Umstellung auf H-Gas Telefonaktion des WESER-KURIER: wie die Gasumstellung abläuft

Es dauert noch bis zum Jahr 2021, bis in Bremen überall H-Gas fließt. Wie die Umstellung läuft und was Verbraucher beachten sollten, erklären Experten bei der Telefonaktion des WESER-KURIER.
03.09.2018, 19:52
Lesedauer: 5 Min
Zur Merkliste
Telefonaktion des WESER-KURIER: wie die Gasumstellung abläuft
Von Florian Schwiegershausen

Bis zum Jahr 2021 sollen alle Stadtteile Bremens vom energieschwächeren L-Gas umgestellt werden auf das energiereichere H-Gas (L steht für das englische Wort "low", und H für „high“). Während in den östlichen Stadtteilen wie Osterholz und Hemelingen die Umstellung bereits abgeschlossen ist und das H-Gas bereits durch die Leitungen fließt, wird das beispielsweise in Bremen-Nord erst 2021 so weit sein.

Durch die Umstellung ergeben sich Fragen für die Verbraucher. Einige davon konnten die Experten am WESER-KURIER-Telefon beantworten. Von Wesernetz war dazu Johannes Himmel dabei, der die Gasumstellung organisiert, Wesernetz-Sprecher Stefan Prigge sowie Kai Schulz, Obermeister der Innung Sanitär Heizung Klima (SHK), und Ute Rigbers von der Verbraucherzentrale Bremen.

Wann ist mein Stadtteil dran?

Viele Leser wollten vor allem wissen, wann sie denn mit der Gasumstellung dran sind, also wann ihre Geräte erfasst und angepasst werden. „Ich habe nämlich noch überhaupt keine Nachricht erhalten“, hieß es unisono von einigen Lesern. Wesernetz-Sprecher Stefan Prigge sagte: „Sie brauchen überhaupt nichts tun, sie werden automatisch angeschrieben, circa drei Monate vor unserem ersten Besuch.“

Auch machten sich Leser Sorgen, weil bereits jemand von Wesernetz bei ihnen daheim die Geräte erfasst hatte, danach aber keine Infos kamen. Auch da konnte Prigge beruhigen: „Wir melden uns dann automatisch wieder.“ Zwischen Erfassung und Anpassung der Geräte könne ein Jahr liegen. Ebenso konnte Johannes Himmel als Organisator der Gasumstellung hier die meisten Fragen beantworten.

Wichtig sei, dass die Kunden das Schreiben aufbewahren, in dem auch eine persönliche Kundennummer für die Gasumstellung abgedruckt ist. Wenn der Monteur von Wesernetz kommt, hat er diese Kundennummer zum Abgleich bereit. Damit will Wesernetz vermeiden, dass sich Betrüger als Wesernetz-Monteure ausgeben, um in die Wohnungen zu gelangen.

Lesen Sie auch

„Uns sind vom vergangenen Jahr eine Handvoll Fälle bekannt, wo das Menschen versucht haben. Als die Kunden dann aber nach der Kundennummer gefragt haben, konnten sie die nicht nennen und sind dann schnell abgehauen", berichtete Wesernetz-Sprecher Prigge. Das mit der Polizei daraufhin entwickelte System habe funktioniert. Andere kommunale Gasversorger, die jetzt erst mit der Gasumstellung begonnen haben, haben laut Prigge den Trick mit der Kundennummer und andere organisatorische Dinge eins zu eins von Wesernetz übernommen.

Für die Kunden werde es problematischer, wenn die Geräteerfassung ergibt, dass der Durchlauferhitzer oder die Gastherme zu alt sind, um noch Ersatzteile vom Hersteller zu erhalten. Dann können diese Geräte nicht auf H-Gas umgestellt werden – so wie im Fall einer Anruferin. Mindestens ein Durchlauferhitzer müsse ausgetauscht werden, wofür sie momentan nicht das Geld hätte. Dazu sagte Ute Rigbers von der Verbraucherzentrale: „Machen Sie bei der Verbraucherzentrale einen Termin aus, damit wir Ihnen dort Tipps für Fördermöglichkeiten und für die Finanzierung geben können.“ Was Fördermöglichkeiten angeht, arbeitet Wesernetz hier mit der Verbraucherzentrale und der Bremer Energie-Konsens GmbH zusammen.

Kein einfacher Fall

Eine Anruferin hatte eine kniffeligere Frage zu ihrem etwa 16 Jahre alten Einbauherd, der eigentlich mit Düsen für H-Gas ausgeliefert wurde. Sie weiß aber nicht sicher, ob der Herd damals nicht doch auch L-Gas-Düsen bekommen hat. Dies müsste durch ein Typenschild am Gerät gekennzeichnet sein. Ihr sei zudem gesagt worden, dass die H-Düsen ausgebrannt sein könnten. Sie habe zudem die Information bekommen, dass sie für diese Prüfung finanziell aufkommen müsse.

Johannes Himmel gab zu, dass das kein einfacher Fall ist und er individuell betrachtet werden muss: „Eine wesentliche Aufgabe der Monteure ist es, dass sie bei den Kunden das Gerät eindeutig identifizieren. Dazu gehört das Typenschild und darauf auch die Kennzeichnung, für welches Gas das Gerät eingestellt ist. Sollte nicht genau klar sein, ob dort die Düsen mal verändert wurden, weisen wir Sie schriftlich darauf hin. Die Anlage ist momentan aber in Ordnung, sonst hätten Sie als Kundin dafür einen Mangel erhalten.“

Himmel hat sich die Kundennummer der Anruferin notiert, um sich um diesen Fall nochmals zu kümmern. Gleichzeitig sagte er, dass Wesernetz ausschließen müsse, dass bei der Einstellung auf H-Gas Folgeschäden entstünden. Daher wurde die Kundin explizit darauf hingewiesen.

Lesen Sie auch

SHK-Innungsmeister Kai Schulz ergänzte: „Von ausgebrannten Düsen habe ich bisher noch nichts gehört. Was passieren kann, ist, dass die Düsen in der Zuleitung festgebrannt sind und man diese nicht beschädigungsfrei herausbekommt." Was es aber geben könne, sei, dass viele Gasherde vom Hersteller aus erst mal mit H-Gas-Düsen ausgestattet wurden. Das muss aber überprüft werden. Welche Düsen im Einsatz sind, zeige eine entsprechende Kennzeichnung am Herd. Es kann sein, dass man mindestens die Kochplatte herausnehmen muss, um an diese Kennzeichnung zu gelangen. Und dabei können dem Verbraucher dann eben Kosten für einen Installateur entstehen, wenn der Hersteller auch nicht mehr sagen kann, mit welchen Düsen das Gerät ausgeliefert wurde.

Dann meldete sich ein Leser aus der Neustadt, der dort zur Miete wohnt. Er fragte, ob denn der Mieter oder der Vermieter für die Kosten aufkommen müsse, wenn die Gasumstellung ein neues Gerät erfordere. Das konnte SHK-Innungsmeister Kai Schulz sofort beantworten: „Gastherme und Durchlauferhitzer sind Teile, die meist zur Wohnung gehören und mit vermietet werden. Entsprechend muss der Vermieter die Kosten tragen, wenn neue Geräte notwendig sind. Viele Mieter haben in ihren Mietverträgen stehen, dass sie die Kosten für kleine Schönheitsreparaturen zu tragen haben. Das könnten beispielsweise die Kosten für den regelmäßigen Check sein.“

Kunde kann nicht auswählen

Eine Leserin fragte, warum die Umstellung denn notwendig sei. Bei ihr war es so angekommen, dass sich die Kunden in Zukunft aussuchen könnten, ob sie L-Gas oder H-Gas beziehen können. „Einige Kunden wünschen diese Umstellung ja nicht“, sagte sie. Die Umstellung ist allerdings notwendig, da bis 2029 und darüber hinaus die L-Gas-Quellen, vorwiegend in den Niederlanden, versiegen werden, beziehungsweise kein L-Gas mehr nach Deutschland fließen wird. So erklärt es auch die Bundesnetzagentur. Das energiestärkere H-Gas wird zum größten Teil aus der Nordsee, Norwegen und Russland kommen.

Eine Leserin aus dem Viertel mit gutem Draht zu den Nachbarn fragte, ob Wesernetz denn für alle Bewohner im Haus die Termine auf einen Tag legen könnte: „Dann hätte ich von allen die Schlüssel.“ Auch das ginge, sagte Johannes Himmel. „Dazu sollte man am besten bei der Hotline anrufen und mit den Kundennummern aus den einzelnen Anschreiben einen gemeinsamen Termin vereinbaren. Dann wird geprüft, ob alle Geräte auch zum gleichen Zeitpunkt angepasst werden können. Das ist technisch leider nicht immer möglich.“

Lesen Sie auch

Zum Schluss sagte Prigge: „Wir versuchen, alles bestmöglich zu organisieren. Doch wo Menschen arbeiten und teilweise mehrere hundert Termine am Tag stattfinden, werden auch Fehler gemacht. Das soll natürlich nicht passieren, aber wenn auf unserer Seite ein Fehler passiert, dann müssen wir dazu stehen.“ Wer bei der Telefonaktion nicht durchgekommen ist und weitere Fragen hat, kann sich bei Wesernetz an die kostenlose Service-Telefonnummer 08 00 /35 94 04 0 wenden. Fragen beantwortet auch die Verbraucherzentrale. Dort gibt es auch Tipps zur Finanzierung und zu Fördermöglichkeiten einer neuen Gastherme, wenn die Umstellung auf H-Gas bei der alten nicht möglich ist und Informationen zu verschiedenen Modellen.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+