Maritime Wirtschaft

Trübes Geschäftsklima in der Schifffahrt

Das Konjunkturbarometer der norddeutschen Industrie- und Handelskammern sinkt weiter. Handelskonflikte und Fachkräftemangel bereiten der Wirtschaft Sorgen. Der Bremer Rhederverein sieht weiterhin Chancen.
14.12.2018, 17:07
Lesedauer: 2 Min
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Trübes Geschäftsklima in der Schifffahrt
Von Peter Hanuschke
Trübes Geschäftsklima in der Schifffahrt

Das geringere Wachstum der Weltwirtschaft wirkt sich auf die Schifffahrt aus.

Heimken/dpa

Bremen. Die Stimmung in der maritimen Wirtschaft in Deutschland wird gemessen an den hohen Werten des Vorjahres weiterhin gedämpfter – das ist zumindest das Ergebnis der aktuellen Herbstumfrage der IHK Nord, dem Zusammenschluss zwölf norddeutscher Industrie- und Handelskammern. Danach hat sich das Geschäftsklima in der Schifffahrt deutlich eingetrübt, allerdings halten sich die Rückgänge beim Schiffbau und in der Hafenwirtschaft in Grenzen.

Die deutschen Reeder seien weit weniger zuversichtlich als noch im Frühjahr, heißt es in der Umfrage. Das Konjunkturbarometer verliert mehr als 20 Punkte und liegt derzeit bei 90,9 Punkten. Dies ist der niedrigste Wert seit zwei Jahren. „Das geringere Wachstum der Weltwirtschaft und drohende Handelskriege wirken sich mittlerweile auch negativ auf die globale Schifffahrt aus“, so Gert Stuke, Vorsitzender der IHK Nord. Die Umfrageskala geht von null bis 200. Null ist der schlechteste und 200 der beste Wert.

Der Bremer Rhederverein hat die Hoffnung, dass einige der weltweiten Handelskonflikte zügig gelöst werden können. Vorsitzer Michael Vinnen sieht dennoch die Gefahr, „dass Drohungen mit Strafzöllen auf dem internationalen Parkett salonfähig werden“. Dies sei Gift für die Märkte und den Welthandel und damit auch für die Seeschifffahrt, sagte Vinnen dem WESER-KURIER.

Eine große Herausforderung für die deutschen Reeder sei es, die Erneuerung ihrer Flotte zu finanzieren. Die meisten europäischen schiffsfinanzierenden Banken hätten sich mittlerweile aus dem Geschäft zurückgezogen oder existierten gar nicht mehr. Den Pessimismus, der aus dem Konjunkturreport der IHK Nord spricht, relativiert Vinnen: „Die mittelständischen Bremer Reeder werden weiterhin ihre Chancen auf den internationalen Schifffahrtsmärkten suchen und finden.“ Echte Kaufmannschaft sei ohne Zuversicht und Optimismus nicht möglich.

Die deutschen Werften stehen laut IHK-Umfrage nach wie vor robust da. Der Konjunkturindex gibt lediglich drei Punkte ab und fällt auf 132,1 Punkte. Sorge bereitet bei den Schiffbauunternehmen vor allem der Bedarf an qualifiziertem Personal. Der IHK Nord-Vorsitzende betonte, der Fachkräftemangel sei derzeit im Schiffbau das größte Risiko mit Blick auf die wirtschaftliche Entwicklung. „Zudem sehen über drei Viertel der befragten Unternehmen die Höhe der Arbeitskosten kritisch“, sagte Stuke.

In der Hafenwirtschaft ist die Lage noch besser: In diesem Bereich verliert das Stimmungsbarometer nur einen Punkt und steht jetzt bei 117,6 Punkten. Mehr als 70 Prozent der Betriebe sind aber unzufrieden mit den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen. Stuke sieht hier die Politik gefordert: „Wir brauchen mehr Tempo bei der Planung und dem Bau wichtiger Infrastruktur für die Seehäfen.“ Auch fiskalische Nachteile gegenüber anderen EU-Ländern bei der Erhebung der Umsatzsteuer auf Importe müssten schnell beseitigt werden.

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