „Gleicher Lohn für gleiche Arbeit gibt es bei uns nicht“, sagt Kohlmann.

Allein in Bremen und Teterow arbeiten jeweils 100 Angestellte für das Unternehmen. Während in der Hansestadt Produkte entwickelt und auf Kundenwunsch angefertigt werden, übernehmen die Angestellten in Teterow etwa die Endmontage.

Höherer Stundenlohn

IG Metall und Arbeitnehmervertreter hatten unter anderem vorgeschlagen, dass sich die Gehälter der Bremer Mitarbeiter ab Anfang Juli um drei Prozent erhöhen. In Teterow soll der Stundenlohn aus ihrer Sicht von 8,84 Euro auf 10,80 Euro steigen.

Das wäre nach Einschätzung der Arbeitnehmervertretung das Einkommen, mit dem die mecklenburg-vorpommerischen Mitarbeiter ohne Aufstockung durch die Öffentliche Hand auskommen könnten. Der Gegenvorschlag von Glamox liegt nun bei 9,20 Euro. Die Gewerkschaft hat ausgerechnet, dass das von ihr und den Arbeitnehmervertretern vorgeschlagene Paket das Unternehmen insgesamt gut 100.000 Euro zusätzlich kosten würde.

Laut Stahmann rechnet Glamox für dieses Jahr mit einem Jahresumsatz von 35 Millionen Euro und einem Gewinn (Ebit) von 2,6 Millionen Euro. Im kommenden Jahr wolle das Unternehmen seinen Gewinn nach den Planzahlen noch einmal um zehn Prozent steigern.

Gewinnerwartung als Problem?

Kohlmann vermutet, dass diese Gewinnerwartung zum Abbruch der Gespräche geführt habe. Ohne dass er es näher beziffern möchte, sagt er für Bremen: „Die Gewinne am Standort können sich sehen lassen – aber das reicht offenbar nicht aus.“

Problematisch sei ein Vergleich unter den Produktionsstätten der Firma: Weil in China etwa in Masse gefertigt würde, seien die Gewinne eines solchen Stützpunkts kaum mit denen eines Entwicklungsstandorts wie beispielsweise Bremen zu vergleichen. Kohlmanns Sorge: Die Gewinnerwartungen der norwegischen Konzernmutter könnten immer weiter steigen.

Am Dienstag sollen die gewerkschaftlich organisierten Glamox-Mitarbeiter nun entscheiden, wie es weitergeht. Auch Warnstreiks sind eine mögliche Option. Galmox-Geschäftsführer Schönauer möchte zu all dem nichts sagen. Sein Kommentar: „Wir sind auch weiterhin mit der IG Metall im Gespräch.“

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