Tourismuskonzern insolvent

Thomas-Cook-Pleite: Bremer Paar strandet auf Teneriffa

Statt einer entspannten Reise jede Menge Ärger: Ein Bremer Pärchen sitzt auf Teneriffa fest. Am Flughafen in Hamburg wurde ihnen gesagt, sie sollen fliegen – obwohl die Pleite da schon bekannt ist.
24.09.2019, 17:33
Lesedauer: 3 Min
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Thomas-Cook-Pleite: Bremer Paar strandet auf Teneriffa
Von Jean-Pierre Fellmer
Thomas-Cook-Pleite: Bremer Paar strandet auf Teneriffa

Traumurlaub mit Problemen: Zahlreiche Touristen sitzen nach der Pleite von Thomas Cook an ihren Urlaubsorten fest - darunter auch ein Ehepaar aus Bremen auf Teneriffa.

Christian Döscher (Symbolbild)

Urlaubswetter an der Costa Adeje: 22 Grad, eine leichte Brise, wolkenloser Himmel. Zum Strand sind es für Nadine (43) und Tino (45) Haase zu Fuß keine zehn Minuten. Vom Glück im Sand und Salzwasser an der Südwestküste Teneriffas trennt das Bremer Paar allerdings ein Problem: Ihr Reiseveranstalter ist der Tourismuskonzern Thomas Cook. Und der ist pleite.

Am Montagmorgen um 6.15 Uhr fliegen die beiden noch mit der Thomas-Cook-Tochter Condor von Hamburg auf die spanische Insel. Die Nachricht, dass der Tourismuskonzern insolvent ist, kam in der Nacht zu Montag. „Ich habe noch am Flughafenschalter gefragt, was denn passiert, wenn wir in Spanien sind“, sagt Nadine Haase. Ihr sei gesagt worden, sie sollen fliegen. Was die beiden dann auch tun.

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Nach ihrer Ankunft auf der Insel fährt das Ehepaar Haase zu ihrem Hotel, dem Colon Guanahani. Vier Sterne, Pool und Palmen. Ein Zimmer ist in ihrer Pauschalreise inbegriffen, aber als sie einchecken wollen, bekommen sie gesagt: Sie müssen zahlen, sonst gibt es kein Zimmer. „Wir haben dann für eine Nacht gebucht, weil wir sonst auf der Straße gesessen hätten“, sagt Nadine Haase.

Am Montagnachmittag kommt dann auch eine E-Mail von Thomas Cook: Sie sollen die Reise nicht antreten. Den Reiseveranstalter haben sie versucht zu erreichen, vergeblich: „Auf unserer Bestellung stand eine Telefonnummer für Kunden. Wenn man da anruft, kommt nur eine Bandansage.“ Die Botschaft: Die Flüge seien gestrichen, Kunden sollen sich gedulden, Infos würden folgen.

Bei einer Pauschalreise sind Reisende durch einen Sicherungsschein abgesichert. Auch damit gibt es allerdings Probleme: Nadine Haase sagt, sie habe am Samstag versucht, den Sicherungsschein aus dem Kundenportal von Thomas Cook herunterzuladen. Wegen Wartungsarbeiten, wie es auf der Website geheißen haben soll, sei dies jedoch nicht möglich gewesen. Nadine Haase hat noch einmal ihr Telefon durchforstet und doch noch den Sicherungsschein als PDF gefunden.

Gabriele Zeugner, Expertin für Verbraucherrecht bei der Verbraucherzentrale Bremen, rät dem Ehepaar in diesem Fall erst mit der Reiseleitung vor Ort zu sprechen. Er ist Dienstleister für den Reiseveranstalter und Mittelsmann. Sollte dies keinen Erfolg haben, soll sich das Paar beim Veranstalter melden. „Wir gehen davon aus, dass Thomas Cook sich bemüht, alle Urlauber schnell zurückzuholen“, sagt Zeugner. Ihre Kollegin Nicole Mertgen, Referentin für Verbraucherrecht, ergänzt: Für den Fall, dass Reiseleiter und -veranstalter doch keine Auskunft geben, soll das Ehepaar auf den Versicherungsschein schauen und den Versicherer kontaktieren. Im Nachhinein müsse mit dem Versicherer geklärt werden, welche Kosten übernommen werden - im Zweifelsfall vor Gericht.

Wieso hat Thomas Cook erst so spät reagiert? Eine Sprecherin des Konzerns sagt auf Anfrage, dass an alle Kunden, von denen die Telefonnummern bekannt waren und die kurz vor einer Reise standen, unmittelbar eine SMS gesendet worden sei. Darin sollen sie informiert worden sein, dass die Reise nicht gewährleistet werden kann und sie diese daher nicht antreten sollen. Aufgrund der hohen Zahl der SMS-Nachrichten seien allerdings Verzögerungen nicht auszuschließen. Die Kunden-Hotline sei schlicht überlastet. „Die aktuelle Situation ist für alle Beteiligten, sowohl für die Kunden als auch für alle Mitarbeiter von Thomas Cook, eine absolute Ausnahmesituation.“

„Die Reiseleitung ist sehr bemüht“, sagt Nadine Haase. „Die kann ja auch nur weitergeben, was sie erfährt.“ Aber auch ein Gespräch am Dienstagmittag um 12 Uhr kann das Problem nicht lösen: „Die Reiseleitung kann uns nichts Neues sagen, auch sie kriegt derzeit keine Informationen.“ Sie habe von ihr den Tipp bekommen: Das Hotel bezahlen und sämtliche Quittungen der Reise aufbewahren.

Dem Ehepaar Haase ist das zu viel. „Wir haben jetzt Rückflüge für Freitag gebucht. Der erste Flug geht eigentlich schon am Donnerstag, ist aber deutlich teurer“, sagt Nadine Haase. Das Paar zahlt Hotel und Übernachtungen erst einmal auf eigene Kosten. Drei Tage hat das Bremer Ehepaar nun noch auf Teneriffa. „Wir machen das Beste draus“, sagt Nadine Haase. Das Wetter spielt jedenfalls mit.

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