Erinnerungen aus 48 Jahren an ein Kaufhaus

Tschüss, Kaufhof

Das war es mit Kaufhof in Bremen. Der WESER-KURIER erinnert an 48 Jahre Kaufhaus. Das sind Erinnerungen an 48 Jahre Lichtbaum, an Modenschauen und an so manche Promi-Autogrammstunde - ein Blick zurück.
17.10.2020, 05:00
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Tschüss, Kaufhof
Von Florian Schwiegershausen
Tschüss, Kaufhof

Der Lichtbaum ist charakteristisch für das Gebäude seit der Eröffnung als Horten im September 1972. Viele Bremer haben an ihn noch Kindheitserinnerungen.

Suhwa Lee

Für die Kunden war es das mit der Galeria Kaufhof in der Bremer Innenstadt. Am Mittwochabend schloss das Kaufhaus für immer. Aus diesem Grund hat der WESER-KURIER in die Tiefen seines Archivs geschaut und in Erinnerungen gekramt. Selbst das Foto vom Richtfest im April 1972 existierte noch. Jahre vor Horten stand hier noch das Verwaltungsgebäude des Norddeutschen Lloyd.

Man wollte damals, dass dort etwas Neues und Moderneres entsteht. Da kam der Neubau der Warenhauskette Horten gerade richtig. Charakteristisch für die Häuser war die Wabenoptik der Außenwände – egal in welcher Stadt in Westdeutschland man war, von Weitem konnte der Kunde anhand dieser fensterlosen Fronten erkennen, dass vor ihm ein Horten-Haus steht.

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Horten in Bremen wurde 1972 eröffnet. Besonders für dieses Haus war der Lichtbaum vom Kellergeschoss bis zum Dach. Den WESER-KURIER erreichten in den vergangenen Tagen einige Anfragen von Lesern, die noch Kindheitserinnerungen von früher daran haben. Sie wollten wissen, ob der Lichtbaum bleibt. Einige dachten, dass er unter Denkmalschutz stehe. Das ist aber laut Bremens oberstem Denkmalschützer Georg Skalecki nicht der Fall. Der Baum wird dennoch weiter leuchten.

Historische Ereignisse

Hier wird im April 1972 zum Richtfest der Richtkranz hoch gehievt.

Foto: Walter Schumann

Es gab mal einen Fahrstuhlführer

Die 1970er-Jahre waren noch die Zeiten der großen Kaufhäuser. Denn schräg gegenüber über den Hanseatenhof befand sich auch noch Hertie. Das Haus schloss 1986 und wurde abgerissen. Damals hieß Kaufhof immer noch Horten und im regionalen Werbefernsehen von Radio Bremen präsentierte immer „Jan Meyer“ als Fahrstuhlführer von Horten die aktuellen Angebote.

Doch im Kaufhaus suchten die Kunden Jan Meyer vergeblich und mussten den Knopf im Fahrstuhl selbst drücken. In den 1980er-Jahren wurde übrigens auch der Außenaufzug hoch zum Parkdeck gebaut. Und zum Ende des Jahrzehnts wurde aus dem Haus „Galeria Horten“. Dieses Konzept erweckte den Eindruck kleiner Shops innerhalb des Kaufhauses.

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Nach der Übernahme 1994 wurde aus Horten Kaufhof. In den 1990er-Jahren gab es hier so manche Autogrammstunde – so auch von der erfolgreichen Bremer Dancefloor-Gruppe „Mr. President“. Die Kunden standen Schlange, um unter anderem von Sängerin T-Seven eine Unterschrift zu erhalten. Im Jahr 2000 zog dann Saturn von der Faulenstraße in die oberen Etagen der Galeria Kaufhof.

Auch 1988 gab es wie immer zum Jahresanfang günstig Kochtöpfe und andere Haushaltswaren. Das war damals so Tradition.

Auch 1988 gab es wie immer zum Jahresanfang günstig Kochtöpfe und andere Haushaltswaren. Das war damals so Tradition.

Foto: Rosemarie Rospek

Alles ist nun Erinnerung

So mancher erinnert sich auch noch an die Strandbar auf dem Parkdeck, als er dort 2006 die Spiele der Fußball-WM schaute. Damals funktionierte auch noch der nun marode Panorama-Aufzug. Alles das ist nun Erinnerung. Jetzt führt der Weg über die Rolltreppen hoch zu Saturn vorbei an rot-weißem Absperrband und trostlosen Etagen.

„Wir sehen immer nur das Haus an sich, aber nie die Beschäftigten selbst hinter diesen Schicksalen“, sagt der Bremer Verdi-Gewerkschaftssekretär Tobias Uelschen. Er hat sich Mittwoch von jedem Beschäftigten verabschiedet und stellt fest: „Mehr als 100 Arbeitsplätze gehen verloren, Menschen die zum Teil nie wieder einen Job finden werden, weil sie für die Gesellschaft als zu alt abgestempelt und in eine Ecke gedrängt werden.“ Laut Uelschen finden sie, die zum Teil nur noch wenige Jahre bis zur Rente haben, nach so einem Schicksalsschlag schwer in einen Job zurück.

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Sie sind es, die den Kunden halfen: als man sich als Kind von seinem Taschengeld eine Playmobilfigur kaufte, dann vom Konfirmationsgeld den ersten Walkman oder die erste Spielekonsole und später vom Hochzeitsgeld das erste Porzellanservice, das jetzt noch immer im Schrank steht. Auch wenn es den Mitarbeitern in diesem Moment nur schwer hilft: Bremen wird sie und all diese Erlebnisse rund um das Kaufhaus im Herzen behalten – und beim Blick auf den Lichtbaum wird so manche Erinnerung wieder aufleuchten.

Im Dezember 2003 signierte Ailton damals als Werder-Spieler Weihnachtskarten zu Gunsten von Unicef.

Im Dezember 2003 signierte Ailton damals als Werder-Spieler Weihnachtskarten zu Gunsten von Unicef.

Foto: Jochen Stoss
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