Bremerhavener Innnenstadt Teufelskreis in der Fußgängerzone

Millionen wurden in die Havenwelten investiert, um mehr Touristen nach Bremerhaven zu locken. Für einen Teil der Fußgängerzone scheint sich aber niemand mehr so richtig zu interessieren. Die Diskussion um die Zukunft der Karstadt-Filiale tut ihr Übriges.
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Teufelskreis in der Fußgängerzone
Von Kristin Hermann

Millionen wurden in die Havenwelten investiert, um mehr Touristen nach Bremerhaven zu locken. Für einen Teil der Fußgängerzone scheint sich aber niemand mehr so richtig zu interessieren. Dort stehen zahlreiche Geschäfte leer, die übrigen Läden bieten wenig Attraktives. Die Diskussion um die Zukunft der Karstadt-Filiale tut ihr Übriges.

Im nördlichen Teil der Bremerhavener Fußgängerzone herrscht Tristesse. Leerstand reiht sich an Leerstand. Die noch betriebenen Geschäfte sind überwiegend an Ein-Euro-Läden, Bäcker und Banken vermietet. „Das ist schon seit Jahren so. Hierfür interessiert sich kaum jemand“, sagt ein älterer Herr im Vorbeigehen. Gemeint ist vor allem jener Abschnitt der Bügermeister-Smidt-Straße, der von der Keilstraße bis zur Lloydstraße reicht. Gegen den Rest der Fußgängerzone sowie gegen das Columbus-Center und die Havenwelten wirkt dieser Straßenzug, als hätte ihn die Stadt einfach vergessen.

Seitdem vor mehr als zehn Jahren die Sanierung der Innenstadt fertiggestellt worden ist, hat die Stadt nichts Gezieltes mehr unternommen, um die Schmuddelecke der Fußgängerzone aufzuwerten. Zwar gibt es das ehrenamtliche Innenstadtmanagement City Skipper, doch dessen Ressourcen sind begrenzt, da die Mitglieder aus Ladenbesitzern bestehen, die sich neben ihrer Arbeit um die Aufgaben kümmern müssen.

Hauseigentümer gefordert

Die größte Schwierigkeit bestehe darin, alle Hauseigentümer an einen Tisch zu bringen, sagt der Vorsitzende Jörn Langfermann. „Wir haben in diesem Bereich 30 verschiedene Hauseigentümer. Oft wissen wir gar nicht, wer der Besitzer ist, weil die Immobilien oft verkauft wurden.“ Von den Eigentümern sei nur einer Mitglied im Verein. Der überwiegende Teil bestehe aus Ladenbesitzern, aber fast ausschließlich nur aus privaten Kaufleuten. Für City Skipper ist das problematisch, da sich immer mehr Ketten in der Innenstadt ansiedeln. „Die werden aber nicht Mitglied, weil sie nicht an jedem ihrer Standorte Geld ausgeben wollen. Dass sie aber in jeder Stadt auch verdienen, das vergessen sie manchmal“, sagt Langfermann.

Der Vorsitzende wünscht sich, dass alle Beteiligten einen Verbund nach Vorbild des Bremer Business Improvement District (BID) gründen würden. Damit verpflichten sich Hauseigentümer und Ladenbesitzer, über einen gewissen Zeitraum Geld zu investieren, um ihre Nachbarschaft attraktiver zu gestalten. „Solange ihre Läden aber nicht vermietet sind, halten sich die Hauseigentümer zurück“, erklärt Langfermann. Ein Teufelskreis. Von der Stadt erhält City Skipper jährlich 25 000 Euro. Damit organisiert der Verein vor allem Feste für die Fußgängerzone. „Unsere Mitglieder erwarten von uns, dass wir etwas für die gesamte Fläche tun. Wir können das Geld nicht nutzen, um nur einen Teilbereich wieder aufzuwerten“, sagt Langfermann.

Im Fokus stehen seit einigen Jahren die Havenwelten. Nach Angaben der Bremerhavener Gesellschaft für Investitionsförderung und Stadtentwicklung sind in den vergangenen Jahren 330 Millionen Euro in das Projekt geflossen: das Einkaufszentrum Mediterraneo, das Klimahaus, ein Luxushotel und das Deutsche Auswandererhaus wurden gebaut. Das hat der Stadt viele Touristen und zum Teil neue Arbeitsplätze gebracht. „Ich möchte nicht wissen, was passiert wäre, wenn die Havenwelten nicht gekommen wären“, sagt Jörn Langfermann. „Davon profitieren alle.“

Trotz der positiven Entwicklung kritisiert Langfermann, dass dem Mediterraneo vonseiten der Politik eine bevorzugte Position eingeräumt wird. So dürfe das Einkaufscenter 20 Sonntage im Jahr öffnen, die übrige Innenstadt muss für jeden verkaufsfreien Sonntag eine Genehmigung einholen. So auch für heute, wenn im Columbus-Center ein Oktoberfest mit Shopping-Bummel stattfindet. „Das steht so im Landesgesetz“, sagt Langfermann. „Bis zur Kaimauer ist alles als touristisches Gebiet gekennzeichnet und darf öffnen. 20 Meter weiter fängt das Columbus-Center an und muss geschlossen bleiben. Das kann niemand nachvollziehen.“

Viele einheimische Einzelhändler fühlen sich ungerecht behandelt und wünschen sich, dass wieder mehr in den kritischen Bereich der Bürgermeister-Smidt-Straße investiert wird, so der Eindruck vor Ort. „Hier passiert seit Jahren nichts mehr“, sagt eine Ladenbesitzerin, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen möchte. „Wir können froh sein, dass unsere Stammkundschaft uns treu bleibt.“

Diskussion um Karstadt

Die Diskussion um die Schließung der Karstadt-Filiale verbessert die Stimmung in der Fußgängerzone nicht. Seit Jahren schwebt das Damoklesschwert über der Bremerhavener Filiale. Vorerst muss das Geschäft zwar keine Schließung befürchten, doch Gerüchte kommen immer wieder auf. „Eine Schließung wäre für die Stadt eine Katastrophe“, sagt ver.di-Gewerkschaftssekretär Heinz-Herbert Grabowski, der die knapp 90 Karstadt-Beschäftigten betreut. Karstadt sei einer der Eckpfeiler des Columbus-Centers in der Innenstadt. Falle dieser weg, kämen auch dorthin weniger Kunden. Auch Bremerhavens Oberbürgermeister Melf Grantz (SPD) setzt darauf, dass die Filiale erhalten bleibt. „Das Kaufhaus ist tief verwurzelt in der Bevölkerung“, sagt er. „Karstadt investiert seit 15 bis 20 Jahren nichts mehr in das Haus. Das ist schlecht für die Arbeitsplätze und für die städtebauliche Entwicklung.“

Falls die Bremerhavener Filiale schließen müsste, würde Bremerhaven das letzte große Kaufhaus der Stadt verlieren. Für die Einzelhändler wäre das ein herber Verlust. „Das hat man schon vor einigen Jahren gemerkt, als das Kaufhaus Horten schließen musste“, sagt Langfermann. „Der Umsatz hat sich damals nicht auf andere Geschäfte verteilt, sondern fällt für die anderen Geschäfte praktisch weg.“

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