Bilanz für 2018

Trotz Krise der Bankenbranche: Sparkasse macht mehr Gewinn

Die Sparkasse Bremen schafft trotz schwieriger Bedingungen erneut ein Plus: 2018 lag der Überschuss unter dem Strich bei 37 Millionen Euro. Das ist das zweitbeste Ergebnis in den vergangenen zehn Jahren.
28.02.2019, 15:05
Lesedauer: 3 Min
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Trotz Krise der Bankenbranche: Sparkasse macht mehr Gewinn
Von Lisa Boekhoff
Trotz Krise der Bankenbranche: Sparkasse macht mehr Gewinn

Am Donnerstag hat die Sparkasse ihre Bilanz für das vergangene Geschäftsjahr vorgestellt - und die Erwartungen dabei übertroffen.

Frank Thomas Koch

Euphorie ist gegenwärtig nicht die bestimmende Gefühlslage in der Bankenbranche. Die Sparkasse Bremen hat in schwierigen Zeiten dennoch ein sehr ordentliches Ergebnis abgeliefert. Und das während die Kollegen der Hamburger Sparkasse gerade Anfang der Woche einen Gewinneinbruch vermelden mussten. In Bremen dagegen fiel das Geschäftsjahr sogar um drei Millionen Euro stärker aus als 2017. Unterm Strich stehen 2018 37 Millionen Euro. Das ist das zweitbeste Ergebnis seit zehn Jahren.

Doch noch bevor Vorstandschef Tim Nesemann am Donnerstag bei der Vorstellung der Bilanz darauf einging, betonte er, vor welchen Herausforderungen Banken gerade stehen. Regulatorik, Zinseinbruch, Digitalisierung: Die Schlagworte umreißen das Dilemma. Nesemann zufolge gibt es einen unglaublichen Wandel der Kundenbedürfnisse durch neue Technologien. Traditionelle Angebote fragten Kunden immer weniger nach. Zugleich schmelzen die Zinsüberschüsse in Zeiten niedriger Zinsen weiter. Bei der Sparkasse waren es nun noch 183 Millionen Euro. Die Bank steht wie die Konkurrenz im Umbruch.

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Darum sind die Erwartungen trotz des Erfolgs vorsichtig. Die Sparkasse sei sicher stolz auf das Ergebnis, sagte Tim Nesemann, es sei "beachtlich". Die Kernkapitalquote konnte auf 12,5 Prozent ausgebaut werden. Doch der Vorstandsvorsitzende äußert erneut vorsichtige Erwartungen: Von 30 Millionen gehe man für das laufende Geschäftsjahr aus, das müsse auf jeden Fall erreicht werden – eigentlich mehr. Für die Bank ist es aber dieser Tage schon ein Erfolg, den Status quo zu halten.

An die Kosten ist die Sparkasse schon gegangen. Der Verwaltungsaufwand ist in den vergangenen zehn Jahren um mehr als zwanzig Prozent gesunken. Die Bank will in Zukunft mit weniger Mitarbeitern auskommen. Im vergangenen Jahr fiel ihre Zahl um 69 auf 1250. Am Ende dieses Jahres könnten durch das laufende Vorruhestandsprogramm noch 1100 Beschäftigte bleiben. Zugleich bringt die Digitalisierung ganz neue Jobs ins Haus wie im Bereich E-Commerce.

Roboter? Keine Option. Oder doch?

Wie schnell der Wandel ist, macht sich oft an kleinen Dingen bemerkbar. In einem Interview mit dem WESER-KURIER sagte Tim Nesemann noch vor zwei Jahren, es sei "keine Option", dass Roboter die Kunden der Sparkasse begrüßten. Diese Aussage ist überholt: In der Stadtteilfiliale in der Neustadt grüßt seit ein paar Monaten Roboter Luna die Kunden. "Es hat sich sehr viel geändert", erklärt Nesemann nun im Rückblick auf seine Worte. Allerdings denke er nicht, dass Künstliche Intelligenz die Beratung durch Menschen vor Ort ersetze. Dennoch: Vor zwölf Jahren habe es keine Smartphones gegeben.

"Heute kann ich damit 99 Prozent aller Bankgeschäfte erledigen." Darum ist es für die Sparkasse nur plausibel, den Standort vom Brill in den Technologiepark zu verlegen. Derzeit werde bereits eine Zusammenarbeit im Bereich KI mit der Uni Bremen geprüft. Die Entwicklungen seien schon sehr weit. "Wir müssen das für uns nutzen", sagte Nesemann. Gegen Ende des nächsten Jahres will die Sparkasse dorthin umziehen. "Wir sind absolut optimistisch, dass wir den Zeitplan gut einhalten können."

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Die Pläne des Star-Architekten Daniel Libeskind für das Gebäude am Brill findet der Manager, der die Sparkasse nun seit ziemlich genau zehn Jahren führt, spannend. Bremen könne das sehr aufwerten, wenn es an der Stelle einen markanten architektonischen Bau bekomme, der das "tolle historische Gebäude" aufgreife und zugleich neue Akzente setze. Derzeit bremse die Sparkasse einen Fortschritt im Faulenquartier: "Da sind wir ein großer Klotz mittendrin, der die Entwicklung eigentlich hemmt."

15 Stadtteilfilialen sind geplant

Die Sparkasse setzt im Privatkundengeschäft weiter auf ihr Konzept der Stadtteilfiliale. Dort sollen Kunden und die Bewohner des Stadtteils in entspannter Atmosphäre angesprochen und beraten werden können. Im Sommer soll der nächste und damit dritte dieser Standorte in Horn-Lehe öffnen. Insgesamt plant die Sparkasse 15 Stadtteilfilialen. 34 bis 40 Millionen Euro sollen ins Filialnetz fließen. Bankautomaten gibt es in den Stadtteilfilialen nicht. "Wir wollen dort die Kunden in einer digitalen Welt an die Hand nehmen und ihnen helfen, die richtigen Entscheidungen zu treffen", sagt Nesemann. "Da spielen Automaten keine Rolle."

Zulegen konnte die Sparkasse im Privatkundengeschäft um 3000 Neukunden bei den Girokonten. "Auch nach einer Preisumstellung", sagte Vorstand Thomas Fürst. Kunden habe die Sparkasse wegen der missglückten Kommunikation der neuen Gebühren damals nicht – höchstens Konten. Das Kreditvolumen der Firmenkunden stagnierte Heiko Staroßom zufolge trotz 300 neuer Kunden. "Das hat damit zu tun, dass wir nicht jeden Preiskampf in der Stadt mitgemacht haben." Die Sparkasse ist bei Privat- und Firmenkunden nach eigenen Angaben weiter Marktführer in der Region. Diese Position habe man vor allem wegen der Immobilienfinanzierungen, dem Wertpapiergeschäft und mittelständischem Firmenkundengeschäft behaupten können.

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