Spezialisten für Datenbrillen

Teamviewer übernimmt Bremer Firma Ubimax

Eine süddeutsche IT-Firma übernimmt den Bremer Spezialisten für Datenbrillen. Für die drei Gründer hat sich das finanzielle Risiko aus den Anfangstagen damit gelohnt.
17.07.2020, 05:00
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Teamviewer übernimmt Bremer Firma Ubimax
Von Stefan Lakeband

Manchmal wird Risiko belohnt. Das zeigt die Geschichte von Hen­drik Witt, der zusammen mit zwei Partnern die Firma Ubimax in Bremen gegründet hat. Viel Geld hätten sie in ihre Idee gesteckt, einen sechsstelligen Betrag. So erzählte es Witt vor einigen Jahren dem WESER-KURIER. Einen konkreten Plan, wohin sich das Unternehmen wie und zu welchem Zeitpunkt entwickeln soll, habe es damals nicht gegeben. Dafür aber eine Vision. Eine, in der das Bremer Unternehmen wichtiger Lieferant für Augmented-Reality-Anwendungen ist mit etlichen Kunden in der Industrie. Wenige Jahre später ist aus dieser Vision schon Wirklichkeit geworden und Ubimax zum Weltmarktführer. Und noch mehr: Die drei Gründer haben ihr Unternehmen in dieser Woche für mehr als 135 Millionen Euro verkauft.

Verkauf an Teamviewer

Es soll der nächste Schritt in der Entwicklung sein. Sowohl für Ubimax als auch für den Käufer. Das ist der MDax-Konzern Teamviewer aus dem baden-württembergischen Göppingen. Das Unternehmen wurde durch seine Software bekannt, durch die man aus der Ferne auf fremde Computer zugreifen kann. Eingesetzt wird sie unter anderem in zahlreichen Firmen, damit IT-Mitarbeiter die Geräte der Beschäftigen warten können, ohne vor Ort am entsprechenden Rechner zu sein. „Beide Firmen verbindet eine von Innovation und Unternehmergeist geprägte Kultur“, sagt Teamviewer-Vorstand Oliver Steil zur Übernahme.

Ubimax’ Geschäftsidee basiert auf sogenannten Wearable Computing, tragbaren Computern. Bekannte Beispiele sind Datenbrillen, die mithilfe erweiterter Realität (Augmented Reality) ihren Träger mit zusätzlichen Informationen versorgen. Ubimax programmiert Software für solche Brillen, die dann in der Industrie und der Logistik eingesetzt werden. Nutzer können zum Beispiel der Kommissionierer in einem Lager sein, dem eingeblendet wird, was er als Nächstes ins Paket packen muss, oder der Mitarbeiter einer Werkstatt, der durch die Brille eine Schritt-für-Schritt-Anleitung sieht, die erklärt, wie er ein Problem beheben oder ein Bauteil reparieren kann.

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Nach eigenen Angaben nutzen mehr als 200 Unternehmenskunden weltweit die Programme von Ubimax, darunter große Konzerne wie DHL, Airbus und BMW. In der Bremer Zentrale in der Überseestadt arbeiten aktuell rund 80 Beschäftigte. Weitere Standorte gibt es unter anderem in den USA und Mexiko. Die Hansestadt soll auch nach der Übernahme Hauptsitz des Unternehmens bleiben, sagte eine Sprecherin auf Nachfrage. Personelle Veränderungen seien nicht geplant.

Auszeichnung mit vielen Preisen

Ubimax wurde in der Vergangenheit mit etlichen Preisen ausgezeichnet. Zuletzt hat das Unternehmen die sogenannten Billings, Geld, das den Kunden in einer Periode in Rechnung gestellt wird, auf 9,1 Millionen Euro gesteigert. Auch künftig wird ein Wachstum erwartet. Zur Übernahme kam es durch beidseitiges Interesse der Unternehmen aneinander, wie die Sprecherin mitteilt.

Neben den drei Gründern, die einen Großteil des Unternehmensanteils halten, hatte Ubimax auch weitere Investoren. Dazu gehörte unter anderem eine Tochterfirma der Optiker-Kette Fielmann. Sie war erst in diesem Frühjahr mit einer Beteiligung von zehn Prozent eingestiegen. Dem „Handelsblatt“, sagte Witt, er wolle zusammen mit Fielmann die „führende B2B-Plattform für Smart Glasses aufbauen“. Teamviewer übernimmt nun wohl aber auch den Anteil des Brillenhändlers.

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Witt, der an der Universität Bremen Informatik studiert hat, wird weiterhin in der Führung von Ubimax bleiben. Er erhält neben Geld für seine Anteile auch Aktien von Teamviewer. Das Unternehmen war vergangenes Jahr an die Börse gegangen. „Die neuen Aktien unterliegen einer Sperrfrist von drei Jahren, wobei die Freigabe in jährlichen Tranchen erfolgt, was das langfristige Engagement der Gründer unterstreicht“, heißt es dazu in einer Mitteilung zur Übernahme.

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