Gesetz zur Besetzung von Aufsichtsräten Topp, die Quote gilt - nicht alle sind vorbereitet

Die Frauenquote ist beschlossen, Aufsichtsräte müssen weiblicher werden. Zwei Unternehmen in Bremen sind betroffen. Eines erfüllt schon die Frauenquote. Das andere ist weit davon entfernt.
12.03.2015, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Topp, die Quote gilt - nicht alle sind vorbereitet
Von Kathrin Aldenhoff

Die Frauenquote ist beschlossen, Aufsichtsräte müssen weiblicher werden. Zwei Unternehmen in Bremen sind betroffen. Eines erfüllt schon die Frauenquote. Das andere ist weit davon entfernt.

So kann es nicht bleiben: Im Aufsichtsrat der BLG sitzen zwei Frauen und 14 Männer. Das Logistikunternehmen muss aber ab 2016 die Frauenquote von 30 Prozent erfüllen. BLG und BSAG sind die beiden Bremer Unternehmen, die von der gesetzlichen Frauenquote betroffen sind. Und um die zu erfüllen, müssen im BLG-Aufsichtsrat bald fünf Frauen sitzen. „Momentan ist das noch schwierig“, gibt BLG-Pressesprecher Hartmut Schwerdtfeger zu. Das Gesetz werde aber erfüllt werden.

Und auch Karoline Linnert (Grüne) sagt: „Wir werden uns anstrengen.“ Der bremische Senat besetzt acht der insgesamt 16 Aufsichtsratsposten bei der BLG, sie werden nach „uralten Verabredungen“ vergeben, erklärt die Finanzsenatorin. So geht ein Posten traditionell an den Oberbürgermeister der Stadt Bremerhaven, einer an den Wirtschaftssenator, einer an den Finanzsenator. Sie selbst ist also nicht im Aufsichtsrat, weil sie eine Frau ist, sondern weil sie Finanzsenatorin ist. Die zweite Frau im Gremium kommt von der Arbeitnehmerseite: Christine Behle aus dem ver.di-Bundesvorstand.

Der Senat hat sich vorgenommen, dass 40 Prozent der Aufsichtsratmandate, die er vergibt, an Frauen gehen. Zurzeit betrage der Anteil an Frauen auf diesen Posten 44,6 Prozent. „Darauf bin ich stolz“, sagt Karoline Linnert. Auch wenn noch Luft nach oben sei, zum Beispiel bei der BLG, der Bremer Landesbank oder auch bei der Gewoba, wo derzeit keine einzige Frau im 14-köpfigen Aufsichtsrat sitzt.

Knifflige Machtbalance

„Wir schauen bei jeder Besetzung: Gibt es eine Alternative?“, sagt die Senatorin. Bei der BLG Frauen als Aufsichtsräte zu besetzen, sei knifflig, wegen der Machtbalance. Die Frauen müssten Führungspositionen übernehmen, von dort aus gelangten sie dann in die Aufsichtsräte. Deshalb sei es so wichtig, Frauen zu fördern und ihnen Mut zu machen, Führungsverantwortung zu übernehmen.

Der Aufsichtsrat der Bremer Landesbank wird im kommenden Jahr neu gewählt. Und das Gremium habe sich das Ziel gesetzt, die Anzahl der Frauen zu erhöhen, sagt Sprecher Marco Thomfohrde. Bisher sitzen im 18-köpfigen Gremium nur drei Frauen. Und das, obwohl mehr als die Hälfte der Bankmitarbeiter Frauen sind.

Das zweite Bremer Unternehmen, für das die gesetzliche Quote gilt, erfüllt sie bereits: Im Aufsichtsrat der BSAG sind fünf der 16 Posten an Frauen vergeben. Auch in den Führungsebenen arbeiteten immer mehr Frauen, sagt Sprecher Jens-Christian Meyer. „Wir versuchen die Frauenquote zu erfüllen und das aus Überzeugung.“

Keine Panik wegen der Quote

Die gesetzliche Quote gilt auch für das Oldenburger Unternehmen Cewe. Panik wegen der Frauenquote bricht dort aber nicht aus: „Für uns hat die Festlegung der Quote keine Auswirkungen, weil sie bei uns im Unternehmen schon erfüllt wird“, sagt die Sprecherin der Fotodienstleisters, Christine Hawighorst. Vier von zwölf Aufsichtsratsmitgliedern seien Frauen.

Und auch beim Raumfahrtunternehmen OHB ist man gelassen. Das Bremer Raumfahrtunternehmen OHB ist börsennotiert, aber nicht mitbestimmungspflichtig, muss sich also eine eigene Quote setzen. Ein Problem werde das nicht, sagt Sprecher Martin Stade. Seit 2002 ist Christa Fuchs aus der Gründerfamilie Vorsitzende des dreiköpfigen Aufsichtsrates. „Lange, bevor die Quote Thema wurde“, betont Stade. Für Vorstand und Management werde OHB angemessene Zielgrößen definieren.

Auch das Bremerhavener Unternehmen Nordsee muss sich eine Quote verordnen. Kein Problem, sagt Sprecherin Jutta Rubach. Der Frauenanteil im Unternehmen betrage über 80 Prozent. Bei den Führungskräften, zu denen auch Filialleiter zählen, seien etwa 40 Prozent Frauen. Und seit 2011 sei mit Hiltrud Seggewiß eine Frau Vorsitzende der Geschäftsführung.

"Einzelmodelle, die wenig Akzeptanz genießen"

Imke Goller-Wilberg gründete vor vier Jahren die Personalberatung human lead in Bremen. Dass so wenige Frauen in Aufsichtsräten sitzen, liegt ihrer Meinung nach daran, dass sie weniger in Dimensionen von Macht, Gestaltung und Einflussnahme denken als Männer. Auch wenn der Wille da sei, mehr Plätze in Aufsichtsräten mit Frauen zu besetzen, gelinge das nicht immer. „Gesellschaftlich sind Frauen in Machtpositionen noch Einzelmodelle und genießen wenig Akzeptanz.“

Von sich selbst sagt sie: „Ich möchte in der Position sein, Einfluss nehmen zu können und Spielmacherin zu sein.“ Seit September sitzt die Unternehmerin im Aufsichtsrat der Gesundheit Nord, mit fünf anderen Frauen und acht Männern. Imke Goller-Wilberg ist keine Freundin der Quote. Sie bedauert es jedoch, dass Unternehmen es nicht von sich heraus geschafft haben, mehr Frauen in Führungspositionen zu bringen. Deshalb sieht sie ihre Aufgabe nun darin, Frauen zu fördern. „Die Frauen, die jetzt in Aufsichtsräten sitzen, müssen andere Frauen nachholen.“

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