Das Ende in der Westerstraße naht

Hachez zieht ins Tabakquartier

Der Bremer Schokoladenhersteller Hachez will bereits Mitte August ins Tabakquartier umziehen. Gleichzeitig laufen noch die Verkaufsverhandlungen zum bisherigen Gelände. Das will die Stadt kaufen und entwickeln.
02.07.2020, 11:39
Lesedauer: 4 Min
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Hachez zieht ins Tabakquartier
Von Florian Schwiegershausen
Hachez zieht ins Tabakquartier

Der Schokoladenhersteller Hachez will im August das Werksgelände in der Westerstraße in der Neustadt verlassen.

Christian Walter

Der traditionsreiche Schokoladenhersteller Hachez will im August das Firmengelände an der Westerstraße in der Neustadt verlassen. Der neue Hachez-Geschäftsführer Thomas Lieske sagte dem WESER-KURIER im Interview: „Wenn alles gut geht, wollen wir den Umzug für Mitte August hinbekommen.“ Dann soll es mit dem Unternehmen, das der dänischen Toms-Gruppe gehört, nach Woltmershausen ins Tabakquartier auf das ehemalige Brinkmann-Gelände gehen. Dort soll Lieske zusammen mit den 50 Mitarbeitern vor Ort und 30 weiteren Beschäftigten in Deutschland neue Impulse für die bekannten Schokoladenmarken Hachez und Feodora entwickeln.

Bisher kein Zeitplan für den Verkauf

Damit verlässt das Hanseatische Chocoladen Kontor bereits das angestammte Firmengelände, bevor dafür die Verkaufsgespräche überhaupt beendet sind. Nachdem die Bremische Bürgerschaft für das Areal in der Neustadt ein Vorkaufsrecht beschlossen hatte, führen Vertreter aus dem Bau- und dem Wirtschaftsressort die Verhandlungen mit dem dänischen Süßwarenhersteller Toms. Wie aus den Ressorts zu hören ist, hat man sich keinen Zeitplan gegeben, bis wann bei den Verhandlungen ein Ergebnis erreicht werden soll. Wenn die Stadt und der Besitzer sich beim Preis einig werden, soll im nächsten Schritt ein Investor das Gelände entsprechend den Vorgaben der Stadt entwickeln. Als Vorbild solle dabei das Vorgehen bei der Entwicklung des Kellogg-Geländes in der Überseestadt ­dienen.

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Lieske, der in Bremen geboren ist und auch hier studiert hat, betrachtet die Wahl des künftigen Standorts als eine gute Lösung: „Wir glauben, dass wir dort eine gute neue Heimat finden werden. Schließlich ist der Ort auch mit einer Historie verbunden.“ Zugleich betonte der Vorstandsvorsitzende der dänischen Toms-Gruppe, Lars Henrik Vejrup Hansen: „Wir setzen auf die Zukunft unseres Bremer Standorts und sind überzeugt davon, hier mit Thomas Lieske und seinem Team eine Mannschaft zu haben, die die Marken Hachez und Feodora erfolgreich weiterentwickelt – mit dem klaren Ziel, einen relevanten Beitrag zu unserer Wachstumsstrategie zu leisten.“

Der Beirat Neustadt hat erst vor zwei Wochen eine Liste mit Wünschen für Bausenatorin Maike Schaefer (Grüne) erstellt, was auf dem Hachez-Gelände entstehen soll. Die Stadtteilpolitiker hätten auf dem Areal gern ein autofreies Wohnquartier. Die Gebäude sollen nicht mehr als fünf Stockwerke hoch sein. Die vorhandene Industriearchitektur soll weitestgehend erhalten und energieeffizient saniert werden. Doch das Hachez-Gebäude ist in die Jahre gekommen, allein für die Energieeffizienz müsste entsprechend Geld in die Hand genommen werden.

Vielfalt im Quartier

Außerdem sollen auf dem Gelände kleine Handwerks- oder Dienstleistungsbetriebe eine Heimat finden, sofern ihr Gewerk oder ihr Geschäftsfeld mit der Wohnbebauung verträglich ist. Die Wohnungen sollen zu einem Teil für Studierende zur Verfügung stehen, zum anderen Teil soll es auch eine gewisse Zahl an Sozialwohnungen geben. Das Gebäude könnte auch als Erweiterung für die nahe gelegene Hochschule dienen, für eine Grundschule oder auch für eine Kindertagesstätte. Dazu sollen auch Grünflächen entstehen. Laut Plan könnte das Ortsamt Neustadt/Woltmershausen ebenfalls auf das Areal ­ziehen.

Momentan werden aus den Produktionshallen die letzten Maschinenteile abtransportiert. Ein großer Teil davon ist bei der Schokoladenherstellung in Polen wieder im Einsatz. Andere Maschinen wurden hingegen bis nach Mexiko verkauft. So wollte das Unternehmen verhindern, dass man sich im direkten Bremer Umfeld einen Konkurrenten schafft. Mitte Januar hatte Hachez zum letzten Mal Schokolade in der Bremer Neustadt produziert. Das Aus für die 130 Mitarbeiter in der Herstellung in Bremen war vor mehr als einem Jahr beschlossen worden. Einige der Beschäftigten waren mehr als 40 Jahre im Betrieb tätig. Inzwischen sind mehrere der Mitarbeiter bei anderen Nahrungsmittelherstellern in der ­Region untergekommen, etwa beim Getränkehersteller Vilsa in Bruchhausen-Vilsen.

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Als Lieske vor einem Jahr bei Hachez mit der Arbeit begann, stand der Plan für das Produktionsende in Bremen bereits fest. Er habe Respekt davor, wie die Mitarbeiter bis zum letzten Arbeitstag für die Qualität bei der Herstellung gesorgt hätten – so wie in all den Jahren zuvor. Auf der anderen Seite wäre es schwierig gewesen, die Produktion, die über mehrere Etagen in einem äußerst verwinkelten ­Gebäude gelaufen ist, auf den neuesten Stand zu modernisieren.

Seit 2012 Teil der Toms-Gruppe

Toms hatte Hachez 2012 von den damaligen, langjährigen geschäftsführenden Gesellschaftern Wolf Kropp-Büttner und Hasso Nauck gekauft. Über den Preis wurde Stillschweigen vereinbart. Der dänische Süßwarenhersteller erhoffte sich dadurch auch einen verbesserten Zugang zum deutschen Markt, der hart umkämpft ist, um im Supermarktregal mit seinen Produkten platziert zu werden. 2016 wurden bei Hachez 89 Mitarbeiter entlassen, die in der Logistik und in der Verpackung gearbeitet hatten. Die Logistik, die sich damals in Huchting befand, wurde an ein anderes Unternehmen ausgelagert. Auch jetzt kommt die Ware aus Polen erst einmal ins Lager nach Bremen, damit sie von hier aus zum Teil direkt an die Verkaufspunkte weitergefahren wird.

Hachez will nun nach vorn schauen und ein Teil von Bremen bleiben. Der neue Impuls für das Tabakquartier geht momentan aber nicht nur vom Schokoladenhersteller aus. Fast gleichzeitig hat das Bremer IT-Unternehmen Plutex mitgeteilt, dass es kommenden März mit seinen 20 Mitarbeitern ebenso nach Woltmershausen auf das Areal ziehen will. Für den Internetdienstleister sind 1500 Quadratmeter reserviert. An dem Standort besitzt das Unternehmen bereits einen seiner zwei Internetknotenpunkte.

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