Nach Monaten der Konsolidierung

Teil von Reederei Zeamarine vor der Insolvenz

Ein Teil der Reederei Zeamarine, die dem Bremer Investor Kurt Zech gehört, hat Insolvenz beantragt. Allerdings ruht das Verfahren noch, weil eine Einigung mit den Gläubigern noch möglich ist.
17.02.2020, 19:02
Lesedauer: 3 Min
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Teil von Reederei Zeamarine vor der Insolvenz
Von Florian Schwiegershausen
Teil von Reederei Zeamarine vor der Insolvenz

Aus der "Zea Frontier" ist inzwischen die "UHL Frontier" geworden, nachdem sie verkauft wurde. Die Bremer Reederei Zeamarine hat Antrag auf Insolvenz gestellt.

Zeamarine

Ein Teil der Reederei Zeamarine des Bremer Investors Kurt Zech hat am Montagmittag vor dem Bremer Amtsgericht Insolvenz beantragt. Das geht aus den öffentlichen Bekanntmachungen des zuständigen Gerichts hervor. Von dem Insolvenzantrag betroffen sind die zwei Firmen Zeamarine Bremen GmbH & Co KG und Zeamarine Chartering Bremen. Als vorläufiger Insolvenzverwalter wurde Tim Beyer von der europaweit vertretenen Kanzlei Schultze Braun bestellt. Die Anwaltssozietät ist spezialisiert auf Insolvenzberatung und Restrukturierung. Beyer gehörte bereits zum Kanzlei-Team, als es mit der Insolvenz der Bremer Reederei Beluga von Niels Stolberg betraut war

Bei der Insolvenz, über die der Branchendienst "Hansa Online" zuerst berichtet hatte, handelt es sich um ein Schuldenbereinigungsverfahren. Das bedeutet, dass das zuständige Gericht die Eröffnung des Insolvenzverfahrens vorerst ruhend gestellt hat, damit über eine Schuldenbereinigung entschieden werden kann. Sollten die Gläubiger hier nicht zu einer Einigung kommen, wird das Insolvenzverfahren eröffnet. Mit diesem Zwangsvergleich versucht das Gericht, eine Lösung zwischen den Parteien zu erwirken. Nichtsdestotrotz handelt es sich hier im juristischen Sinne um ein Insolvenzverfahren.

Andere Unternehmensteile nicht betroffen

Der vorläufige Insolvenzverwalter Tim Beyer sagte dem WESER-KURIER am Montagabend, nachdem er erste längere Gespräche geführt hatte: "Hier handelt es sich um eine interne Servicegesellschaft mit etwa 20 Mitarbeitern." Entsprechend nicht von einer Insolvenz betroffen sind alle anderen Zeamarine-Unternehmensteile. Ebenso wenig betroffen sind alle Zeaborn-Gesellschaften mit Sitz in Bremen und Hamburg. Den Auszügen aus den Handelsregistern in Bremen und Hamburg folgend, handelt es sich bei Zeamarine und Zeaborn um insgesamt 24 Unternehmen.

Zeamarine entstand im Mai 2018 als Joint Venture zwischen Zeaborn und dem US-Unternehmen Intermarine. Dazu vereinbarten der US-amerikanische Fonds New Mountain Capital und Zechs Reederei, die Aktivitäten der Mehrzweckschiffe von Zeaborn Chartering, der Rickmers-Linie in Hamburg sowie Intermarine zusammenzuführen und eine der größten Multipurpose-Flotten der Welt zu schaffen. New Mountain Capital war zehn Jahre lang an der Firma beteiligt. Im April 2019 übernahm die Zeaborn-Gruppe dann aber schließlich die restlichen 25,1 Prozent an Zeamarine.

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In den vergangenen Monaten hat der neu eingesetzte Zeamarine-Geschäftsführer Sven Lundehn begonnen, das Unternehmen zu konsolidieren. Er hatte den Posten erst Ende des vergangenen Jahres übernommen. Von den einst 94 Mehrzweck-Schwergutschiffen mit Tragfähigkeiten zwischen 6300 und 30.000 Tonnen konnte Lundehn, der zuvor auch die insolvente Beluga-Reederei liquidiert hatte, 17 Schiffe an ihre ursprünglichen Besitzer zurückgeben. Außerdem hat Zeamarine das US-Geschäft abgegeben, das jetzt wieder unter dem ursprünglichen Namen Intermarine agiert.

Seit dem vergangenen Sommer zeigte sich, dass sich bei Zeaborn und Zeamarine ein Wechsel anbahnt. So zog sich mit Ove Meyer bereits einer der beiden Geschäftsführer aus dem operativen Geschäft zurück. Zum Jahresende folgte ihm der zweite Geschäftsführer Jan-Hendrik Többe aus dem Unternehmen.

Fast jedes Jahr eine Übernahme

Mit ihrer antizyklischen Geschäftspolitik und ihrem bodenständigen Auftreten kauften sie zuvor in dem Umfeld, das für Reeder infolge der weltweiten Finanzkrise schwierig ist, weltweit zu guten Preisen günstig Mehrzweck-Schiffe (MPP-Schiffe) ein. Diese Frachter können Schwergut und Massengut aller Art transportieren. Fast jedes Jahr wurde die Übernahme einer weiteren Reederei verkündet. Dazu gehörten in Hamburg die E. R. Schiffahrt von Erck Rickmers sowie das Schiffsmanagement der insolventen Rickmers-Holding. Gerade erst im vergangenen Mai übernahm die Zeaborn-Gruppe die Tanker-Sparte der Claus-Peter Offen Tankschiffreederei (CPO Tankers). Dazu gehörten etwa 40 Mitarbeiter und die Schiffsmanagement-Verträge für 16 Schiffe.

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Branchenexperten sehen in der Insolvenz nun eine Delle in einem Unternehmen, das seit der Gründung 2013 nur den Weg nach oben kannte und mit Erfolgsmeldungen aufwarten konnte. Doch bereits beim Joint Venture mit Intermarine vor gut zwei Jahren fragten sich einige aus der Schifffahrtsbranche, wie man es denn schaffen könne, die unterschiedlichen Unternehmenskulturen aus Deutschland und den USA in ein Projekt zusammenzuführen. Ein anderer langjähriger Branchenexperte, der nicht genannt werden möchte, hofft, dass es nun nicht zu einer Kettenreaktion kommt wie bei der Beluga-Insolvenz, bei der die erste Insolvenz Auslöser für Folgeinsolvenzen war. Was er sieht: "Die gesamte Branche leidet gerade durch den US-Handelsstreit und die Situation in China. Die Frachtraten sind niedrig, zu viele Schiffe haben nicht genug Ladung."

+++Dieser Text wurde um 20:39 Uhr aktualisiert+++

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